Ich glaube, der Exkurs in die Monogamie hat mir neue Türen geöffnet. Oder aber meine Euphorie, wieder mit anderen schlafen zu können, ist ansteckend. Oder, dritte Option, es ist alles gleich wie früher, aber weil ich nun eine Weile «raus» war, denke ich, es ist alles anders. Wie wenn man reisen ging, dann schätzt man das WC zuhause ja auch plötzlich wieder ganz anders.
Was ich sagen will: Ich hatte noch nie so viel Game wie jetzt. Ich schreibe eine Frau an, es kommt was zurück. Ich grinse in ihre Richtung, sie lächelt oder nickt mir zu – und jeder Mann weiss, das ist für Zürich alles andere selbstverständlich. Gewöhnlich kassiert man einen irritierten Blick. Wenn's mies läuft, schaut sie demonstrativ weg. Und im WORST CASE macht sie so Handbewegungen als wolle sie eine Wespe verscheuchen. Ist mir einmal passiert. Da wusste ich: Zeit, nach Hause zu gehen.
Aber jetzt gerade bin ich wenig zu Hause.
Hie und da bin ich bei Lara. Aber wir sind, wie soll ich das nun nennen, wir sind nicht in unserer intensivsten Phase. Sie ist busy, ich auch. Aber alles entspannt, kein Streit, kein Anschweigen, einfach wenig Zeit für- und miteinander. Bin ich nicht bei ihr oder im Sport, mit einem Kumpel oder mit Hanna irgendwo, dann bin ich «draussen».
Die meisten dieser Treffen und Bekanntschaften sind nicht so aufregend, dass es sich lohnen würde, hier darüber zu schreiben, und sind wir ehrlich, ihr lest alle nur, weil im Titel Rat der Sexologin steht und werdet dann kommentieren, dass viel zu viel Vorspiel dabei war.
Item.
Das Date mit der Sexologin war gut, aber nicht berauschend. Ich fand sie nicht unattraktiv, aber jetzt auch nicht ultra hot. Ich fand sie auch nicht unspannend, aber jetzt auch nicht wahnsinnig interessant. Was mich am meisten interessierte, war ihr Beruf. Oder ihr angehender Beruf. Sie war noch im Studium. Zweit-Studium. Sie ist 32. Aktuell arbeitet sie noch in einer Werbeagentur. Und es ist auch nicht wirklich ein Uniabschluss, was sie nachher hat. Sondern ein Diplom. Aber schon ein «richtiges», sagte sie. Ziel der Ausbildung und dann ihrer Tätigkeit als Sex-Therapeutin: Leuten, die besseren Sex wollen, zu besserem Sex verhelfen.
Ich dachte, das darf ich nicht einfach so an mir vorbeiziehen lassen und zeigte mich von meiner besten Seite ...
Kommentarspalte: Mimiimimi!! Beste Seite? Hihihihi!
Bevor ihr jetzt alle ganz nervös werdet: Wir hatten keinen Sex. Das liegt nicht an mir oder mangelndem Game, sondern an ihren Regeln. Sie gehe nie beim ersten Date mit jemandem ins Bett. «Mache ich einfach nicht, ganz egal, wie gut das Date ist.» Aber, alle durchatmen, wir sind für in zwei Wochen verabredet, dazwischen ist sie noch im Urlaub, und dann kann ich euch aus erster Hand berichten, wie Sex mit einer Sexologin ist. Bis dann müssen wir uns alle mit diesen Ratschägen zufriedengeben.
Erstens: Die Menschen seien auch heute noch viel zu sehr auf den «Verkehr» fixiert, sie sagte wirklich Verkehr, was ein Problem sei und auch unnötig, weil neun von zehn Frauen nicht durch Penetration allein kommen würden und man im Gegensatz zu früher ja nicht möglichst viel Nachwuchs generieren, sondern Spass haben wolle. Viele Frauen würden nicht sagen können, was ihnen Spass mache, was aber nicht daran läge, dass sie es zu wenig wissen würden, sondern daran, dass es keine Kultur dafür gäbe. Diese zu ändern, sei aber nicht nur Sache der Frau. (Hier schaute sie mich streng an.)
Zweitens: In den meisten Fällen gäbe es ein Timingproblem. Der Mann brauche zwei bis drei, die Frau bis zu zwanzig Minuten, bis sie «ready» sei. Ist sie «ready», werde die Vagina viel grösser und dann würde auch das hohe Tempo, das viele Männer für einen Orgasmus brauchen, die älter als zwanzig seien, kein Problem mehr sein.
Drittens: Grundsätzlich würden sich die Menschen zu wenig bewegen beim Sex, weshalb sie wenig geniessen können. Wollte ich schon einwerfen, dass wir Männer uns sehr wohl bewegen, aber einige Frauen wie passive Flundern daliegen, aber dachte dann, das kommt sicher nicht gut an und das meinte sie auch nicht. Männer wie Frauen seien zu angespannt, hätten zu mechanische, wenig runde Bewegungen, hätten deshalb auch eher harte Gedanken und Fantasien, bräuchten sehr viel Druck und Reibung, und ständig etwas oder jemanden Neues, weil der Sympathikus durchgehend aktiviert ist. Hier wurde es mir zu technisch ... Aber was ich verstanden habe: weniger anspannen, sondern lockerer sein. «Weniger gerade stossen, sondern schaukeln», sagte sie. Hab ich, wie gesagt, noch nicht komplett kapiert. Werde ich aber noch rausfinden.
So.
Ich werde das alles in zwei Wochen umsetzen und euch wieder berichten.
So long,
Ben
Also Nervosität gehört wirklich nicht zu den Reaktionen, die Bens Beiträge auslösen.
Die häufigste Reaktion auf seine Texte ist da eher "genervt sein", wenn er mal wieder Worte wie hot, im Game sein oder Kumpels verwendet.