Trump zwischen Krieg und Frieden: Was hat er mit Marines und Fallschirmjägern im Iran vor?
Trump übermittelte deshalb diese Woche gemäss Medienberichten einen Friedensplan an Teheran, der 15 Punkte umfassen soll. Das Dokument regelt angeblich, wie eine multinationale Einsatztruppe künftig den Schiffsverkehr in der aktuell blockierten Strasse von Hormus garantieren soll. Auch sieht der Plan neue Beschränkungen für das iranische Nuklearprogramm vor. Teheran soll demnach auf sämtliches angereichertes Kernmaterial verzichten.
Das Regime in Teheran sieht in dieser Massierung von amerikanischen Truppen ein Zeichen dafür, dass Trump eine Bodenoffensive im Iran plant – um die Ölterminals auf der Insel Kharg zu erobern. «Stellen Sie unsere Entschlossenheit, unser Land zu verteidigen, nicht auf die Probe», sagte am Mittwoch der Mohammad Bagher Ghalibaf, der Vorsitzende des iranischen Parlaments.
Ist ein Treffen in Pakistan geplant?
Ghalibaf soll auch einer der Regime-Vertreter sein, die derzeit ausloten, ob der amerikanische Präsident es mit seinen Friedensplänen ernst meint. Über diplomatische Kontakte in Pakistan, Ägypten und der Türkei werden Nachrichten zwischen Teheran und Washington ausgetauscht. Die Mediatoren planen auch direkte oder indirekte Verhandlungen über ein Ende des Krieges, an denen Delegationen aus Washington und Teheran teilnehmen sollen.
Im Iran geht die Angst um, dass es sich bei dem ersten Treffen seit Kriegsbeginn – das angeblich noch in dieser Woche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad über die Bühne gehen soll – um ein Ablenkungsmanöver oder gar eine Falle handelt. Regierungsquellen verweisen darauf, dass die israelischen Streitkräfte seit Ende Februar fast das gesamte Führungspersonal der iranischen Regierung ermordet haben.
Trump erwägt anscheinend, seinen Stellvertreter JD Vance zum amerikanischen Delegationsleiter zu erküren, damit Teheran an den Verhandlungen teilnimmt. Vizepräsident Vance gilt in Washington als Gegner des Iran-Krieges; in den internen Diskussionen über die Fortsetzung der Militärmission scheint der Republikaner aber keinen allzu grossen Einfluss zu haben. Trump setzt stattdessen auf seinen Verteidigungsminister Pete Hegseth, der gerne martialisch auftritt. So sagte Hegseth am Dienstag über mögliche Friedensgespräche mit dem Iran: «Wir verhandeln mit Bomben.»
15-Punkte-Friedensplan stösst auf Ablehnung
Ganz offensichtlich hat aber auch der amerikanische Präsident ein Interesse daran, den Krieg zu beenden. Die hohen Energiepreise, die nun auch den amerikanischen Alltag spürbar verteuern, wirken sich negativ auf seine Zustimmungswerte aus. So unbeliebt wie Trump derzeit ist, war er in seiner zweiten Amtszeit noch nie.
Trump übermittelte deshalb diese Woche gemäss Medienberichten einen Friedensplan an Teheran, der 15 Punkte umfassen soll. Das Dokument regelt angeblich, wie eine multinationale Einsatztruppe künftig den Schiffsverkehr in der aktuell blockierten Strasse von Hormus garantieren soll. Auch sieht der Plan neue Beschränkungen für das iranische Nuklearprogramm vor. Teheran soll demnach auf sämtliches angereichertes Kernmaterial verzichten.
Der Iran allerdings wies eine erste Fassung des Plans bereits zurück und bezeichnete den Vorschlag Trumps als «Wunschliste». Ein Militärsprecher sagte gemäss der staatlichen Nachrichtenagentur, die USA hätten den Krieg bereits «strategisch» verloren. Und angeblich sollen die Revolutionsgarden – eine zentrale Stütze des Regimes – in einem Gegenvorschlag an Washington gefordert haben, dass die USA sämtliche Militärstützpunkte am Persischen Golf räumen.
Weil der amerikanische Präsident bisher nicht verraten hat, mit welchen Regime-Figuren seine Regierung in Kontakt steht, ist es fast unmöglich, den Wert solcher Aussagen zu beurteilen. Trump sagte bisher nur, die Amerikaner sprächen «mit den richtigen Leuten», die unbedingt Frieden schliessen wollten und dafür auch bereit seien, auf das Nuklearprogramm zu verzichten.
Trump sagt, der Krieg sei gewonnen
Trump sprach am Dienstag von einem wertvollen «Geschenk», das die Amerikaner angeblich von ihren Verhandlungspartnern im Iran bekommen hätten. Er sagte, es habe mit Öl oder Gas und der Strasse von Hormus zu tun, verzichtete aber darauf, den angeblichen Vertrauensbeweis näher zu beschreiben – und liess damit, wie so häufig seit Kriegsbeginn, seine Zuhörer ratlos zurück.
Der amerikanische Präsident sagte während eines Auftritts im Weissen Haus aber auch, dass der Iran-Krieg bereits gewonnen sei. Wer das Gegenteil behaupte, vertreibe «Fake News», hätten die Amerikaner und ihre israelischen Verbündeten die iranischen Streitkräfte doch «komplett besiegt».
Unbeantwortet blieb die Frage, warum er dann weiterhin Tausende von Elitesoldaten in den Nahen Osten schickt. (aargauerzeitung.ch)

