«No Kings»: Millionen US-Amerikaner protestieren gegen Donald Trump
Darum geht es
Unter dem Motto «No Kings» («Keine Könige») waren nach Angaben der Veranstalter am Samstag Proteste in allen 50 Bundesstaaten geplant. US-Medien sprachen am Abend (Ortszeit) von schätzungsweise mehreren Millionen Teilnehmern. Auch international formierte sich Widerstand gegen Trumps Politik.
Grosse Proteste in US-Metropolen
Neben grossen Protesten in New York zogen auch in der US-Hauptstadt Washington am Samstagmorgen nach Beobachtung einer dpa-Reporterin allein in der ersten Stunde geschätzt Zehntausende Demonstrierende, darunter viele ältere Menschen, über die Memorial Bridge in Richtung Innenstadt.
Die Organisatoren, ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen, hatten Medienberichten zufolge landesweit etwa 3000 Kundgebungen mit insgesamt rund neun Millionen Teilnehmern erwartet. Sie sprachen von einer der grössten Protestmobilisierungen in der Geschichte des Landes – unabhängig überprüft sind die Zahlen bislang nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatten ähnliche Aktionen Millionen Menschen auf die Strasse gebracht.
In Sprechchören warnten Demonstranten in Washington vor «Faschisten im Weissen Haus». Einer Pappfigur, die Trumps Vizestabschef und rechten Hardliner Stephen Miller darstellen sollte, hing das Namensschild «Adolf» für Adolf Hitler um.
Die Proteste richten sich neben der Migrationspolitik der US-Regierung auch gegen aussenpolitische Entscheidungen sowie steigende Lebenshaltungskosten. Kritiker werfen Trump vor, demokratische Prinzipien wie Meinungsfreiheit, Bürgerrechte und das Wahlrecht zu untergraben. «Trump will wie ein Tyrann über uns herrschen. Aber dies ist Amerika, und die Macht liegt beim Volk – nicht bei Möchtegern-Königen oder ihren milliardenschweren Kumpanen», erklärten die Organisationen im Vorfeld.
Demonstrierende wollen der Welt ein anderes Amerika zeigen
Viele kamen, um auch international ein Zeichen zu setzen. Eine Demonstrantin, die gegen Trumps Pläne einer vorübergehenden Schliessung des berühmten Washingtoner Kulturhauses Kennedy Center auf die Strasse ging, sagte der dpa, die Leute in Deutschland sollten sehen, dass es in Amerika Protest gegen die Trump-Regierung gebe.
Als zentrale Veranstaltung der landesweiten Proteste galt eine Grosskundgebung in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota im Norden der USA, wo sich eine riesige Menge an Demonstranten versammelte. Hintergrund sind unter anderem umstrittene Einsätze von Bundesbehörden im Zuge verschärfter Massnahmen gegen Migranten, die in der Region zuvor zu wochenlangen Protesten geführt hatten. Bei den Einsätzen kamen auch zwei US-Bürger durch Schüsse von Bundesbeamten ums Leben.
Zu den angekündigten Teilnehmern in St. Paul zählten prominente Unterstützer aus Kultur und Politik. US-Rocklegende Bruce Springsteen war darunter, der zu den Demonstranten sprach. Er hatte nach dem Tod der zwei US-Bürger eine Protesthymne («Streets of Minneapolis») kreiert, die sich gegen die umstrittenen Abschiebe-Razzien von teils vermummten Bundesbeamten richtet. Springsteen bezeichnet sie im Song als «Privatarmee von König Trump».
Auch in zahlreichen weiteren Städten – von grossen Metropolen bis hin zu kleineren Orten – gab es Demonstrationen. Protestiert wurde etwa in den US-Bundesstaaten Michigan und North Carolina. Ebenso gingen Leute in San Francisco an der Westküste auf die Strasse.
Nach Angaben der Organisatoren in US-Medienberichten stammt ein Teil der Anmeldungen auch aus konservativ geprägten ländlichen Regionen und Vororten, nicht nur aus klassischen Hochburgen der Demokraten. Die Proteste verliefen nach Angaben der US-Nachrichtenagentur AP grossmehrheitlich friedlich, es kam aber vereinzelt zu Verhaftungen. In Los Angeles setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein, nachdem es zu einer grossen Menschenansammlung von einem staatlichen Gefängnis kam.
In Denver hat die Polizei eine Kundgebung aufgelöst, nachdem diese eine Strasse blockiert und sich geweigert habe, die Blockade aufzugeben. Einige Demonstrierende warfen Rauchgranaten zurück auf die Polizei, neun Personen wurden festgenommen.
Auch Proteste in Europa
Nicht nur in den USA protestierten Menschen gegen das autoritäre Gebaren Donald Trumps, auch in Europa gingen in mehreren grossen Städten Menschen auf die Strasse. In Rom protestierten Tausende gegen Trump und auch gegen die eigene Premierministerin Giorgia Meloni, die kürzlich mit der Ablehnung einer Justizreform eine herbe Niederlage einstecken musste.
In London demonstrierten Menschen ebenfalls, sie hielten Banner wie «Stoppt die extreme Rechte» oder «Steht auf gegen Rassismus» in die Höhe. In Paris versammelten sich ebenfalls einige hundert Menschen, mehrheitlich in Frankreich lebende US-Amerikaner laut der Nachrichtenagentur AP.
In Deutschland fanden unter anderem Demonstrationen in Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf statt. Auf Plakaten warfen einige hundert Demonstranten in Berlin Trump Angriffe auf die Demokratie vor, kritisierten die Einwanderungsbehörde ICE oder forderten die vollständige Freigabe der sogenannten Epstein-Akten, die sich um den Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein drehen. In München versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 600 Menschen. In Frankfurt kamen nach dpa-Informationen rund 120 Teilnehmer zusammen.
Das sagt das Weisse Haus
Das Weisse Haus kritisierte die Proteste in den USA. Eine Sprecherin hatte die Veranstaltungen laut Medienberichten vorab als Treffen einer kleinen, von linken Netzwerken unterstützten Gruppe ohne breite Unterstützung in der Bevölkerung bezeichnet. (sda/dpa/con)
