USS Trump gegen die Welt: Der Präsident träumt vom Atom-Schlachtschiff
Im Spielfilm-Kracher «Battleship» von 2012 stoppt ein reaktiviertes US-Schlachtschiff aus dem Zweiten Weltkrieg eine Alien-Invasion auf Hawaii – dies dank seiner altmodischen, aber grosskalibrigen Geschütze. Ob Donald Trump diese Filmszenen im Sinn hatte, als er ankündigte, neue kanonenbasierte Schlachtschiffe für die US Navy bauen zu wollen?
Wir wissen es nicht. Aber klar ist, dass der neue, superteure Schiffstyp den Namen des Präsidenten tragen muss. Die ersten Pläne zur «Trump-Klasse» stellte der Republikaner bereits kurz nach seiner Wahl im Dezember 2025 vor. Inzwischen hat er seinen Marineminister John Phelan gefeuert, dem hinter den Kulissen nachgesagt wird, immer grössere Zweifel am Bauvorhaben geäussert zu haben.
Denn dieses ist ebenso gigantisch wie fragwürdig. Laut aktuellem Stand plant die Marine mit 15 neuen Schlachtschiffen bis 2056. Das erste davon mit dem Namen USS Defiant soll 2036 in Dienst gestellt werden. Die USS Trump würde später folgen. Stückpreis: 17 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich: Ein Flugzeugträger wie die USS Gerald R. Ford, das derzeit grösste Kriegsschiff der Welt, kostet 12 bis 15 Milliarden. Das Welternährungsprogramm der UNO benötigt 13 Milliarden pro Jahr, um die Hungerkrisen auf der Erde zu bekämpfen.
Die Finanzierung soll im nächsten Jahr beginnen, 46 Milliarden Dollar sind bis 2032 für Planung und Entwicklung vorgesehen. Aus dem Streitkräfteausschuss des Kongresses heisst es bereits: «zu teuer und kaum finanzierbar.» Militärexperten zweifeln generell den Nutzen einer solchen Schiffsklasse an. Denn Schlachtschiffe galten schon am Ende des Zweiten Weltkriegs als vom Flugzeugträger überflüssig gemacht.
Für die vergleichsweise geringe Reichweite der Kanonenbewaffnung müsste eine unverhältnismässig grosse Besatzung zu ebenso unverhältnismässig hohen Betriebskosten an Bord genommen werden.
Die geplante USS Defiant wäre dreimal so gross wie der jetzige Standard-Zerstörer der «Arleigh Burke»-Klasse. Was seinerseits grosse Anforderungen an Unterhalt und Hafeninfrastruktur stellen würde. Und die vorgesehene Hauptbewaffnung, eine elektromagnetische Railgun-Schiffskanone, befindet sich erst in der Entwicklung.
Atomantrieb soll grosse Reichweite ermöglichen
All das hält den jetzigen US-Präsidenten jedoch nicht davon ab, seine Schlachtschiffpläne voranzutreiben. Die Aussicht, dass die stärksten Kriegsschiffe seinen Namen möglicherweise noch in hundert Jahren tragen werden, dürfte für Trump zu verlockend sein.
Diese Woche gab die US Navy neue Details bekannt: So soll die Trump-Klasse mit denselben Atomreaktoren als Antrieb wie der Ford-Flugzeugträgertyp ausgerüstet werden. Auch dies macht Marineexperten hellhörig. Denn die Versuche der US Navy, Kriegsschiffe, die keine Flugzeugträger sind, mit Atomantrieb auszustatten, beschränkten sich bisher bloss auf wenige Einheiten. Die Letzten wurden Mitte der 1990er-Jahre ausgemustert.
Das Fachportal «The War Zone» nennt atombetriebene Kampfschiffe eine besondere Herausforderung im Hinblick auf Komplexität der Konstruktion und Kosten. Bei der Vorstellung des Marineprogramms 2027 am Montag verteidigte Operationschef Daryl Caudle die Idee: «Der Atomantrieb wird dem Schiff die Ausdauer verleihen, die es braucht – besonders im Pazifik, der dreimal so gross ist wie der Atlantik.» Weiter betonte der Admiral: «Ich benötige diese Art von Antrieb, damit ein Schiff mit solcher Feuerkraft seine Kampfstärke auch ausspielen kann.»
Gemessen an den Kosten und all den Unwägbarkeiten darf hingegen bezweifelt werden, ob Trump und sein Admiral jemals den Stapellauf miterleben werden. Es würde niemanden überraschen, wenn das ganze Projekt von Trumps Nachfolge im Oval Office stillschweigend geschreddert würde. Die Vorstellung, dass ein Schlachtschiff jeden Gegner von der Erdoberfläche fegt, dürfte dann weiterhin Hollywood vorbehalten bleiben. (aargauerzeitung.ch)

