Schweiz
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Andreas Glarner scheitert knapp mit Tempo 130 auf Autobahnen

Andreas Glarner, SVP-AG, spricht an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 5. Maerz 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Andreas Becker)
Andreas Glarner möchte, dass auf den Schweizer Autobahnen schneller gefahren werden darf.Bild: keystone

Andreas Glarner scheitert mit Tempo 130 auf Autobahnen – aber das Nein ist äusserst knapp

Es wären nur 10 km/h mehr, doch die Forderung des SVP-Nationalrats gibt zu reden. In der Verkehrskommission wird Tempo 130 nur knapp abgelehnt, die FDP ist wohl dafür. Präventions-Spezialisten und das Bundesamt für Umwelt warnen, doch Glarner sieht das heutige Limit als unnötige Massnahme gegen das «angebliche Waldsterben».
12.05.2026, 06:1212.05.2026, 08:12
Fabian Hägler / ch media

Freie Fahrt für freie Bürger: So lautete der Slogan der Autopartei, die 1985 gegründet wurde. Im selben Jahr beschloss der Bundesrat, die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts auf 80 km/h und auf der Autobahn auf 120 km/h zu senken. Seither gab es mehrere Versuche, die Tempolimits mit Initiativen oder politischen Vorstössen wieder heraufzusetzen (siehe Tabelle unten), doch bisher sind alle gescheitert.

Nun nimmt Andreas Glarner einen neuen Anlauf, damit Autofahrer wieder stärker aufs Gas drücken können, ohne eine Busse zu riskieren. Mit einer parlamentarischen Initiative, die er im Dezember 2025 einreichte, verlangt der SVP-Nationalrat eine Lockerung der Limits. Geht es nach dem Aargauer, soll ausserorts künftig 100 km/h gelten, auf Autobahnen sollen 130 km/h erlaubt sein.

Bis ins Jahr 1985 galt auf Autobahnen ein Tempolimit von 130 km/h, seither liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 120 km/h.
Bis ins Jahr 1985 galt auf Autobahnen ein Tempolimit von 130 km/h, seither liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 120 km/h.bild: keystone

Verkehrskommission nur knapp gegen mehr Gas

Die Verkehrskommission des Nationalrats hat Glarners Forderung beraten und knapp abgelehnt. Mit 13 zu 11 Stimmen sprach sie sich dafür aus, die geltenden Höchstgeschwindigkeiten beizubehalten. Wie die einzelnen Mitglieder abstimmten, unterliegt dem Kommissionsgeheimnis. Das Resultat lässt aber darauf schliessen, dass die Vertretungen von SVP und FDP für die Erhöhung der Tempolimits votierten.

Gemäss einer Mitteilung der Kommission ist die Mehrheit der Ansicht, die bisherigen Werte hätten sich bewährt. Höhere Geschwindigkeiten würden die Verkehrssicherheit vor allem ausserorts gefährden und zu mehr Lärm führen, lauten weitere Argumente. Die knappe Minderheit unterstützt das höhere Limit von 130 km/h und hält fest, die Geschwindigkeit könne «auch nach unten angepasst werden, um die Sicherheit zu gewährleisten.»

Umwelt-Bundesamt: Immer noch viele Schadstoffe

Glarner argumentiert, die Limiten 120/80 seien «in einer Zeit grösster Panikmache» gegen das «Waldsterben» als Notstandsmassnahme eingeführt worden. Später habe sich gezeigt, dass die Wälder nicht vom Zusammenbruch bedroht seien. Das Argument, die Tempolimits seien für die Waldrettung nötig, sei hinfällig geworden. Zudem würden heutige Autos massiv weniger Abgase ausstossen als jene von 1985, betont Glarner.

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Andreas Glarner, Nationalrat und Präsident der SVP Aargau, kritisiert Tempo 120 als unnötige Massnahme gegen das «angebliche Waldsterben».Bild: keystone

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) räumte gegenüber dem «Blick» ein, dass die Schadstoffemissionen des Strassenverkehrs dank strengerer Abgasvorschriften seit Mitte der 1980er-Jahre stark zurückgegangen sind. Er sei aber noch immer «ein wesentlicher Verursacher von Luftverschmutzung und Klimaerwärmung». Und der Klimawandel mit Hitze, Trockenheit, Stürmen und Schädlingen setze dem Wald stark zu.

Unfallspezialisten warnen vor Tempo 130

Auch die Verkehrssicherheit lässt der SVP-Politiker nicht als Punkt für tiefere Limits gelten. «Heute gibt es trotz einer Verdoppelung der Anzahl Fahrzeuge und massiv höherem Verkehrsaufkommen deutlich weniger schwere Unfälle, deutlich weniger Verletzte und Schwerverletzte und ungefähr vier- bis fünfmal weniger Tote», schreibt er in seinem Vorstoss.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung warnt indes vor Tempo 130 auf Autobahnen. Würde auf den Tempo-120-Abschnitten im Durchschnitt 10 km/h schneller gefahren, müsste man gemäss wissenschaftlichen Modellen jedes Jahr mit rund zusätzlichen 15 Toten und rund 100 Schwerverletzten mehr rechnen. Zudem sei laut Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung für ein Limit von 120 km/h, schreibt die Beratungsstelle weiter.

Tempolimits in der Schweiz

  • Vor 1959: kein Tempolimit
  • 1959: innerorts 60 km/h, ausserorts und auf Autobahnen unbeschränkt
  • 1973: ausserorts und auf Autobahnen 100 km/h, wegen der Ölkrise
  • 1974: auf Autobahnen 130 km/h, erst versuchsweise, ab 1977 definitiv
  • 1983: innerorts 50 km/h
  • 1985: ausserorts 80 km/h, auf Autobahnen 120 km/h, als vorübergehende Massnahme geplant, um das Waldsterben zu verhindern
  • 1989: Volksinitiative für 130 km/h auf Autobahnen und 100 km/h ausserorts wird mit Nein-Anteil von 62 Prozent abgelehnt
  • 2014: Volksinitiative der Autopartei für 130 km/h auf Autobahnen und 100 km/h ausserorts erreicht zu wenige Unterschriften
  • 2015: Volksinitiative des Parteilosen Marco Schläpfer, unterstützt von der Jungen SVP, für 140 km/h auf der Autobahn, erreicht zu wenige Unterschriften
  • 2020: Motionen von Jean-Luc Addor und Erich Hess (beide SVP) für 130 km/h auf Autobahnen werden abgeschrieben, weil nicht innert zwei Jahren abschliessend im Rat behandelt
  • 2022: Motion von Erich Hess (SVP) für 130 km/h auf Autobahnen wird abgeschrieben, weil nicht innert zwei Jahren abschliessend im Rat behandelt
  • Dezember 2025: Parlamentarische Initiative von Andreas Glarner (SVP) verlangt 130 km/h auf Autobahnen und 100 km/h ausserorts
  • Mai 2026: Verkehrskommission des Nationalrats lehnt Glarners Forderung mit 13 zu 11 Stimmen ab
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made
12.05.2026 08:39registriert Mai 2014
Während die Niederlande zugunsten des Klimas auf 100km/h reduzieren muss, verschwenden unsere Volksvertreter Ihre Zeit mit Themen die schon in den 80ern nicht mehrheitsfähig waren.

Danke für nichts Herr Nationalrat.

Am Tag, an dem die SVP was sinnvolles macht, fresse ich einen Hut.
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Idealisst, Fabulisst, Alchemisst
12.05.2026 08:51registriert Januar 2014
Glarner ist nicht nur Gaga-Rassist sondern offensichtlich garnz grundsätzlich total gaga.

Die Welt führt auf Grund der Energieschocks Tempolimits und Homeoffice ein, Glarner macht das Gegenteil.
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mrmikech
12.05.2026 08:58registriert Juni 2016
Warum nicht ohne Limit? Und sofort auch in die Städte – ohne jede Begrenzung. Dazu noch alle öffentlichen Grünflächen in Parkplätze umwandeln. Und alle Autobahnen verdoppeln sowie drei zusätzliche Röhren durch den Gotthard bauen. Der Glarner ist viel zu konservativ.

/s
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