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epa04953031 Pope Francis blesses a cross for Maribel Rivera, an employee of the Curran Fromhold Correctional Facility, in Philadelphia, USA, 27 September 2015. Pope Francis is on a five-day trip to the USA, which includes stops in Washington DC, New York and Philadelphia, after a three-day stay in Cuba.  EPA/TODD HEISLER / POOL

Wie immer volksnah: Papst Franziskus in den USA. 
Bild: EPA/NEW YORK TIMES POOL

Papst: «Heute herrscht eine Beziehungskultur wie im Shopping-Center»



Papst Franziskus hat beim Weltfamilientreffen in den USA oberflächliche Beziehungen kritisiert und die Familie als «Fabrik der Hoffnung» gewürdigt. Heute gebe es eine «Beziehungskultur wie im Shopping-Center», sagte der Pontifex am Sonntag in Philadelphia.

«Pflegen und verteidigen wir die Familie, weil es dabei um unsere Zukunft geht», forderte er in einer frei gehaltenen Rede bei der letzten Station seiner sechstägigen USA-Reise. «Die Welt scheint sich in einen grossen Supermarkt verwandelt zu haben, wo die Kultur eine Wettbewerbsdynamik angenommen hat», kritisierte der Papst vor etwa 300 Bischöfen, die an dem Treffen teilnahmen.

«Die gegenwärtige Kultur scheint die Menschen dazu zu bewegen, sich an nichts und niemanden zu binden.» Heute entscheide nur noch der Konsum. «Beziehungen konsumieren, Freundschaften konsumieren, Religionen konsumieren.»

epa04953034 Attendees wave to television cameras as they wait for the beginning of mass to conclude the World Meeting of Families on Benjamin Franklin Parkway, Philadelphia, USA, 27 September 2015. Pope Francis is on a five-day trip to the USA, which includes stops in Washington DC, New York and Philadelphia, after a three-day stay in Cuba.  EPA/ALEX WONG / POOL

Der Papst ist in den USA teilweise euphorisch begrüsst worden. 
Bild: EPA/GETTY IMAGES POOL

Treffen mit Missbrauchsopfern

Am Morgen hatte der Papst fünf Missbrauchsopfer getroffen. «Ich verspreche, dass alle Verantwortlichen für sexuellen Missbrauch von Kindern bestraft werden», sagte er vor den Bischöfen.

Er empfinde «tiefe Scham», dass Kindern Gewalt angetan worden sei und schwere Leiden verursacht worden seien. «Diese Verbrechen können nicht länger geheim gehalten werden.» Gott weine angesichts dieser Taten. Die katholische Kirche in den USA und anderen Ländern war vor einigen Jahren vom Skandal um jahrelangen Missbrauch erschüttert worden.

Gefangene besucht

Anschliessend besuchte der Papst eine Haftanstalt in der Nähe und traf dort einige Dutzend Gefangene. Er rief die Menschen auf, sich wieder dem Leben zuzuwenden und zu spüren, «dass wir eine Aufgabe haben; spüren dass diese Zeit der Gefangenschaft niemals Ausschliessung bedeutete».

Jesus wolle den Menschen helfen «unsere Wanderung neu auszurichten, unseren Lauf wieder aufzunehmen, unsere Hoffnung wiederzugewinnen und uns den Glauben und die Zuversicht zurückgeben».

Der Weltfamilientag in Philadelphia war der eigentliche Anlass der neuntägigen Reise des Papstes in die USA und nach Kuba. Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) sollte er die Abschlussmesse feiern, bevor er am Abend zurück nach Rom fliegen sollte.

Flammendes Plädoyer für Familie

Am Samstag hatte Franziskus beim Fest der Familien ein flammendes Plädoyer für die Familie gehalten. «Familienleben kann Teller fliegen lassen, Kinder können Kopfschmerzen verursachen - und über Schwiegermütter will ich erst gar nicht reden», sagte er vor zehntausenden menschen. Dennoch lohne es sich, dafür zu kämpfen.

Sicherlich könnten ihm einige sagen «Pater, Sie haben leicht reden, Sie leben allein.» Doch er wisse, dass es in Familien Probleme gebe und gestritten werde. Dennoch lerne der Mensch dort Schritt für Schritt den Wert von Beziehungen schätzen. «Deswegen ist die Familie eine Fabrik der Hoffnung, der Hoffnung auf Leben und Auferstehung.»

Bei dem Fest waren auch Stars wie Andrea Bocelli, Aretha Franklin oder Juanes aufgetreten. Sechs katholische Familien von allen Kontinenten hatten von ihren Erfahrungen in verschiedenen Situationen berichtet - etwa ein junges Paar kurz vor der Hochzeit oder eine alleinerziehende Mutter mit einem behinderten Kind. (sda/dpa)

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