Islamischer Staat (IS)
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epa04590755 (FILE) A composite image showing handout photos made available by Jordanian News Agency showing Jordanian pilot Lieutenant Mu'ath al-Kaseasbeh (R), captured by Islamic State group's fighters after they shot down his warplane, and Sajida Mubarak al-Rishawi (L), the woman suicide-bomber who failed to blow herself up as part of bomb attacks in a Jordanian hotel in 2005, Amman, Jordan 24 April 2006. Jordan is willing to release a jailed female militant in exchange for a Jordanian fighter pilot held by Islamic State, a government minister said 28 January 2015, as a deadline loomed for two hostages held by the jihadist militia.
'Since the start of the crisis, Jordan has given the priority to guarantee the safety of Mu'ath al-Kasasbeh's safety,' Jordanian Minister of State for Information Mohammed al-Mumani said, referring to the pilot captured by the jihadist group in December in Syria.
The minister made no mention of Kenji Goto, a Japanese journalist who the extremist group is threatening to kill. In a recording released 27 January 2015 by the Islamic State, a desperate Goto warned the jihadist group would kill him and the pilot unless Sajida al-Rishawi was freed from a Jordanian jail within 24 hours, which would be Wednesday afternoon in Syria.  EPA/JORDAN NEWS AGENCY / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die Attentäterin mit zu wenig Mut zum Suizid: Sadschida al-Rischawi. Bild: EPA/JORDAN NEWS AGENCY

Gefangenentausch

Der IS will seine Symbolfigur zurück: Die verhinderte Attentäterin, die seit 9 Jahren in einer jordanischen Todeszelle sitzt  

Die IS-Miliz wollte mit einer japanischen Geisel und einem gefangenen Piloten eine in Jordanien inhaftierte Irakerin freipressen. Sie war zur Symbolfigur avanciert.



Die Dschihadistin Sadschida al-Rischawi ist durch die Versuche der Miliz Islamischer Staat (IS), sie in einem Gefangenenaustausch freizupressen, ins internationale Rampenlicht gerückt. Die 44-jährige Irakerin, die seit neun Jahren in einer jordanischen Todeszelle sitzt, ist für den IS eine ausgesprochen wichtige Symbolfigur.

«Ihre Freilassung wäre für die Dschihadisten ein moralischer Sieg, der ihre Stellung in den irakischen Stammesgebieten festigen würde, wo die Wurzeln des IS liegen.»

Mohammed Abu Remann vom Zentrum für Strategische Studien an der Univesität Amman

FILE  - This Nov. 13, 2005 file photo  made from television shows Iraqi Sajida al-Rishawi opens her jacket and shows an explosive belt as she confesses on Jordanian state-run television to her failed bid to set off an explosives belt  inside one of the three Amman hotels targeted by al-Qaida. Al-Rishawi, was sentenced to death. In January 2015, almost a decade later, she has emerged as a potential bargaining chip in negotiations over Japanese hostages held by the Islamic State group, the successor of al-Qaida in Iraq, which orchestrated the Jordan attack. (AP Photo/Jordanian TV, File)

Sadschida al-Rishawi öffnete ihre Jacke und zeigte ihren Bombengürtel, als sie am jordanischen Staatsfernsehen gestand, sie habe versucht, drei Hotels in Amman in die Luft zu sprengen. Bild: AP/JORDANIAN TV

Die Miliz hatte vergangene Woche mit der Tötung des jordanischen Kampfpiloten Maas al-Kassasbeh gedroht, sollte die Regierung in Amman al-Rischawi nicht im Austausch für den gekidnappten Japaner Kenji Goto freilassen. 

Weil Jordanien als Vorbedingung ein Lebenszeichen des über Nordsyrien abgestürzten Piloten verlangte, verzögerte sich der Austausch und die Dschihadisten veröffentlichten am Samstag ein Video von der Enthauptung des Japaners. 

A Jordanian child holds a poster with a picture of Jordanian pilot, Lt. Muath al-Kaseasbeh, who is held by the Islamic State group militants, with Arabic that reads,

Ein jordanisches Kind hält ein Plakat mit dem jordanischen Kampfpiloten Maas al-Kassabeh hoch, der von den Dschihadisten gekidnappt wurde. Bild: Nasser Nasser/AP/KEYSTONE

Jordaniens König Abdullah II. deutete am Wochenende an, im Austausch für «unseren heldenhaften Piloten» könne die verhinderte Attentäterin nun freikommen.

Nicht mutig genug für einen Suizid

Vier Tage nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels in Amman, bei der Ende 2005 sechzig Menschen starben, wurde al-Rischawi festgenommen und im April 2006 zum Tode verurteilt. In ihren im jordanischen Staatsfernsehen übertragenen Geständnissen erklärte sie, dass sie es im letzten Moment nicht geschafft hatte, den Zünder ihres Sprengstoffgürtels zu betätigen.

Gemeinsam mit ihrem Mann, der sich im Radisson-Hotel mitten in einer Hochzeitfeier in die Luft sprengte, und zwei weiteren Attentätern war sie zu den Parallel-Anschlägen aufgebrochen.

Verbindungen zur Al-Kaida

Die Verantwortung für die Terrorwelle übernahm seinerzeit die Al-Kaida im Irak unter Abu Mussab al-Sarkawi, eine sunnitische Salafistengruppe, die sich zum IS entwickelte. 

Bild

Abu Mussab al-Sarkawi, der Führer der sunnitischen Salafistengruppe, die sich zum IS entwickelte.

Al-Rischawi, von der seit Jahren nicht mehr gesprochen wurde, auch weil in Jordanien Todesurteile gegen Frauen schon lange nicht mehr vollstreckt wurden, «ist wegen ihrer Verbindungen zur Al-Kaida im Irak und zur folgenschwersten Auslandsoperation dieser Gruppe weiter wichtig», erläutert Aimen al-Tamini, Forscher des Instituts Middle East Forum.

«Sie gehörte zum engen Kreis um al-Sarkawi, der die Vorläuferorganisation des IS gründete.»

Hassan Abu Hanije, Experte für islamistische Gruppierungen

«Ausserdem ist sie Angehörige eines Sunnitenstammes in der westirakischen Provinz Al-Anbar, die heute grösstenteils vom Islamischen Staat kontrolliert wird», fügt er hinzu. Von Bedeutung sei zudem, «dass sie die Schwester eines früheren Kaida-Emirs und engen Sarkawi-Gefolgsmanns ist, der im Kampf starb».

Sie studiert im Gefängnis den Koran

«Der IS will wegen ihrer moralischen und symbolischen Bedeutung Rischawi und niemand anders freibekommen.»

Oraib Rentawi, Direktor des Al-Kuds-Zentrums für politische Studien in Amman

«Ihr Name ist direkt mit dem Sarkawis verbunden.» Sieben Monate nach den Anschlägen in Amman wurde der Al-Kaida-Chef im Irak, ein gebürtiger Jordanier, bei einem US-Luftangriff nördlich von Bagdad getötet.

Al-Rischawi verbringt seitdem ihre Tage in einem jordanischen Frauengefängnis mit dem Studium des Koran und im TV-Raum, wo sie islamische Sender schaut. 

Der IS will Anerkennung

«Der IS will wie ein Staat behandelt werden.»

Forscher Tamini

«Und einen Austausch von Kriegsgefangenen vorzuschlagen, anstelle von Lösegeld, wie es die meisten bewaffneten Gruppen tun, ist auch eine Art, diese Anerkennung zu erlangen

(sda/afp)

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