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Gesicht der tödlichen ICE-Einsätze in USA: Greg Bovino tritt ab

Greg Bovino, the chief patrol agent for the U.S. Border Patrol El Centro sector, stands with federal immigration agents as they keep watch while detaining a man who took off running away from them as  ...
Greg Bovino galt es Gesicht der brutalen Einsätze der US-Abschiebebehörde ICE.Bild: keystone

Gesicht der tödlichen ICE-Einsätze in USA: Greg Bovino geht vorzeitig in Rente

Der als Symbolfigur der radikalen Migrations- und Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump bekanntgewordene Grenzschutzkommandeur Greg Bovino geht vorzeitig in den Ruhestand.
17.03.2026, 07:5417.03.2026, 07:55

Die «New York Times» und das rechte Internetportal «Breitbart» bekamen Bovinos Rückzug von ihm selbst bestätigt. Andere US-Medien wie der Sender NBC News meldeten unter Berufung auf Informanten bei der Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP, der für sein martialisches Auftreten bekannte Protegé des Präsidenten werde Ende des Monats seinen Hut nehmen – ein Jahr vor dem für CBP-Beamte verpflichtenden Pensionierungsalter von 57 Jahren.

Trump mochte an ihm, was andere entsetzte

Kaum ein Name und Gesicht wurde in den USA so sehr mit den umstrittenen Razzien gegen Migranten ohne Aufenthaltsrecht in Verbindung gebracht wie Bovinos. Als «commander at large» – also Chef eines mobilen Kommandos der Border Patrol – war er in mehreren Grossstädten an vorderster Front im Einsatz. Dabei erwarb er sich den Ruf, betont rücksichtslos vorzugehen und seine hochgerüsteten Beamten selbst im Falle auf Video dokumentierter Gewaltexzesse weiter eisern zu verteidigen.

Bovinos hollywoodreife Social-Media-Clips sorgten für Vergleiche mit paramilitärischen Einheiten oder Polizeibehörden in autokratischen Systemen. Mit seiner berüchtigten «turn and burn»-Taktik, dem blitzschnellen, aggressiven Vorgehen gegen mutmasslich illegal eingewanderte Migranten und alle, die sich seinen Beamten in den Weg stellten, schockierte er viele Amerikaner. Bei Präsident Trump verschaffte ihm das rabiate Auftreten hingegen Anerkennung.

U.S. Border Patrol Cmdr. Gregory Bovino shouts at protesters, Sunday, Jan. 11, 2026, in Minneapolis. (AP Photo/Jen Golbeck)
Immigration Enforcement Minnesota
Bild: keystone

Tödliche Schüsse als Wendepunkt

Erst nach zwei Vorfällen mit tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf US-Bürger in Minneapolis wurde Bovino als Einsatzleiter abgezogen. Vorher war er noch vor die Presse getreten und hatte behauptet, der Krankenpfleger Alex Pretti habe ein «Massaker» unter seinen Beamten anrichten wollen und sei aus Notwehr erschossen worden – obwohl er als Einsatzleiter keinerlei Belege dafür liefern konnte und Videos von der Szene seiner Schilderung widersprachen. Mit der Bekanntgabe seiner Versetzung nach Kalifornien nahm ihn das Innenministerium dann aus der Schusslinie.

Auf seinen Social-Media-Accounts präsentiert sich der wegen seiner geringen Körpergrösse als «Little Napoleon» verspottete Grenzschützer gern in martialischen Posen. Wegen seines auffälligen Haarschnitts und zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen wurde ihm vorgeworfen, sich dabei einer Nazi-Ästhetik zu bedienen. Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten, höhnte der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom. Bovino wies das zurück. (sda/dpa)

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future--?
17.03.2026 08:32registriert November 2023
Der Abgang von Bovino ist kaum ein Triumph – er geht freiwillig, ein Jahr vor der Pflichtpensionierung, und hinterlässt ein System, das er mitgeprägt hat. Dass jemand, der Videos dokumentierter Gewaltexzesse weiter eisern verteidigte und nach tödlichen Schüssen auf US-Bürger keine Konsequenzen fürchten musste, überhaupt so lange an vorderster Front agieren konnte, ist der eigentliche Skandal. Der «Little Napoleon» verschwindet von der Bühne, aber die Strukturen, die sein Auftreten ermöglicht und belohnt haben, bleiben bestehen.
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