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Niederlage für Demokraten: Richter stoppt «Gerrymandering» in Virginia

KEYPIX - A person votes in the Virginia redistricting referendum at Fairfax Government Center, Tuesday, April 21, 2026, in Fairfax, Va. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
Die Bevölkerung sprach sich in Virginia für einen Neuzuschnitt der Wahlkreise aus – ein Richter erklärte die Abstimmung nun für ungültig.Bild: keystone

Niederlage für Demokraten: Richter stoppt «Gerrymandering» in Virginia

Im Kampf um eine bessere Ausgangslage bei den US-Zwischenwahlen im November haben die Demokraten in Virginia eine Niederlage vor Gericht kassiert.
23.04.2026, 06:2923.04.2026, 06:29

Keine 24 Stunden, nachdem die Wahlberechtigten für einen Neuzuschnitt der Wahlkreise in ihrem Bundesstaat gestimmt hatten, erklärte ein Gericht die Abstimmung für ungültig.

Durch den Neuzuschnitt der Wahlkreise hätten die Demokraten Medienberichten zufolge bei der Zwischenwahl die Chance bekommen, den Republikanern vier Sitze im Repräsentantenhaus abzunehmen. Die Republikaner wollen bei der Zwischenwahl ihre hauchdünne Mehrheit im Kongress verteidigen.

Richter erklärt alle abgegebenen Stimmen für ungültig

Der Richter begründete seine Entscheidung damit, dass die Frage auf dem Wahlzettel «offensichtlich irreführend» formuliert gewesen sei, wie aus den vom Sender ABC News veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht. Zudem sei der Vorschlag den Wählern früher vorgelegt worden, als es die Verfassung von Virginia vorsehe. Alle abgegebenen Stimmen seien damit unzulässig, ein Neuzuschnitt der Wahlkreise von Virginia dürfe nicht stattfinden.

Der demokratische Generalstaatsanwalt von Virginia, Jay Jones, kündigte an, das Urteil anzufechten. «Ein aktivistischer Richter sollte kein Vetorecht über das Votum der Bevölkerung haben», teilte er auf der Plattform X mit.

Der Neuzuschnitt von Wahlkreisen, das sogenannte Gerrymandering, hat in den USA eine jahrhundertealte Tradition. Hintergrund ist, dass nach dem alle zehn Jahre erhobenen Zensus die Wahlkreise neu zugeschnitten werden müssen, damit sie jeweils ähnlich viele Einwohner umfassen. In der Praxis nutzen Parteien diesen Prozess jedoch oft, um sich Vorteile zu verschaffen. So können aus einem Wahlkreisteil mit klarer Mehrheit Gebiete in einen anderen Wahlkreis verfrachtet werden, in dem das Rennen enger ist.

Virginias Gouverneurin sieht Trump in der Verantwortung

US-Präsident Donald Trump hatte seine Partei zuvor gedrängt, eine ähnliche Initiative in Texas voranzutreiben. Der Neuzuschnitt dort könnte den Republikanern bei der Wahl im November fünf zusätzliche Sitze bescheren.

Die demokratische Gouverneurin von Virginia, Abigail Spanberger, verteidigte den Neuzuschnitt ihres Bundesstaats als Reaktion auf Trumps Vorgehen. Ihr zufolge will der Präsident, dass seine Partei an die Wahlkreise geht, weil er die Wahl sonst nicht gewinnen kann. Bei der Wahl in Virginia hätten die Menschen darauf eine «laute und deutliche» Antwort geliefert. (sda/dpa)

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gurgelhals
23.04.2026 08:06registriert Mai 2015
Als Hintergrund sollte man vielleicht noch erwähnen, dass besagter Richter einer dieser berüchtigten "activist judges" ist. Die Republikaner sind schon mehrmals gezielt zu diesem gerannt, um sich solche vorteilhaften Urteile abzuholen. Wenig überraschend wurden diese dann von den höheren Instanzen ziemlich schnell wieder kassiert.

PS: Noch etwas: Dieser ganze Fall ist natürlich State Law. Das geht dann wenn überhaupt zum Supreme Court of Virginia. Der US Supreme Court wird da nicht reinpfuschen können.
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marcog
23.04.2026 08:42registriert Februar 2016
Wäre schön, wenn Gerrmeandering grundsätzlich verboten würde und nicht nur in einem Bundesstaat von einem republikanisch beeinflussten Richter.
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