Waffenruhe im Libanon: Das wissen wir
Das sagt Trump
Mehr als sechs Wochen nach Beginn der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon hat US-Präsident Donald Trump eine Waffenruhe verkündet. Sie solle um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) beginnen und zunächst zehn Tage dauern, schrieb er nach Gesprächen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf seiner Plattform Truth Social. Er werde beide zu einem Treffen im Weissen Haus einladen.
Trump schrieb weiter, er habe Vizepräsident JD Vance, US-Aussenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine angewiesen, gemeinsam mit dem Libanon und Israel auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten. «Wir haben die Gelegenheit, ein historisches Friedensabkommen mit dem Libanon abzuschliessen», sagte Netanjahu. Israel habe dabei zwei zentrale Forderungen: Eine Entwaffnung der Hisbollah und die Vereinbarung eines dauerhaften Friedens beider Staaten.
Der neue Durchbruch folgt auf direkte Gespräche in Washington, bei denen die Botschafter der verfeindeten Länder sich erstmals seit Jahrzehnten direkt zu politischen Verhandlungen trafen. Schon zuvor hiess es nach US-Angaben, dass die Gespräche zu einem «umfassenden Friedensabkommen» führen könnten.
Das sagen die Hisbollah
Die Hisbollah-Miliz hat zunächst offengelassen, ob sie sich an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe im Libanon halten wird. Jede Waffenruhe müsse «umfassend für das gesamte libanesische Gebiet» gelten und dürfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen, teilte die proiranische Miliz mit.
«Die anhaltende israelische Besatzung auf unserem Land gibt dem Libanon und seinem Volk das Recht, Widerstand zu leisten». Über diese Frage - also über den weiteren Kampf gegen Israel - werde «je nach Entwicklung der Ereignisse entschieden».
Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemüht sich um Deeskalation. Ministerpräsident Nawaf Salam begrüsste die Waffenruhe. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter Führung von Präsident Aoun aber erhöht.
Die staatliche Armee im Libanon hat derweil Anwohner wenige Stunden vor der angekündigten Waffenruhe zur Vorsicht geraten. Die Armee empfahl den durch Angriffe vertriebenen Menschen, mit der Rückkehr in ihre Häuser im Süden bis zum Inkrafttreten der Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz zu warten. Anwohner sollten sich auch keinen Gebieten nähern, in die israelische Truppen vorgedrungen seien, hiess es.
Das sagt Israel
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine zehntägige Waffenruhe im Konflikt mit der libanesischen Hisbollah-Miliz bestätigt. «Ich habe einer vorübergehenden Feuerpause von zehn Tagen zugestimmt», sagte Netanjahu in einer Videobotschaft.
Ziel sei es, Gesprächen über ein Friedensabkommen mit dem Libanon eine Chance zu geben, die mit einem Treffen der Gesandten beider Länder in Washington begonnen hätten. Israel habe dabei zwei zentrale Forderungen: Eine Entwaffnung der Hisbollah und die Vereinbarung eines dauerhaften Friedens beider Staaten.
Während der Waffenruhe werde die israelische Armee in einer «verstärkten Sicherheitszone» im Südlibanon bleiben. Diese reiche vom Mittelmeer bis zur syrischen Grenze und sei etwa zehn Kilometer breit. Dies diene dem Schutz der Ortschaften im Norden Israels vor Hisbollah-Angriffen.
«Wir haben die Gelegenheit, ein historisches Friedensabkommen mit dem Libanon abzuschliessen», sagte Netanjahu. US-Präsident Donald Trump habe den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und ihn eingeladen, um zu versuchen, eine solche Einigung voranzubringen. Diese Gelegenheit bestehe nur, weil Israel im Kampf gegen die Hisbollah in den letzten Jahren eine grundlegende Veränderung des Gleichgewichts erreicht habe. Deswegen habe die libanesische Führung Israel das Angebot direkter Friedensgespräche gemacht. Er habe zugestimmt, sagte Netanjahu.
Das ist bisher passiert
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar liefern sich auch die vom Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär eine erneute schwere Konfrontation. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagiert seitdem mit massiven Luftangriffen. Dabei kam es zu schweren Kämpfen im Süden und zu Angriffen im Osten sowie der Hauptstadt Beirut und deren Vororten.
Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten Kämpfen bisher knapp 2.200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1.700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang März. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar.
Im Libanon warten Hunderttausende darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können. Nach Regierungsangaben wurden aufgrund des jüngsten Konflikts mehr als eine Million Menschen vertrieben. In den angegriffenen Gebieten herrscht zum Teil grossflächige Zerstörung.
Israel und die Hisbollah hatten bereits 2024 einen offenen Krieg gegeneinander geführt. Trotz einer Waffenruhe im November 2024 blieb die Lage angespannt. Beide Seiten warfen sich fortwährend Verstösse vor. Das israelische Militär griff trotz Waffenruhe weiter nahezu täglich im Libanon an.
Das israelische Militär blieb auch an mehreren Punkten im Libanon stationiert. Gemäss der damals getroffenen Waffenruhe sollte die Hisbollah entwaffnet werden. Israel warf dem libanesischen Staat bei der Aufgabe Versagen vor und wollte die Entwaffnung schliesslich militärisch durchsetzen. (cpf, mit Material der sda/dpa)
