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US-Notenbank verzichtet erneut auf Zinssenkung – was machen SNB und EZB?

Television screens carry a news conference by Federal Reserve chair Jerome Powell on the floor of the New York Stock Exchange in New York, Wednesday, March 18, 2026. (AP Photo/Seth Wenig)
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Jerome Powell erfüllt den Wunsch von Donald Trump ein weiteres Mal nicht – dessen Krieg liefert noch weniger Argumente für eine Zinssenkung.Bild: keystone

US-Notenbank verzichtet erneut auf Zinssenkung – was machen SNB und EZB?

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins aufgrund der Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges unangetastet gelassen.
19.03.2026, 08:4619.03.2026, 08:46

Elf von zwölf Mitgliedern des Zentralbankrates stimmten dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung. Auch bei den kommenden Sitzungen dürfte die Fed das Zinsniveau beibehalten, eine Senkung rückt damit in weite Ferne.

FILE - Stephen Miran, chairman of the Council of Economic Advisors, walks at the White House, June 17, 2025, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon, File)
Stephen Miran
Stephen Miran wäre bereit gewesen, den Zinssatz weiter zu senken.Bild: keystone

Besonderes Augenmerk galt dabei einer Aussage von Fed-Chef Jerome Powell: Sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht abschwächen, gebe es keine Gründe für eine Zinssenkung. Nach Bekanntwerden dieser Aussage hatten sowohl der Franken als auch der Euro gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. Powell betonte zudem, dass höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig in die Höhe treiben werden. «Es ist jedoch noch zu früh, um das Ausmass und die Dauer der potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft abzuschätzen», sagte er.

Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begonnen, seither hat sich der Krieg dramatisch auf die Weltwirtschaft ausgewirkt: Unter anderem stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit Jahren, weil der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus gestört ist. Die Meerenge südlich des Irans gilt als die wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten zudem die für Ölexporte wichtige iranische Insel Charg ins Visier genommen.

Sorgen bei Europäischer Zentralbank

Damit steigt auch der Druck auf die Europäischen Zentralbank, denn die Sorgen vor einer neuen Preiswelle sind im Euroraum gross. Noch vor wenigen Wochen sah sich die Notenbank in einer komfortablen Situation im Kampf gegen die Inflation, die im Februar bei 1,9 Prozent lag und damit nah am mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Nun hat sich die Lage schlagartig geändert. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines längeren Iran-Krieges, der die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen könnte.

Die Notenbank will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank zunächst abwarten und den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins vorerst bei 2,0 Prozent belassen wird. Einige Experten erwarten aber eine Zinserhöhung im Sommer. Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS:

«Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch.»

SNB: Kein Zinsschritt erwartet

Aus Schweizer Sicht richten sich die Augen am Donnerstag um 9.30 Uhr aber zunächst auf die Schweizerische Notenbank (SNB). Diese dürfte, wie die anderen Zentralbanken, die Zinsen unverändert lassen.

(sda/awp/dpa)

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