International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Essensausgabe für Schüler. (Symbolbild) bild: shutterstock

«Lunch shaming» – wenn Eltern nicht zahlen, bezahlen die Kinder

Manche US-Schulen demütigen Kinder, deren Eltern das Essensgeld nicht bezahlt haben. Die Angestellte einer Schulkantine wehrte sich gegen das «lunch shaming» - der erste US-Bundesstaat hat die Praxis nun verboten.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es war in der ersten Woche des neuen Schuljahres, auf dem Speiseplan der Kantine einer Grundschule in Pennsylvania stand Hühnchen. Ein Junge aus der ersten Klasse hatte das Fleisch bereits auf dem Teller, doch da kam eine Mitarbeiterin und warf es in den Müll. Der Grund: Die Eltern des Kindes hatten das Essensgeld nicht bezahlt.

«Lunch shaming» wird diese Praxis in den USA genannt, und der Vorfall aus Pennsylvania ist kein Einzelfall. An manchen Schulen müssen betroffene Kinder zur Strafe den Fussboden der Mensa wischen, an anderen bekommen sie einen Stempel auf den Arm mit der Aufschrift «Ich schulde Essensgeld».

Stacy Koltiska, eine Kantinenangestellte aus Pennsylvania, hat eine öffentliche Diskussion über diese Form der Diskriminierung von Kindern aus armen Familien angestossen. Koltiska hatte dem Erstklässler gemäss Vorschrift das Hühnchen wieder weggenommen. «Seine Augen füllten sich mit Tränen und da dachte ich mir: Das kann ich nicht machen, das ist lächerlich», erzählt die dreifache Mutter.

«Praxis ist weitverbreitet»

Koltiska kündigte daraufhin im vergangenen September ihren Job. Sie könne nicht länger für «eine Einrichtung arbeiten, die wegen 2.05 Dollar einem Kind das Essen verweigert und es demütigt», schrieb sie in ihrer Kündigung, die Schlagzeilen machte.

New Mexico verbot daraufhin im April als erster US-Bundesstaat, Kinder wegen der Essensgeldschulden ihrer Eltern zu ächten. In Kalifornien und Texas wird über ein ähnliches Gesetz diskutiert. «Diese Praxis ist weitverbreitet», sagt Jennifer Ramo, Leiterin der Organisation Appleseed in New Mexico, die gegen die Armut kämpft und das Verbot des «lunch shaming» angestossen hat.

Auch Ramo kennt Geschichten von Kindern, denen die warme Mahlzeit an der Kasse wieder weggenommen wurde. «Das Essen wird tatsächlich weggeworfen, und die Kinder bekommen ein Käsebrot oder auch gar nichts», sagt sie. Die Schulverwaltungen glaubten, wenn sie die Kinder beschämten, wären die Eltern eher bereit, die offenen Rechnungen zu begleichen.

Michael Padilla, Senator in New Mexico, weiss, wie sich Kinder fühlen, die dazu missbraucht werden, ihre Eltern unter Druck zu setzen. «Als ich ein Kind war, musste ich die Böden schrubben und in der Küche arbeiten», erzählt er. Umso mehr schockiert es ihn, dass 30 Jahre später immer noch Kinder in der Schulkantine gedemütigt werden.

«Nach dem Gesetz, das wir verabschiedet haben, liegt die Verantwortung für die Schulden beim Essensgeld direkt bei den Eltern», sagt Padilla. «Die Kinder dürfen nicht mehr bestraft werden.»

Lehrer und Kantinenmitarbeiter übernehmen Rechnung

Drei Viertel der Schulbezirke in den USA hatten laut einer Studie des Verbandes für Ernährung in der Schule 2016 am Ende des Schuljahres Aussenstände beim Essensgeld. In manchen Bezirken blieb die Elternschaft demnach Millionen Dollar schuldig. In vielen Fällen begleichen Lehrer, Kantinenmitarbeiter oder Sponsoren die Rechnungen, um Kinder vor der Schmach und einem knurrenden Magen zu bewahren.

«Wie kann man erwarten, dass sich ein Kind acht Stunden in der Schule konzentriert, ohne etwas zu essen zu bekommen?», empört sich die ehemalige Kantinenmitarbeiterin Koltiska. «Wir geben Gefangenen drei Mal am Tag zu essen, aber unsere Kinder bekommen nichts.»

lov/AFP

Die besten Guetzli EVER: Die Rangliste

Abonniere unseren Newsletter

48
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wilhelm Dingo 09.05.2017 12:39
    Highlight Highlight Wenn ein Mensch fähig ist, einem Kind das nicht bezahlte Essen in den Müll zu kippen und es öffentlich zu demütigen, der ist noch zu viel schlimmerem bereit. Aber sie tun halt nur was ihnen vom Vorgesetzten befohlen wurde...
  • NucQB 09.05.2017 10:22
    Highlight Highlight Da hat man gleich Lust Kinder in die Welt zu setzen. Übrigens, wenn die Armen aufhören würden Kinder zu haben, dann würden die Reichen schnell merken weshalb das auch für sie problematisch ist, sie hätten dann nämlich keine Sklaven mehr. Nur leider sind die Armen oft dumm und Sex ist eine der wenigen Vergnügen die ihnen bleibt, schade.
    • meine senf 09.05.2017 10:47
      Highlight Highlight Sie sind nicht dumm. Aber oft wird ihnen Bildung verweigert. Das ist ein Riesenunterschied.

      Gerade in den USA, wo Bildung ein normales kapitalistisches Luxusgut ist.
    • Kaviar 09.05.2017 11:46
      Highlight Highlight Zwangssterilisation: Spass ohne Kinder für die Armen.
    • saukaibli 09.05.2017 12:36
      Highlight Highlight Das Problem ist nicht, dass die Armen dumm wären, sie haben einfach weniger Zugang zu Bildung. Vor allem in den USA - wo das Märchen vom Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär noch populär ist - sind die Aufstiegschancen von allen Industrieländern am schlechtesten. Kinder armer Familien können absolut nichts dafür, dass sie arm sind und es vermutlich immer bleiben werden. Dafür sollten sie nicht noch bestraft werden, indem man sie blossstellt.
  • meine senf 09.05.2017 09:36
    Highlight Highlight So lernen die Kinder schon zu Beginn weg "Du bist gar nichts, dein Geld und deine Familienherkunft ist alles. Hättest dir halt wohlhabendere Eltern aussuchen müssen."

    Feudalistisches Mittelalter statt "american dream".

    Und auch hier wird es immer mehr so. Man siehe nur all die Werbung für Privatschulen und Nachhilfsunterrichtinstitute. Auch da geht es nur noch um Familiengeld und nicht mehr um Leistung oder Interesse.
    • Kaviar 09.05.2017 11:48
      Highlight Highlight Wenn Du glaubst, bei uns sei es wesentlich anders, dann irrst aber gewaltig.
  • Kaviar 09.05.2017 07:59
    Highlight Highlight Bei uns kriegen die Schüler das Essen auch nicht, wenn sie kein Geld haben es zu bezahlen.
    Der Fehler liegt in der Art der Zahlungsabwicklung. Die Schüler sollten ihr Essen an der Kasse selber bezahlen und die Eltern das Essensgeld den Kindern aushändigen, statt der Schule.
    Dann wüsste das Kind im Voraus, ob es in der Mensa Essen bekommen kann, oder nicht.
    Die Schule könnte alternativ auch Essnsmarken ausgeben, an die Kinder deren Eltern das Essensgeld bezahlten.
    Aber wie jetzt, das Kind in den Hammer laufen lassen und abstrafen für nichts, was es falsch gemacht hat, das ist nicht richtig.
    • meine senf 09.05.2017 10:20
      Highlight Highlight Man könnte das Essen über die Steuern bezahlen. Wenn man die durchschnittliche Anzahl an Kindern hat, würde das den Einzelnen ja genau gleich viel kosten.

      Aber schon klar:
      "Ich zahle doch nicht für die Gören anderer", "Wer mit zuwenig Geld Kinder auf die Welt stellt ist selber schuld" (was können da aber die Kinder dafür?)
      "Die Eltern sollen halt nicht so viel saufen oder rauchen" (auch hier: was können die Kinder dafür?)

      Traurige neoliberale Welt. Und gerade die Ärmeren vertreten solche Einstellungen, wie die Trump-Wahl bewies. Wohl in der Hoffnung, dass es nur die noch ärmeren trifft.
    • Kaviar 09.05.2017 11:43
      Highlight Highlight @namenlos: Ich finde es nicht richtig, dass Kinder nichts zu essen kriegen. Und ich finde es richtig, dass jeder bezahlen muss, was er kaufen will.
      Wenn ein Kind nichts zu Essen bekommt, dann haben die Eltern Schuld. Auch in den USA gibt es eine funktionierende Wohlfahrt (Essensmarken, Gassenküchen u.a. getragen vom Staatswesen und viel mehr, als in der Schweiz, auch von ganz vielen Privatleuten). Man muss allerdings als Armer merken, wenn man den Stolz, nicht um Hilfe zu bitten, vorallem den Kindern zuliebe, ablegen muss.
    • Kaviar 09.05.2017 11:44
      Highlight Highlight @meine Senf: die Segnungen der totalen Verstaatlichung kann man z. B. in Nordkorea ganz gut erhungern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • TheGreenOne 09.05.2017 07:45
    Highlight Highlight Einfach nur traurig.
    Das nennt man wohl Vollendung der so "innovativen" freien Marktwirtschaft. Milliarden Gewinne und hungernde Kinder im eigenen Land...
    Eine Schande!
  • HAL9000 09.05.2017 07:38
    Highlight Highlight 'Murricans at their best.
  • Moudi 09.05.2017 07:29
    Highlight Highlight Typisch Amis..
  • Wilhelm Dingo 09.05.2017 07:24
    Highlight Highlight Das ist kein zivilisiertes Land
  • Bruno S. 88 09.05.2017 06:54
    Highlight Highlight Land of the free...eher Land of "ohne geld bis du nichts wert"
    • Kaviar 09.05.2017 08:00
      Highlight Highlight Alias "die Schweiz"!
    • meine senf 09.05.2017 09:39
      Highlight Highlight Wenn Parteien pathetisch von "Freiheit" reden, sollte man sich immer fragen "Freiheit wovon?"

      Oder nach Kris Kristofferson "Freedom's just another word for nothing left to lose".
    • Bruno S. 88 09.05.2017 11:28
      Highlight Highlight @Kaviar in der schweiz landet niemand wegen Geldmangel auf der Strasse!! Kein Vergleich zu Amerika!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 09.05.2017 06:43
    Highlight Highlight Dieses Verhalten einiger Schulen ist sicher daneben. Traurig, dass einige Eltern ein paar Dollar auf dem Buckel ihrer Kinder sparen wollen und Schulen keine bessere Handhabe haben.

    Dies wieder gleich auf das ganze Land hochzuskalieren und Amerika-Bashing zu betreiben wie einige Leute hier zeugt aber auch nicht von kybernetischem Denken.
    • blueberry muffin 09.05.2017 08:14
      Highlight Highlight Die Eltern sparen nicht ein paar Dollar. Sie haben das Geld schlicht nicht.

      In Amerika gibt es keine Sozialversicherung mit der man aufstocken kann und Vollzeitstellen ohne höhere Ausbildungen zahlen oft deutlich weniger als wir vom Sozialamt fürs nicht arbeiten bekommen würden.

    • EvilBetty 09.05.2017 08:45
      Highlight Highlight Man kann das sehr wohl aufs ganze Land beziehen denn dieses Land ermöglicht es, dass ein solches System überhaupt installiert werden kann.
    • manhunt 09.05.2017 10:00
      Highlight Highlight das einige eltern ein paar dollars auf dem buckel ihrer kinder sparen? sag das bitte mal eltern die mehrere jobs ausüben, denen das geld aber trotzdem hinten und vorne nicht reicht.
  • Bätzi 09.05.2017 06:38
    Highlight Highlight 😮😮😮 schockierend und dem bericht zu folge nicht ein neues problem.
  • atomschlaf 09.05.2017 05:23
    Highlight Highlight Erbärmlich, einfach nur erbärmlich! 🙁
  • öpfeli 09.05.2017 04:35
    Highlight Highlight So fortschrittlich dieses Land ist, so rückständig ist es auch.
  • LeCorbusier 09.05.2017 03:38
    Highlight Highlight «Wir geben Gefangenen drei Mal am Tag zu essen, aber unsere Kinder bekommen nichts.»

    Alle sollten drei Mal täglich etwas zu essen bekommen...
  • Kugelblitz 09.05.2017 02:31
    Highlight Highlight übel..echt übel.......und das seit xJahren......
  • whatthepuck 09.05.2017 02:08
    Highlight Highlight An vielen Schulen gibt's meist mehrere Menüs, gewisse sind sogar extra subventioniert für ärmere Kinder. Nimmt ein Kind aber ein teureres Menü (weil es das evtl. nicht kapiert), das es dann nicht zahlen kann, steht ihm dieses Essen halt nicht zu. Was machen mit dem Essen das bereits auf dem Tablett ist? Zurück in die Theke schütten?

    Essen wegwerfen ist doof, aber dass man nicht einfach Essen nehmen kann, das man nicht bezahlen kann, obwohl es bezahlbares gäbe, das geht nicht.

    Weiss nicht, ob das wirklich ein grosses Thema ist.
    • Bruno S. 88 09.05.2017 06:47
      Highlight Highlight Du redest hier von 1.Klässlern!
    • HAL9000 09.05.2017 07:39
      Highlight Highlight Lol, willst du den Ami jetzt auch noch in Schutz nehmen?
    • HansDampf_CH 09.05.2017 08:07
      Highlight Highlight Sick sicker Amerikaner
    Weitere Antworten anzeigen
  • manhunt 09.05.2017 00:29
    Highlight Highlight würde mich interessieren ob sich donnie nun tatsächlich um jene menschen kümmert, welche ihn hauptsächlich gewählt haben. bspw. dafür sorgt, dass öffentlichen schulen wieder mehr gelder zur verfügung stehen, was diesen wiederum die möglichkeit gäbe, sich von sponsorings von grosskobzernen zu lösen, welche, wie bspw. foxnews direkten einfluss auf die bildung nehmen, oder bspw. dr. pepper das getränkemonopol auf schulgeläden innehaben.
    ich glaube jedoch nicht.
    • EvilBetty 09.05.2017 06:45
      Highlight Highlight Betsy DeVos ist Bildungsministerin, das beantwortet die Frage.
    • who cares? 09.05.2017 06:50
      Highlight Highlight Schau die mal das Hearing von Bildungsministerin Betsy I never set a foot in a public school DeVos an und die Hoffnung schwindet.
    • saukaibli 09.05.2017 07:25
      Highlight Highlight Träum weiter... Trump hat sich doch schon bei seinen Wählern "revanchiert" indem er haufenweise Goldman Sachs-Leute und andere Superreiche in sein Kabinett geholt hat. Jaja, die werden ganz sicher Politik für Arme machen. Abschaffung von Obama-Care, Steuersenkungen für Reiche, Lockerung von Umweltgesetzen usw., das bringt den Armen ja wahnsinnig viel (ausser dass sie noch ärmer und kränker werden).
    Weitere Antworten anzeigen
  • Piri 09.05.2017 00:13
    Highlight Highlight Einfach himmelschreiend sowas...wie kann man als Schule nur so handeln! Geht dort wahrscheinlich unter pädogisch wertvolle Erziehung 😡
  • Baba 09.05.2017 00:12
    Highlight Highlight Und dieses Land nennt sich 'zivilisiert' 😕 Kleine Kinder öffentlich demütigen, wie unsagbar jämmerlich ist denn das 😨
    • who cares? 09.05.2017 06:56
      Highlight Highlight Das ist die Folge des ultrakapitalistischen Gedankengutes. Kind ist hungrig? Eltern hätten es sich überlegen müssen bevor sie ein Kind bekommen haben, genug Geld auf die Seite zu tun. Eine Person hat Krebs? Was hätte eine arme Person mit Krebs der Gesellschaft sowieso gebracht? Lasst sie sterben. Jemand ist obdachlos? Sicher so ein arbeitsscheuer liberal, der faul ist und von benefits lebt.
      No free stuff! Repeat: no free stuff!

      Bernie Sanders hätte denen echt gut getan, aber wäre wahrscheinlich wie Obama ständig blockiert worden.
    • HAL9000 09.05.2017 07:40
      Highlight Highlight @Baba, zivilisiert waren auch die Römer und die vergingen sich an kleinen Knaben nach deren Essen.
    • Kaviar 09.05.2017 08:02
      Highlight Highlight @HAL: Das waren die ollen Griechen.

Warum erscheint Trump, wenn ich «Idiot» suche? Google-CEO erklärt Algorithmus im Kongress

Die Situation ist bekannt: Ein Verantwortlicher einer grossen Tech-Firma sitzt inmitten des US-Kongresses auf einem Stühlchen und muss die Fragen der Abgeordneten über sich ergehend lassen, die – gelinde gesagt – nicht gerade Digital Natives sind.  

Diesmal war es nicht Mark Zuckerberg, der da «gegrillt» wurde, sondern Sundar Pichai, CEO von Google. In der Anhörung ging es um Gerüchte, Google plane eine Suchmaschine für den chinesischen Markt, und allgemein um die Datensammlung des …

Artikel lesen
Link to Article