Selenskyj wirft Kreml gezielten Terror gegen Bevölkerung vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den schweren Luftangriffen in dieser Woche Russland gezielten Terror gegen die Menschen seines Landes vorgeworfen. Das russische Militär habe innerhalb der vergangenen Woche rund 1'100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen und Marschflugkörper, darunter die Mittelstreckenrakete Oreschnik, gegen die Ukraine eingesetzt, schrieb er in sozialen Netzwerken. «Auf Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser.»
Moskau habe extra das frostige Wetter abgewartet, um den einfachen Ukrainern das Leben so hart wie möglich zu machen. «Das ist bewusster, zynischer russischer Terror gegen die Menschen», argumentierte Selenskyj. Seine Worte illustrierte er mit Videoausschnitten von Drohnenschäden ziviler Objekte in Kiew und Umland sowie in den Regionen Charkiw, Cherson, Dnipropetrowsk, Donezk, Odessa, Saporischschja und Tschernihiw. Bilder aus dem westukrainischen Lwiw, wo die Oreschnik-Rakete eingeschlagen ist, waren nicht zu sehen.
Der Kreml stellt die andauernde Bombardierung der Ukraine als Schläge gegen ausschliesslich militärisch relevante Objekte dar, auch wenn unter der Zerstörung von Kraftwerken die Zivilbevölkerung leidet. Moskau hat zuletzt seinerseits Terrorvorwürfe gegen Kiew erhoben, weil die Ukraine angeblich eine Drohnenattacke auf eine der Residenzen von Kremlchef Wladimir Putin lanciert hat.
Kiew berichtet von Angriffen auf russische Bohrplattformen
Ukrainische Militärs haben ihrerseits die Beschädigung von drei russischen Ölbohrplattformen im Kaspischen Meer für sich beansprucht. Die Plattformen des russischen Ölgiganten Lukoil dienten der Versorgung der russischen Streitkräfte in der Ukraine, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew auf Telegram mit. Die Generalität machte keine Angaben zur Art des Angriffs, sprach aber von «direkten Treffern», sodass der Einsatz von Langstreckendrohnen möglich schien.
Der Bericht über den Angriff konnte von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Das russische Militär macht grundsätzlich keine Angaben zu eventuellen Schäden durch ukrainische Angriffe.
Die Ukraine greift wiederholt Objekte der Öl- und Gasindustrie in Russland an, um die Versorgung der russischen Besatzungstruppen zu erschweren. (hkl/sda/dpa)
