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Uno: Türkei wohl für Kriegsverbrechen in Syrien verantwortlich

In this photo taken on Sunday, March 1, 2020, Turkey-backed opposition fighters carry fellow fighters for treatment who were wounded in fighting with Syrian government forces and their allies in Sarmi ...
Von der Türkei unterstützte Oppositionelle werden südlich von Idlib, Syrien zur medizinischen Behandlung gebracht. Bild: AP

Uno: Türkei wohl für Kriegsverbrechen in Syrien verantwortlich

02.03.2020, 15:53
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Die Türkei könnte nach Auffassung der Uno für Kriegsverbrechen gegen Kurden in Nordsyrien im vergangenen Jahr «strafrechtlich verantwortlich» gemacht werden. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der Uno-Ermittlungskommission zu Syrien hervor.

Ankara könne möglicherweise für schwere Verstösse, die von Kämpfern der verbündeten Syrischen Nationalarmee begangen wurden, strafrechtlich haftbar gemacht werden, heisst es darin

Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum von Juli 2019 bis zum 10. Januar dieses Jahres und stützt sich auf Vorwürfe vertriebener kurdischer Familien und anderer Zivilisten. Diese werfen den von Ankara unterstützten syrischen Milizen Hinrichtungen, die Beschlagnahmung von Häusern und Plünderungen vor.

Der Bericht bezieht sich unter anderem auf den Fall der Kurdenpolitikerin Hewrin Chalaf, die am 12. Oktober gemeinsam mit ihrem Fahrer nahe Kamischli ermordet worden war. Mitglieder der Brigade 123 der Syrischen Nationalarmee hatten Chalaf der Ermittlungskommission zufolge an den Haaren aus ihrem Auto gezogen und ihren Körper verstümmelt, bevor sie sie hinrichteten.

Sollten Mitglieder bewaffneter Gruppen unter dem Kommando und der Kontrolle türkischer Truppen gehandelt haben, seien die zuständigen Kommandanten strafrechtlich verantwortlich, warnte die Kommission.

Haftbar könnten demnach auch diejenigen sein, die es versäumt hätten, Massnahmen zu ergreifen, um solche Verbrechen zu verhindern.

Die Ermittler verwiesen auch auf einen Luftangriff am selben Tag in der Region auf einen zivilen Konvoi mit Familien und Journalisten, bei dem elf Menschen getötet und 74 verletzt worden waren.

Verschiedene Seiten beschuldigt

Die Uno-Ermittlungskommission war 2011 kurz nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs ins Leben gerufen worden und hat seither verschiedenen Seiten in dem Konflikt Kriegsverbrechen und in einigen Fällen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Zuletzt spitzte sich der Syrien-Konflikt in der letzten Milizenregion Idlib wieder zu, wo die Türkei eine Militäroffensive gegen die syrischen Regierungstruppen startete. Die Konfrontation zwischen den von Russland unterstützten syrischen Regierungstruppen und dem Nato-Mitglied Türkei hat Sorgen vor einem grösseren Konflikt und einer neuen Flüchtlingskrise in Europa geschürt. (sda/afp)

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2 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lolita
02.03.2020 18:27registriert März 2020
Das hatte er ja angekündigt. Es ist gut, dass angesichts von Geldern und Flüchtlingen dies zur Sprache kommt.
Besser wäre gewesen die Türkei von Anfang an zu verurteilen und zu boykottorieren. Statt dessen hat sich die EU sinnlos erpressen lassen.
STOP Erdogan und all seine Sympathisanten.
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