Interview
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Sizarr – «Purble Fried». Video: YouTube/Sizarr Official

Sizarr im Interview

«Manchmal hab ich keinen Bock auf Menschen und denke mir: ‹Was ist denn das für ein Trottel?› Aber das haben bestimmt auch schon viele über mich gedacht» 

Fabian, ihr seid eine aufstrebende Band aus Landau. Trotzdem kennen euch noch nicht so viele. Erklär doch mal unseren Lesern, die noch nie etwas von Sizarr gehört haben, wieso sie jetzt weiterlesen sollten.
Fabian: Oh. Schwierig. Da tu ich mich immer schwer ... Ich bin nicht so gut in Selbstvermarktung. Weil wir alle sehr nett und bodenständig sind, vielleicht? Und jung und gutaussehend.

Also reicht es, wenn ich jetzt einfach ein Bild von euch zeige?
Ja, vermutlich schon. 

Sizarr im Spreepark Plänterwald Berlin © Jens Oellermann

Von links nach rechts: Philipp Hülsenbeck, Fabian Altstötter und Marc Übel. Bild: Jens Oellermann

Um sicherzugehen, kündige doch noch an, dass wir im Verlauf des Interviews über einen Skandal sprechen werden. Du könntest «Nippelblitzer» in den Titel schreiben.

Oder du erzählst einfach von wilden Groupie-Geschichten. Das kommt auch immer gut an.
Die gibt's nicht. Wir waren immer brav. Ehrlich.

Also gut. Dann kommen wir mal zur Musik. Wie klingt die?
Ich glaub, der Begriff Indie-Pop trifft es noch am ehesten. Wir nehmen eigentlich aber aus allen Genres das Beste und vereinen es – das gibt dann Sizarr.

Sizarr – «Boarding Time». Video: YouTube/Sizarr Official

In eurem Pressetext steht, dass ihr so ähnlich wie Caribou oder Animal Collective klingt.
Steht da? Ja, ein Einfluss ist das sicher. Unsere Musik ist aber sehr breit gefächert. Wir versuchen möglichst viel zu vereinen. Nicht nur die unterschiedlichsten Musikrichtungen, sondern auch viele verschiedene Instrumente.

Weisst du, was auch noch in eurem Pressetext steht? 

«Sizarr sind tatsächlich das in diesen Tagen allerbeste Beispiel für eine neue Generation von Bands. Einer Generation von Bands, der nichts ferner liegt als die Selbstgenügsamkeit, es mit möglichst angepasster Weichzeichnung von jugendlichen Sehnsüchten bis ganz nach oben zu schaffen.»

Auszug aus dem Pressetext

Naja ... den Text haben ja nicht wir geschrieben. Mit solchen Formulierungen müssen wir jetzt halt leben.

In der Band bist du es, der die Texte schreibt. Wie hättest du denn euer Ziel formuliert?
Ganz einfach: Wir wollen einfach Musik machen. Weil's uns sehr viel Spass macht. Und ja, die Texte schreib zwar grösstenteils ich, aber vervollständigt werden sie von der Gruppe.

Welchen Themen widmet ihr euch bei euren Songs?
Die Texte sind autobiografisch. Ich kann ja nur auf meine Erfahrungen zurückgreifen – ich kenne ja niemanden besser als mich selbst. Ich habe beispielsweise einen Song über Soziophobie geschrieben. Früher bin ich immer mit Kopfhörern zur Schule gelaufen und hab grimmig geguckt. Ab und zu hab ich eben keinen Bock auf Menschen und denke mir: «Was ist denn das für ein Trottel?» – aber das haben bestimmt auch schon viele über mich gedacht. 

Diese Gedanken hat wohl jeder.
Genau. Deshalb darf man auch mal drüber schreiben und die alle als Trottel bezeichnen. Aber ich schreib auch über liebenswerte Menschen, bei denen ich mich dann bedanke. Ich find es wichtig, dass man sich die Texte der Bands auch zu Herzen nimmt und zuhört, was da gesungen wird. Schliesslich steckt eine Botschaft in den Songs. Das ist nicht nur Lalala. Bei uns zumindest nicht.

Gibt es eine Band, die du in dieser Hinsicht als dein Vorbild bezeichnen würdest?
Auf alle Fälle sind Tocotronic textlich extrem gut und sehr anspruchsvoll. Ich würde Tocotronic sogar als Vorbild bezeichnen, ja. 

Tocotronic – «Aber Hier Leben, Nein Danke». Video: YouTube/MacXmedia

Sie haben mich von Anfang an begleitet – und auch die neuen Sachen find ich gut. Die ganze Entwicklung der Band ist bewundernswert. Auch wir sind weiter gewachsen. Sizarr ist jetzt viel weiter als noch vor fünf Jahren, als wir mit der Band angefangen haben. Unser zweites Album wird irgendwie anders als das Debüt.

Wie anders?
Ich glaub es wird eher fröhlicher – also zum Teil. Wir haben jetzt ein paar Songs geschrieben, die nicht mehr so schwer lasten. Und ich glaub, es ist auch ein bisschen minimalistischer. Das erste Album war schon ziemlich vollgestopft und pompös. 

Sizarr – «Run Dry». Video: YouTube/Sizarr Official

Das ist das neue Album nicht mehr, was mir persönlich sehr gut gefällt. Wir haben uns aufs Wesentliche konzentriert und ich hab mich beim Schreiben der Songs viel mehr mit den Texten beschäftigt als beim ersten Album. Ich wollte, dass sie verständlicher sind. Meine Stimme klingt auch anders als auf dem ersten Album. Ich hab eine fast schon überdeutliche Aussprache. Das hat jetzt halt dazu geführt, dass der deutsche Akzent hörbarer ist. Aber das kann ja auch etwas Charme haben.

Das kannst du ja am Samstag am Schweizer Publikum testen.
Genau. Für Bands wie uns ist die Schweiz übrigens immer sehr geil. Ihr habt die besten Hotels und das beste Catering. Weil ihr vollgestopft mit Geld seid. Haha.

SIZARR LIVE

Am 17. Mai spielen die drei Anfangzwanziger am LAUTER Festival in Zürich. Wer die Jungs live sehen möchte, steht spätestens um 20.45 im Stall 6.

Übrigens: Sizarr wird französisch ausgesprochen. Weitere Infos zur Band finden Sie hier.

LAUTER-Festival

Am 17. Mai geht das Lauter-Festival in die sechste Runde. Das Club-Festival findet an der Zürcher Gessnerallee statt. Bespielt werden der Stall 6, das El Lokal und die Hafenkneipe. 25 Bands und DJs bieten einen dreizehnstündigen Musikmarathon. Der Eintritt zu den Konzerten und zur anschliessenden Party ist frei. Das gesamte Programm finden Sie hier.

watson unterstützt das Lauter-Festival als Medienpartner.



Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

«Ich f*** deine Freundin auf der Behindertentoilette» – so schockiert der Rollstuhl-Rapper

Gramoz Klasniqi ist hat gerade seinen ersten öffentlichen Battle-Rap-Auftritt hinter sich. Vor zwei Wochen trat er unter dem Namen Rolling G. beim «Top Tier Takeover» auf, dem Nachfolger von «Rap am Mittwoch». Das Video vom Battle hat inzwischen mehr als zwei Millionen Aufrufe auf Facebook. Auch, weil der 22-jährige Gramoz Klasniqi im Rollstuhl sitzt. 

Der 22-Jährige sitzt schon immer im Rollstuhl. Dass er Punchlines wie

raushaut, irritiert das Publikum. 

Wie reagieren andere …

Artikel lesen
Link to Article