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«Wir werden nicht zögern»: Türkei droht Syrien mit weiterer Vergeltung

Eine Dringlichkeitssitzung bei den UNO verstärkt den Eindruck: Eine weiteren Eskalation in Syrien könnte eine folgenschwere Kettenreaktion auslösen.



Nach der jüngsten Eskalation des Konflikts zwischen Syrien und dem Nato-Mitglied Türkei hat Ankara im UNO-Sicherheitsrat mit Vergeltungsschlägen gedroht. «Wenn sie es auf die harte Tour lernen wollen, können sie das haben. Die Türkei will keinen Krieg», sagte der türkische UNO-Botschafter Feridun Hadi Sinirlioǧlu am Freitag bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Aber die Türkei werde nicht zögern, Gewalt anzuwenden, wenn ihre Sicherheit bedroht seien. Jede Provokation von syrischer Seite werde mit aller Macht beantwortet werden.

Turkish military convoy drives in Idlib province, Syria, Saturday, Feb. 22, 2020. A Turkish soldier was killed in Syria's northwest Idlib province, state-run Anadolu news agency reported Saturday. (AP Photo/Ghaith Alsayed)

Ein türkischer Militärkonvoi in Nordsyrien. Bild: AP

33 getötete türkische Soldaten

Die Sitzung des UNO-Sicherheitsrats war kurzfristig nach einem Luftangriff auf die türkische Armee in der nordsyrischen Provinz Idlib einberufen worden. Dabei waren am Donnerstag nach türkischen Angaben mindestens 33 Soldaten getötet worden. Nach dem Vorfall forderte Ankara Beistand der Nato und der internationalen Gemeinschaft und griff als Vergeltung in der Nacht zu Freitag syrische Regierungstruppen an.

Die USA stärkte der Türkei für mögliche weitere militärische Manöver den Rücken. «Die Türkei hat unsere volle Unterstützung, um in Selbstverteidigung auf ungerechtfertigte Angriffe auf türkische Beobachtungsposten zu reagieren, die zum Tod ihrer eigenen Streitkräfte geführt haben», sagte die amerikanische UNO-Botschafterin Kelly Craft. Das gelte auch für die kommenden Tage. Auch US-Aussenminister Mike Pompeo teilte mit, die USA stünden nach dem «verachtenswerten» Angriff an der Seite des Nato-Bündnispartners.

Russland bedauert Vorfall

Russlands UNO-Botschafter Wassili Nebensja äusserte Bedauern über den Tod der türkischen Soldaten, sagte dabei aber auch, dass diese sich ausserhalb eines Beobachtungspostens aufgehalten hätten. «Als klar wurde, dass es passiert ist, ergriff die russische Seite umfassende Massnahmen, um die Feindseligkeiten zu beenden.» Er betonte, dass es sich trotz allem bei der Region Idlib um syrisches Staatsgebiet handele.

Idlib ist das letzte grosse Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten, und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet. Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war Syrien mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Guterres sieht neue Phase

UNO-Generalsekretär António Guterres nahm ebenfalls an der Sitzung des Sicherheitsrats teil. Er warnte, dass der Syrien-Konflikt mit der Eskalation in eine neue Phase eingetreten sei.

Rosemary DiCarlo, Untersekretärin für politische und friedensfördernde Angelegenheiten, forderte ein neue Waffenruhe für Idlib und zeichnete ein düsteres Bild von der Lage vor Ort angesichts der rücksichtlosen Kämpfe. «Zivilisten werden in Lagern für Vertriebene, Schulen und Krankenhäusern getötet. Dies geschieht Tag und Nacht, tagein tagaus. Krankenhäuser zerstört, Schulen zerstört, Menschenleben zerstört.»

Neben einer Reihe weiterer UNO-Botschafter forderte auch der deutsche Vertreter Christoph Heusgen eine sofortige Waffenruhe und betonte die «volle Solidarität» mit der Türkei. Dabei wandte er sich auch gegen Syriens Schutzmacht Moskau. «Wir fordern Russland auf, die Unterstützung der Militäroffensive durch das syrische Regime zu beenden.» Eine militärische Lösung in dem Konflikt sei unmöglich.

Sondertreffen der Nato

Angesichts der Eskalation des türkisch-syrischen Konflikts war der Nordatlantikrat der Nato am Freitag bereits zu einem Sondertreffen zusammengekommen. Generalsekretär Jens Stoltenberg rief Syrien und Russland danach dazu auf, ihre Offensive zu beenden, internationales Recht zu achten und die Bemühungen der UN für eine friedliche Lösung zu unterstützen. «Diese gefährliche Situation muss deeskaliert werden.» (sda/dpa)

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Dieser Syrer rappt über Krieg, Diktatur und Tyrannei

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • T13 29.02.2020 15:53
    Highlight Highlight Gebt Erdogan und Assad Schwerter in die Hand dann sollen sies unter sich ausmachen.
    • rodolofo 29.02.2020 18:28
      Highlight Highlight Assaaaaad ... deeer ... Bandwuuuurm!
      Geeegeen ... Erdiiii ... deeen Ziegenbooock!
  • KEULENSPIEGEL 29.02.2020 14:24
    Highlight Highlight Erdolf sucht die finale Lösung zur Wiedererrichtung des osmanischen Reiches.
    Wäre in diesem Zusammenhang interessant zu wissen ob es in seinem Palast auch einen Bunker hat.

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  • dmark 29.02.2020 12:56
    Highlight Highlight "...dass es sich trotz allem bei der Region Idlib um syrisches Staatsgebiet handele."

    Hat das Erdogan schon jemand mal gesagt?
    • rodolofo 29.02.2020 15:11
      Highlight Highlight Du bist ein Theoretiker!
      Diejenigen, die es gewagt haben, sich gegen "Assad den Schrecklichen" zu erheben, im "Arabischen Frühling", gelten jetzt als vogelfrei.
      Sie sind Untermenschen geworden im Assad'schen Faschismus.
      Und eigentlich waren sie das ja vorher schon.
      Darum HABEN sie ja den Aufstand gewagt!
      Doch sie rechneten nicht mit der äussersten Grausamkeit des Régimes, und dass dieses Unterstützung erhielt von Putin-Russland, dem Mullah-Iran und... Donald Trump...
    • Musikuss 29.02.2020 15:17
      Highlight Highlight Ja, eben Putin, alle anderen, allen voran die Europäer, sind zu feige dazu!
      Ist Euch eigentlich bewusst, dass Assads Syrien - neben Israel - das einzige Land im Nahen Osten ist, wo Christen einigermassen im Frieden leben können? Oder ist das Euch einfach wurscht?
    • dmark 29.02.2020 16:06
      Highlight Highlight Es scheint vielen nicht bewusst zu sein, dass Syrien ein Staat ist, in dem jede Religion leben kann, solange sie nicht in staatliche Dinge eingreifen möchte.

      @rodolofo:
      Warst du schon mal dort oder erzählst du das jetzt einfach mal so?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rabbi Jussuf 29.02.2020 12:37
    Highlight Highlight Jetzt versucht der osmanische Sultan noch die EU zu erpressen, indem er die Grenzen aufmacht.


    Es wird ihm gelingen - bei der katastrophalen Nahost-Politik der UNO und besonders Deutschlands seit Jahrzehnten.
    • Rabbi Jussuf 01.03.2020 16:34
      Highlight Highlight Ich vermute bald, dass der Flüchtlingsdeal zum Einlullen der Europäer und vor allem der Deutschen gedacht war.
      Man konnte auch damals unmöglich so naiv gewesen sein und glauben, dass sich Erdogan an den Deal halten würde.

      Obwohl, der Merkelregierung traue ich alles zu!
  • S.Potter 29.02.2020 10:53
    Highlight Highlight Da bin ich mal mit den Amis gar nicht einig. Wer in ein fremdes Land einmarschiert muss mit Angriffen rechnen.Die haben in Syrien nichts verloren. Der Erdogan verursacht nur einen Flächenbrand. Ich hoffe dass die Türken da so richtig auf die Schnautze kriegen.
  • Therealmonti 29.02.2020 09:58
    Highlight Highlight Erdogan und seine Vasallen widersprechen sich selber.
  • Mäni99 29.02.2020 09:18
    Highlight Highlight Eigentlich unverständlich: die Türken gehen mit Miltär in ein fremdes Land und sind entrüstet, dass sie dort „angegriffen“ werden. Der Herr Erdogan hat wohl Narrenfreiheit ?
  • Ichiban 29.02.2020 08:45
    Highlight Highlight Die Türkei will keinen Krieg...ist das Besetzen von Gebieten keine kriegerische Handlung?
  • El Mac 29.02.2020 08:30
    Highlight Highlight Bevor ihr wieder anfangt mit „Ja, aber was machen die Türkischen Soldaten in Syrien“. Es gibt einen Abkommen zwischen Türkei, Syrien und Russland, wo das zugelassen wurde.
    • freeLCT 29.02.2020 09:40
      Highlight Highlight @El Mac:

      Kommt noch eine Quelle davon?
    • Rabbi Jussuf 29.02.2020 09:50
      Highlight Highlight Dieses Abkommen wurde unter Ausschluss der NATO gemacht und darüberhinaus schon mehrfach gebrochen, zuallererst von der Türkei selber. Das ist also obsolet.
    • WeischDoch 29.02.2020 11:48
      Highlight Highlight Das Abkommen besagt, dass die Türkei risiken durch terroristische Organisationen bekämpfen darf, sofern die Regierung das nicht tut. Die Türkei greifft aber in Idlib syrische Soldaten an, die eben gegen Terroristen vorgehen. Und wer steht an der Seite der Terroristen und muss 33 soldaten begraben? Richtig. Die Türken. Das Abkommen wird hier verzerrt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • manolo 29.02.2020 08:27
    Highlight Highlight da zündelt Erdogan an allen Ecken und Enden und dann will er noch Hilfe von den Europäern und der Nato!
    ich hoffe doch sehr , dass man sich nicht einspannen lässt!
  • SeboZh 29.02.2020 07:52
    Highlight Highlight Dann hört auf fremde Länder zu besetzen, dann schaffen es eure Soldaten auch lebend nach Hause...

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