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Olaf Scholz: Am Montag in der Ukraine, am Dienstag bei Putin. Und was passiert dann?
Olaf Scholz: Am Montag in der Ukraine, am Dienstag bei Putin. Und was passiert dann?Bild: keystone

Wäre Europa bereit für den Krieg? 4 Fragen und Antworten

Anders als bei der Invasion der Krim 2014 will Europa und der Westen umgehend reagieren, wenn Putin angreift. Die Schweiz spricht unterdessen eine Reisewarnung für die Ukraine aus.
14.02.2022, 22:15
Remo Hess, Brüssel / ch media

Jetzt wird es auch der Schweiz langsam ungemütlich: Nachdem die USA und verschiedene europäische Staaten ihre Landsleute zum Verlassen der Ukraine aufgefordert hatte, warnt auch das Aussendepartement (EDA) vor Reisen in das Land. Die 257 in der Ukraine lebenden Schweizer und Schweizerinnen müssten zwar individuell entscheiden, ob sie ausreisen wollten oder nicht. Das EDA weist jedoch darauf hin, dass es bald keine Flüge mehr geben könnte. «KLM hat die Flüge schon gecancelt – warten Sie nicht», sagte Aussenminister Ignazio Cassis bei einer Veranstaltung im Beisein des österreichischen Bundeskanzlers Karl Nehammer.

Invasion am Tag nach dem Scholz-Besuch

Schätzungen gehen davon aus, dass Russlands Streitmacht an der Grenze zur Ukraine mittlerweile auf 140'000 Mann angewachsen ist und jederzeit losmarschieren könnte. Laut dem US-Auslandsgeheimdiensts CIA könnte dies bereits an diesem Mittwoch, dem 16. Februar passieren. Vielleicht will Putin ja bloss noch abwarten, was ihm der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz morgen bei seinem Besuch in Moskau zu sagen hat.

Nordstream 2: Deutschland müsste bei einer Invasion wohl auf die Pipeline verzichten.
Nordstream 2: Deutschland müsste bei einer Invasion wohl auf die Pipeline verzichten.bild: keystone

Und dann? Wie würde Rest-Europa und der Westen auf die russische Aggression reagieren und ist man überhaupt ausreichend vorbereitet? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche militärischen Optionen hat Europa?

Keine. Kein Land in Europa ist bereit, eigene Truppen in die Ukraine zu schicken. Die USA auch nicht. Dass der Westen Unterstützung aus der Luft leisten wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema. Was verschiedene Länder aber tun: Sie liefern Defensivwaffen, um die ukrainische Armee zu stärken. Aus Washington sind in den vergangenen Wochen hunderte Tonnen an Munition und Javelin-Panzerabwehrwaffen in Kiew eingetroffen. Zuletzt sendete Litauen moderne Stinger-Luftabwehrraketen. An solchen Waffen gegen Panzer- und Luftangriffe fehlt es der Ukraine zurzeit am meisten. Ausserdem haben die Nato und die USA ihre Präsenz in den östlichen Allianz-Staaten wie Polen und Rumänien verstärkt.

US-Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin für die Ukraine (11. Februar)
US-Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin für die Ukraine (11. Februar)Bild: keystone

Wie wird der Westen sonst reagieren?

Mit Wirtschaftssanktionen von «ungekanntem Ausmass», wie die EU, Grossbritannien und USA bei jeder Gelegenheit wiederholen. Ein solches Sanktions-Paket ist weitgehend geschnürt und muss von den Staats- und Regierungschefs nur noch «abgeschossen» werden. Sie treffen sich am Donnerstag in Brüssel zu einem zweitägigen EU-Afrika-Gipfel. Im Notfall könnte dieser schnell zum Ukraine-Krisengipfel umgestaltet werden. Gleichzeitig tagen am Donnerstag die Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. Im Gegensatz zur Krim-Invasion von 2014 also, wo die europäischen Staaten auf dem falschen Fuss erwischt wurden, ist eine sofortige Reaktion sicher.

Für die grossen LNG-Tanker gibt es in Europa nicht genügend Terminals. (Archivbild)
Für die grossen LNG-Tanker gibt es in Europa nicht genügend Terminals. (Archivbild)bild: keystone

Welche Gegenmassnahmen könnte Russland ergreifen?

Man muss damit rechnen, dass Putin als Reaktion auf die Sanktionen den Europäern den Gashahn abdrehen könnte. Dann würden rund 40 Prozent des in Europa verbrauchten Gases fehlen und die Untertagespeicher könnten bereits Ende März leer sein. Zusammen mit den USA sucht die EU deshalb mit Hochdruck nach Alternativen in der Form von LNG-Flüssiggas. Das Problem: In Europa fehlt es an Infrastruktur, um die grossen LNG-Tankschiffe aus den USA andocken zu lassen. Und: Das europäische Gasnetz ist eher für den Transport von Ost nach West statt in umgekehrter Richtung ausgelegt. Als weitere Gegenmassnahme könnte Russland seinen Luftraum für westliche Airlines inklusive Überflügen sperren.

US-Truppen in Polen: Als Reaktion auf die russische Drohkulisse hat US-Präsident Biden zusätzliche Soldaten an die Nato-Ostflanke geschickt.
US-Truppen in Polen: Als Reaktion auf die russische Drohkulisse hat US-Präsident Biden zusätzliche Soldaten an die Nato-Ostflanke geschickt.bild: keystone

Ist mit einer Flüchtlingswelle zu rechnen?

US-Militärkreise gehen bei einer grossangelegten Invasion von 50’000 Toten und bis zu fünf Millionen ukrainischer Flüchtlinge aus. Auch wenn solche Zahlen nur schwer vorherzusagen sind: Denkbar ist tatsächlich, dass es zu einer ukrainischen Massenflucht in die umliegenden EU-Länder Polen, Ungarn, Rumänien und die Slowakei kommen würde. In Polen ist man bereits daran, für ein solches Szenario Vorbereitungen zu treffen, kündigte Innenminister Mariusz Kaminiski auf Twitter an. Und auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban warnt, dass hunderttausende von ukrainischen Flüchtlingen nach Ungarn kommen könnten. Anders als bei der Flüchtlingskrise 2015 könnten osteuropäische Länder dieses Mal an einer europaweiten Verteilung von Schutzsuchenden interessiert sein. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: ap / alexei druzhinin
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Putin, Nato und der Zankapfel: Der Ukraine-Konflikt einfach erklärt

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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LeChef
14.02.2022 22:38registriert Januar 2016
Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass Putin bereit ist, dieses Spiel zu Ende zu spielen. Eine Invasion der Ukraine wäre der erste Krieg zwischen zwei Industriestaaten seit dem 2. Weltkrieg. Die Verluste wären auch für das überlegene Russland horrend. Normale wirtschaftliche Beziehungen zwischen der EU und Russland wären für Jahre, vielleicht Jahrzehnte unmöglich. Und wofür? Kosten und Nutzen für Russland stehen in keinem Verhältnis.
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Franbon alias Mama²
14.02.2022 23:34registriert Juni 2018
Bisher war Krieg für mich immer so weit weg und ich machte mir keine grossen Gedanken darüber, weit weg oder lange her....nun ist diese Unsicherheit da, klar bin ich hier in der Schweiz noch sicher, aber es hätte auch hier Auswirkungen. Ich muss ehrlich sein, es beschäftigt mich mittlerweile mehr als mir lieb ist, die Berichterstattung unterstützt dieses Gefühl. Aber dennoch geht das Leben weiter und ich bleibe optimistisch, dass es keinen Krieg geben wird und alles nur Angstmacherei seitens Putin ist.
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Hadock50
14.02.2022 23:03registriert Juli 2020
Die Russische Agression -falls es dann soweit kommt sollte die Stirn geboten werden und zwar mehr als nur Sanktionen....sonst sitzt Russland am längeren Hebel und das kann es echt nicht sein🤬☠👿
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