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Trump will die globale Energiedominanz: Das steckt dahinter

Trump blamiert sich im Iran: So will er uns dennoch die Erdölpreise diktieren

Trump hat schon den Zollhammer niedergehen lassen, doch der US-Präsident will auch die «globale Energiedominanz».
12.04.2026, 08:4812.04.2026, 08:48
Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel
President Donald Trump attends the UFC 327 at Kaseya Center, Saturday, April 11, 2026, in Miami. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson, Pool)
Trump
Inmitten aller Blamagen kommt Trump einem grossen Ziel näher, ob durch Glück oder Geschick.Bild: keystone

Donald Trump blamiert sich im Iran. Er hat einen leichten Sieg erwartet. Wochen später sucht er nach einem Ausweg, bei dem er sein Gesicht wahrt. Er hat einen Waffenstillstand versprochen. Die Waffen standen nie still. Er hat die Strasse von Hormus für wieder geöffnet erklärt. Es kommt nach wie vor kaum ein Tanker durch. Der Preis für sofort lieferbares Erdöl ist hingegen auf den höchsten Stand seit fast 40 Jahren gestiegen.

Doch inmitten aller Blamagen kommt Trump einem grossen Ziel näher, ob durch Glück oder Geschick. Nach dem Zollhammer will er auch einen Energiehammer schwingen. In seiner nationalen Sicherheitsstrategie nennt er es «Amerikas globale Energiedominanz». Damit sollen die USA in der Lage sein, «wenn nötig, ihre Macht zu demonstrieren».

Trump hat sich zwar nie selbst «Öl-König» genannt, so wie er sich als «Zoll-König» anpries, aber Öl ist ihm anscheinend genauso wichtig wie Zölle. In seiner Antrittsrede kündigte er an: «Wir werden wieder eine reiche Nation sein, und dieses flüssige Gold unter unseren Füssen wird uns dabei helfen.»

Tatsächlich fördern die USA heute schon viel Schieferöl und -gas, sodass sie eine fossile Energie-Supermacht sind: Sie sind der weltweit mit Abstand grösste Produzent, fast so gross wie Russland und Saudi-Arabien zusammen. Aber Trump reicht das anscheinend nicht. Er will wohl eine Energiedominanz, wie sie in seinen typischen Worten «noch niemand jemals gesehen hat». Kaum im Amt gründete er einen «Nationalen Rat zur Energiedominanz». Er verfolgt eine Politik des «Drill, Baby, Drill».

Der Kronprinz muss Trump «den Arsch küssen»

Ums Öl drehen sich auch seine Ambitionen, den USA mehr Landfläche einzuverleiben, wie verschiedene Aussagen zeigen. Über den Irak-Krieg von 2003 sagte Trump bedauernd, «wir hätten das Öl behalten sollen». In Venezuela will er «die Öleinnahmen sichern zum Wohle des amerikanischen und venezolanischen Volkes.» Im Iran würde er «das Öl nehmen, es behalten und viel Geld damit verdienen». Um die Menschen im Iran würde er sich ohnehin «viel besser kümmern».

Trump will die Energiedominanz offenbar ähnlich als Zwangsmittel nutzen wie den amerikanischen Markt. Wer dort etwas verkaufen will, muss Trump eine goldene Rolex und einen Goldbarren überbringen. Und in den USA investieren. Oder US-Energie kaufen. Sonst geht der Zollhammer nieder. Und bald auch der Energiehammer. Greg Ip, Chefökonom des «Wall Street Journals» warnt, die USA würden sich als eigennütziger Akteur sehen, «der die Kontrolle über das Öl nutzt, um seine eigene Macht zu stärken

Verbündete hingegen braucht Trump offenbar nicht – oder nur, um sie zu Zugeständnissen zu zwingen. Er brach Handelsabkommen mit ihnen und erpresste sie mit seinen Zöllen. Dann wollte er Kanada haben. Den Panama-Kanal. Grönland. Das Erdöl Venezuelas. Das Erdöl des Iran. Vor seinem Angriff auf den Iran warnte er seine Verbündeten nicht. Später, als er ihre Hilfe brauchte, bekam er sie nicht und fluchte: Das Verteidigungsbündnis NATO «ist nicht da gewesen, als wir es brauchten» – jetzt prüft er den Ausstieg.

Er beleidigt die Verbündeten hemmungslos. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird «von seiner Frau sehr schlecht behandelt». Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hat «nicht damit gerechnet, dass er mir den Arsch küssen muss.»

Eine Grossmacht begeht Selbstmord in Zeitlupe

All dies ist ein «Zeitlupen-Selbstmord einer Grossmacht» für den früheren Chef des Geheimdiensts CIA, William Burns. Trump setze nur auf die eigene Stärke und verliere damit einstige Verbündete, sagt Burns im Interview mit dem Magazin «Foreign Affairs». Der US-Historiker Robert Kagan sagte aus dem gleichen Grund in einem Interview mit «The Bulwark», die USA stünden so isoliert und schwach da wie nie zuvor in den vergangenen 100 Jahren und seien heute ein «Schurken-Superstaat».

Ein Trump, der auf Verbündete keinen Wert legt, könnte mit dem Energiehammer auf Europa losgehen. Schon vor dem Iran-Krieg warnten europäische Denkfabriken: «Europas wachsende Abhängigkeit von den USA stellt ein Risiko für die Energiesicherheit dar.» Wladimir Putin hatte zuerst die Ukraine angegriffen und danach den Europäern die Gaszufuhr gekappt. Die USA sprangen ein. Doch damit hat Europa lediglich einen dominanten Zulieferer durch einen anderen ersetzt. «Dass die USA in die Gasmärkte eingreifen, um Druck auf Europa auszuüben, ist längst nicht mehr undenkbar

Mit dem Iran-Krieg sind die europäischen Sorgen grösser geworden. Laut «Financial Times» ist ein Wettlauf um amerikanisches Öl und Gas entstanden: «Eine Flotte asiatischer Tanker steuert amerikanische Häfen an.» Die Europäer werden mehr bieten müssen, um ebenfalls ihr Öl und Flüssiggas zu erhalten – und der US-Ölindustrie winkt laut «Financial Times» ein «Rekordexport».

Auch im Ringen mit China würde Trump offenbar gerne eine Energiedominanz ausspielen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Personen aus Trumps Umfeld. China bezieht viel Öl aus dem Iran und über die Strasse von Hormus auch aus anderen Ländern des Nahen Ostens. Wenn Trump sich das iranische Öl «nehmen könnte», wie er es ausdrückt, könnte er die Lieferungen an China stoppen. Oder damit drohen.

Trump könnte auch versuchen, es wie der Iran zu machen – und selbst Einfluss über die Strasse von Hormus auszuüben. Solche Pläne hat er bereits angedeutet. Laut der US-Denkfabrik «Atlantic Council» könnte es Trump in die Hände spielen, wenn der Frieden in der Strasse von Hormus wacklig bleibt. Dann müssten die USA dort noch lange Truppen stationiert lassen – und Trump hätte Einfluss auf die Strasse von Hormus.

Die grosse Bedrohung für Trumps grosse Erdöl-Träume

Bei all diesen geopolitischen Ränkespielen kann Trump sich jedoch leicht verheddern. Ein hoher Ölpreis freut zwar die US-Ölindustrie, seine Wähler müssen jedoch mehr für Benzin und ihre Lebenshaltungskosten zahlen. Der Benzinpreis ist bereits stark gestiegen, ebenso die allgemeine Inflation.

Und Öl könnte bald nicht mehr Trumps «flüssiges Gold» sein, wenn die erneuerbaren Energien weiter zulegen. Sie schlagen in der Stromproduktion die fossilen Energien bereits bei Weitem. Und sie ermöglichen eine heimische Produktion, die gegen geopolitische Schocks im Nahen Osten oder Trump'sche Erpressungsversuche schützt.

China weiss das. Deshalb fördert es Elektroautos, Wind- und Sonnenenergie und wird wohl der erste Elektrostaat der Welt sein. Europa weiss das, weshalb die Europäische Zentralbank dazu rät, die Energiewende schnell voranzutreiben. Und die Trump-Regierung weiss das anscheinend auch. Deshalb hält sie die erneuerbaren Energien für eine Bedrohung der eigenen fossilen Energiedominanz und schimpfen über Europas angeblichen «Klimakult».

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269 Kommentare
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banda69
12.04.2026 09:13registriert Januar 2020
Werfen wir einen Blick auf die Schweiz. Ausnahmsweise mal auf die SVP.

Die SVP boykottiert und sabotiert die Energiewende seit Jahrzehnten. Und zieht die Erneuerbaren in den Dreck. Wann immer es nur geht. Ja, seit Jahrzehnten.

Wir erhalten nun die Rechnung und bezahlen nun alle für die Politik der SVP. Für eine Politik, die uns in Abhängigkeit von Kriminellen gebracht hat. Und eine Politik, die Mensch und Umwelt schadet.

Und ja.
Die SVP schadet.
Immer.
Nachhaltig.

Danke SVP.
Für nichts.
Wie immer.
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Raketenwissenschaftler
12.04.2026 09:05registriert Januar 2023
Alle wissen, dass das fossile Zeitalter endet. Nur die SVP hat es noch nicht geschnallt.
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HARPHYIE
12.04.2026 09:11registriert Mai 2020
Umso mehr wird es Zeit, dass ALLE, selbst die SVP endlich mal aufwachem und die Energiewende als Prio 1 sehen! Egal was es kostet, es wird billiger als dieses Theater!
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