Bare Busen, Punkrock und Pyros – Aktivistinnen stürmen Biennale in Venedig
Am Samstag wird in Venedig die Biennale eröffnet. Dieses Mal will auch Russland wieder an der renommierten, alle zwei Jahre stattfindenden Kunstaussstellung teilnehmen. Es ist das erste Mal, seit das Land seinen Krieg mit der Ukraine im Jahr 2022 begonnen hat.
Bereits jetzt finden auf dem Veranstaltungsgelände sogenannte Vorbesichtigungstage für die Fachwelt statt. Diese wurden am Mittwochmorgen jäh unterbrochen, als Aktivistinnen der russischen Gruppe «Pussy Riot» und der ukrainischen Gruppe «Femen» vor dem russischen Pavillon aufmarschierten und lautstark gegen Russlands Teilnahme protestierten. Die Bilder dazu zeigen wir dir im Video:
Laut Beobachterinnen und Beobachtern liessen die Organisatoren der Biennale die Aktivistinnen gewähren. Auch aus dem russischen Pavillon kam keine sichtbare Reaktion, während draussen pinke, gelbe und blaue Pyrotechnik gezündet und Punkrock abgespielt wurde.
Aktion war schon seit Monaten angekündigt
Die feministische Gruppe Pussy Riot hatte bereits im März angekündigt, gegen die Teilnahme Russlands an der Biennale vorgehen zu wollen. In einem Post schrieb das Kollektiv damals:
Damit kritisierten sie die Entscheidung des Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco, Russland wieder teilnehmen zu lassen. Die Gruppe bezeichnete diese als «politische Entscheidung Italiens». «Der Präsident der Biennale wird von der italienischen Regierung ernannt. Der russische Pavillon ist keine Botschaft, er ist kein souveränes Territorium und hat keinen diplomatischen Status. Italien, die Behörden von Venedig und die Biennale selbst können ‹Nein› sagen, wenn sie wollen», heisst es in dem Post.
For the first time in several years, putin’s Russia is returning to the Venice Biennale. Representatives of the Biennale say the decision does not depend on them — here is why that is not true…
— 𝖕𝖚𝖘𝖘𝖞 𝖗𝖎𝖔𝖙💦 (@pussyrrriot) March 5, 2026
The Biennale consists of the main international exhibition and national pavilions.… pic.twitter.com/LiUGMFBxP6
Für Pussy Riot sei die offizielle russische Teilnahme «ein harter Schlag für die Sicherheit Europas». «Der Kreml nutzt Kultur seit langem als Fortsetzung der Aussenpolitik und zur Legitimation des Regimes im Ausland. Es handelt sich um die kulturelle Expansion des imperialen Russland ins Herz Europas», hiess es.
Auch EU kritisiert Biennale-Organisatoren
Mehrere Europaabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen wandten sich ebenfalls mit einem offenen Brief an die Biennale und forderten eine Rücknahme der Entscheidung. Die Abgeordneten verurteilen es scharf, Russland eine Plattform bei einer der weltweit wichtigsten Kulturveranstaltungen zu geben, während das Land weiterhin Krieg gegen die Ukraine führe.
Die Europäische Union hatte daraufhin angekündigt, der Biennale einen Millionenzuschuss zu streichen, schreibt der Spiegel. Laut der Financial Times warnte die EU die Organisatoren ausserdem, dass die Teilnahme Russlands als Verstoss gegen die geltenden Kriegssanktionen gewertet werden könne.
Kontroverse hat Einfluss auf Ablauf der Biennale
Die ganze Kontroverse um die Teilnahme Russlands und auch Israels macht sich auch beim diesjährigen Programm der rennommierten Kunstveranstaltung bemerkbar. Die Jury trat geschlossen zurück, weil sie die Kunst aus den beiden Ländern bei der Preisvergabe nicht hatte berücksichtigen wollen.
Auch die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, genauso wie die Vergabe der Goldenen Löwen, welche jeweils zu Beginn der Veranstaltung verliehen werden. Heuer sollen die Preise erst am letzten Tag der Ausstellung im November vergeben werden. Wem diese gebühren, entscheidet bis dann keine Jury mehr, sondern die Besucherinnen und Besucher. (lzo)
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