Banksy-Bild für 18 Millionen Dollar versteigert – was das für den Künstler bedeutet
Am 13. März dieses Jahres wurde der wohl bekannteste Street-Art-Künstler aller Zeiten enttarnt. Aus dem ominösen und schwer greifbaren Künstler Banksy wurde der Mittfünfziger Robin Gullingham aus Bristol. Nach jahrelanger Recherche publizierten Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters einen Artikel, der wenig Zweifel an der nun offengelegten Identität des Künstlers zulässt.
Der Brite, der nach einer Namensänderung heute David Jones heisst, hat sich selbst noch nicht zum Reuters-Text geäussert. Banksys Firma «Pest Control», welche für die Autorisierungen seiner Werke zuständig ist, lässt jedoch verlauten, Banksy selbst habe zu den Enthüllungen «nichts zu sagen».
Banksy bringt noch immer Millionen ein
Viele Fans und Sympathisanten des Künstlers äusserten ihr Unverständnis darüber, dass die Reuters-Journalisten die Privatperson hinter Banksy an die Öffentlichkeit zu zerren versuchten. Während die Frage nach dem Zweck dieser Enttarnung im Internet hitzig diskutiert wurde, stellte sich in den Kreisen gutbetuchter Kunstsammlerinnen und -sammler eine ganz andere Frage: Was bedeutet dies für den Marktwert von Banksys Werken?
Eine Antwort auf diese Frage lieferte nun der jüngste Verkauf eines echten Banksys in New York. In der Nacht auf heute wurde das Bild «Girl and Balloon on Found Landscape» aus dem Jahr 2012 in einer exklusiven Auktion versteigert. Das Startgebot lag dabei bei rund 13 Millionen Dollar. Dass das Bild nun für 17'940'000 Dollar seinen Besitzer oder seine Besitzerin wechselte, ist ein Indiz dafür, dass die Enttarnung den Marktwert von Banksys Werken nicht zu mildern vermochte.
Spekulationen um Einfluss der Enttarnung auf den Marktwert vor der Auktion
In einem noch vor der Auktion erschienenen Artikel des «Wall Street Journals» mutmasste der Kunstsammler Peter Brant, der diverse Werke des berühmten Künstlers Keith Haring besitzt, dass Banksys Kunst nun noch attraktiver für Sammler sei. Gegenüber dem US-Wirtschaftsmagazin sagt Brant: «Es ist schwierig, Werke von jemandem zu erwerben, der so hart daran arbeitet, unerkannt zu bleiben, denn man kauft ja im Grunde Folklore. Es ist wichtig zu wissen, wer sie sind und wie sie sich entwickeln.»
Das deutsche Anleger-Magazin «Sachwert» hingegen stellte die Frage in den Raum, ob der Mythos Banksy nun beschädigt sei. So würden seine Werke von einer Aura des Unfassbaren leben, was jedes bestätigte Werk zu einem Stück kontrollierter Seltenheit mache. Dass Banksys Werk nun nur ganz knapp unter der erwarteten Höchstsumme von 18 Millionen Dollar wegging zeigt: Für die Kunsteliten dieser Welt wurde Banksy zwar enttarnt, jedoch nicht entzaubert. (jul)
