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Er glaubte an Grösse, Gewalt und Krieg – ein Nachruf auf Donald Rumsfeld

Mit Donald Rumsfeld bleibt die dunkle Stunde verbunden – als Amerika nach 9/11 Beweise fingierte, um gegen den Irak vorzugehen. Damals begann der Niedergang der USA, den Joe Biden nun aufhalten will.

Gerhard Spörl / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Donald Rumsfeld war bissig wie kein anderer und liebte Konflikte wie kein anderer. Sein Kampfgeist machte vor niemandem halt, weder vor den beiden Präsidenten, denen er diente, noch vor Kabinettskollegen wie Colin Powell , den er verachtete, weil der seine Streitkräfte so sehr liebte, dass er sie nie einsetzen wollte.

epa09314276 (FILE) - US Secretary of Defence Donald Rumsfeld answers a question from the news media during a press conference Tuesday 06 January 2004 (reissued 30 June 2021). According to his family, Donald Rumsfeld has died aged 88 on 29 June 2021.  EPA/Shawn Thew *** Local Caption *** 99494616

Donald Rumsfeld 2004 als Verteidigungsminister. Bild: keystone

Dabei sah Rumsfeld mit seiner Nickelbrille wie ein Intellektueller aus und gab sich auch so. Wie ein kleiner Kant philosophierte er über das, was Menschen wissen können, im Unterschied zu dem, was sie nicht wissen können – das nannte er das unbekannte Unbekannte. Das klang gut, das klang gedankenschwer, damit imponierte er, aber es war letztlich nur Larifari. Nichts hielt ihn davon ab, eine Entscheidung zu treffen, die Amerikas Ruf in der Welt zerstörte: die Invasion im Irak 2003.

Rumsfeld und das unbekannte Unbekannte:

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Video: YouTube/CNN

Der Präsident hiess damals George W. Bush und war nicht der Hellste unter der Sonne. Deshalb umgab er sich mit zwei erfahrenen Grossmeistern der Washingtoner Staatskunst: Donald Rumsfeld und Richard Cheney, bekannter als Don und Dick. Verteidigungsminister der eine, Vizepräsident der andere. Zwei Brüder im Geiste des Nationalismus, der nach den Anschlägen auf Amerika am 11. September 2001 zu später Blüte reifte. Ihnen ging es um Rache, ums Büssen, um Demonstrationen militärischer Grösse und Gewalt.

epa09314273 (FILE) - A file picture dated 22 September 2005 of then US President George W. Bush (C) pausing as he speaks on the war on terror as Vice President Dick Cheney (L) and Secretary of Defense Donald Rumsfeld (R) look on at the Pentagon in Arlington, Virginia, USA (reissued 30 June 2021). According to his family, Donald Rumsfeld has died aged 88 on 29 June 2021.  EPA/ALEX WONG / POOL AFP OUT *** Local Caption *** 52356766

Der Präsident und seine Grossmeister: George W. Bush (m.), Vizepräsident Dick Cheney (l.) und Verteidigungsminister Rumsfeld. Bild: keystone

Ein sinnloser Zirkel der Gewalt

Die Invasion in Afghanistan verstand sich von selber. Die Taliban hatten Osama Bin Laden eine Heimstatt gegeben und mussten dafür bestraft werden. Was aber schon Alexander dem Grossen, den Briten und den Russen in dieser Weltgegend widerfahren war, widerfährt in diesen Tagen den Amerikanern: ein ehrloser Abzug nach 20 Jahren und Billionen Dollar und Zehntausenden Toten.

Und die Taliban, die bis vor 20 Jahren Kabul beherrschten, werden es bald wieder beherrschen. Ein sinnloser Zirkel der Gewalt, die Gewalt erzeugt und in Krieg mündet. Geht es trostloser? Geht es schlimmer?

Wichtiger für Don und Dick als Afghanistan war aber der Irak. In Saddam Hussein sahen sie ihren wahren Widersacher. Er sollte weg. Sein Regime war fällig. Sie fingierten Beweise, die dann auch noch der verhasste Colin Powell vor den Vereinten Nationen als gesichert vortragen musste. Nichts stimmte. Alles Lug und Trug. Weder war Saddam Hussein der König des internationalen Terrorismus noch besass er die ihm angedichteten Massenvernichtungswaffen. Am Ende zogen ihn Soldaten aus einem Erdloch, in dem er sich versteckt hatte.

Rumsfeld und Saddam, 1983:

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Der Rest ist bekannt. Irak als Vakuum. Syrien als Folgekrieg. Amerika verlor an Einfluss, an Autorität, an Macht. Don und Dick scheiterten, weil sie Rache wollten und und keinen Millimeter weiter dachten. Sie richteten Chaos an, zuckten die Achseln und gingen nach Hause. So begann der Niedergang Amerikas, den US-Präsident Joe Biden heute aufzuhalten versucht.

Alles richtig gemacht, alles bestens

Donald Rumsfeld, Jahrgang 1932, und Richard Cheney, Jahrgang 1941, wuchsen als Kriegskinder auf und glaubten an die historische Mission Amerikas. 9/11 lieferte ihnen die Rechtfertigung zu einer neuerlichen Projektion der Macht, trotz Korea, trotz Vietnam. 10 Jahre danach veröffentlichte Rumsfeld seine Memoiren, die er «Known and Unknown» taufte, und vollbrachte Erstaunliches: kein Wort der Selbstkritik, der Einsicht, im Gegenteil alles notwendig gewesen, alles richtig gemacht, alles bestens.

George W. Bush ist unter die Maler gegangen. Cheney hat ein schwaches Herz und lebt zurückgezogen. Und Donald Rumsfeld, der gerne mit dem Zeigefinger wedelte, erinnert im Tod Amerika an eine seiner dunklen Stunden.

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