Der Unterschied zwischen «ICE» und «Border Patrol»
In Minneapolis kam es am 24. Januar 2026 zu einem folgenschweren Einsatz: Ein 37-jähriger US-Bürger wurde von einem Bundesagenten erschossen. Zunächst berichteten mehrere Medien, ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE habe geschossen. Später stellte sich heraus, dass der Schütze zur Border Patrol gehörte. Das Opfer hielt nach bisherigen Erkenntnissen lediglich ein Mobiltelefon in der Hand.
Der Vorfall löste Proteste aus und sorgte auch politisch für Kritik. Besonders die anfängliche Fehlinformation zur zuständigen Behörde machte deutlich, dass selbst in den USA oft unklar ist, wer welche Aufgaben im Einwanderungssystem übernimmt.
Zwei Behörden, ein Ministerium
ICE und Border Patrol sind zwei eigenständige Organisationen, die beide dem US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) unterstehen. Sie verfolgen jedoch unterschiedliche Aufgaben und Einsatzgebiete.
ICE steht für Immigration and Customs Enforcement. Die Behörde wurde 2003 nach den Anschlägen vom 11. September gegründet und ist für die Durchsetzung von Einwanderungs- und Zollgesetzen im Landesinneren zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören Ermittlungen wegen illegaler Einwanderung, Schleuserkriminalität, Visabetrug sowie die Festnahme und Abschiebung von Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus.
ICE-Beamte operieren vor allem in Städten und Gemeinden, führen Razzien durch und arbeiten oft in Zivil. In den vergangenen Jahren geriet die Behörde wegen harter Durchsetzungsmethoden und umstrittener Einsätze zunehmend in die Kritik. Derzeit wird ICE kommissarisch geführt und beschäftigt über 20’000 Mitarbeitende.
Grenzsicherung als Kernauftrag
Die Border Patrol ist deutlich älter. Sie wurde 1924 gegründet und ist Teil der Zoll- und Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP). Ihr Hauptauftrag ist die Sicherung der US-Aussengrenzen, insbesondere entlang der Grenze zu Mexiko und Kanada.
Border-Patrol-Agenten sind uniformiert und stark ausgerüstet. Sie patrouillieren zwischen offiziellen Grenzübergängen, verhindern illegale Grenzübertritte und bekämpfen Schmuggel. Ihre Befugnisse reichen bis zu 160 Kilometer ins Landesinnere, wo sie Kontrollen durchführen dürfen. Für länger im Inland lebende Personen ohne Aufenthaltsstatus ist in der Regel ICE zuständig.
Die Border Patrol zählt knapp 20’000 Agenten und gehört zu den grössten Polizeiorganisationen der USA. Sie ist hierarchisch dem CBP unterstellt und damit indirekt dem Heimatschutzministerium.
Gemeinsame Wurzeln, unterschiedliche Rollen
Beide Behörden entstanden aus der Aufspaltung der früheren Einwanderungsbehörde INS. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bewaffnet sind, Festnahmen durchführen dürfen und eine zentrale Rolle in der US-Migrationspolitik spielen. In der Praxis arbeiten sie oft zusammen: Personen, die an der Grenze aufgegriffen werden, werden häufig später von ICE weiter betreut oder abgeschoben.
Die Unterschiede liegen vor allem im Einsatzgebiet. ICE agiert im Inland, Border Patrol an den Grenzen. Während ICE-Agenten oft verdeckt auftreten, ist die Border Patrol klar als Grenzpolizei erkennbar.
Warum die Verwechslung bleibt
Der Fall Minneapolis zeigt, wie stark sich die Zuständigkeiten in der öffentlichen Wahrnehmung überlagern. Für Betroffene ist es oft unerheblich, welche Behörde im Einsatz ist. Beide stehen für eine harte Durchsetzung der Einwanderungsgesetze und sind politisch hoch umstritten.
Dass selbst Medien und Politiker zunächst falsche Angaben machten, unterstreicht die Komplexität des Systems. ICE und Border Patrol verfolgen unterschiedliche Aufgaben, treten aber zunehmend auch fernab klassischer Grenzgebiete in Erscheinung. Genau dort beginnt die Verwirrung – und sie dürfte auch künftig anhalten.
