Ein Doppelleben, eine Schockverliebtheit und kein Kondom
Ich bin neu wieder auf Datingapps. Also jetzt nicht mehr so neu. Ich bin schon seit dem 1. Januar da drauf. Und seit dem ersten Januar bin ich da recht oft drauf.
Der Grund heisst Typ Nummer 3. Nennen wir ihn 3. 3 war der dritte Match, den ich angeschrieben habe. Ich fragte ihn, welche Nummer er am liebsten hätte. Die von Kim Kardashian, Sydney Sweeney oder Emma Amour.
Er antwortete mit «Klarer Fall von Emma Amour. Aber nur wenn sie wirklich die besten Brüste von Zürich hat und kein Stocki aus meiner neunjährigen Kartoffel macht.»
Ich war angetan. Und antwortete. Er antwortete. Ich antwortete. Er antwortete. Es entstand ein rund zehn Kilometer lange Chat. Lustigerweise war Emma kein Thema mehr. Er hat sich gar nicht überlegt, dass ich Emma sein könnte.
Fand ich spannend. Fühlte mich wie eine Geheimagentin. Oder wie jemand, der ein krass aufregendes Doppelleben lebt. In Wollsocken und Leggings, mit Gesichtsmaske daheim auf der Couch.
Mein Nippel ist auch 1 Nase
Irgendwann fragte 3, ob ich Lust auf ein Treffen habe. Habe ich natürlich. Nummer 3 teilt sich mit Freunden ein Atelier, das ich vom Vorbeifahren kenne. Ob wir uns da treffen und malen sollen.
Geil.
Also glaubs geil. Hab das noch nie gemacht.
3 sagt, ich soll was anziehen, das schmutzig werden darf. Also schmeisse ich mich in meine Jeanslatzhose und zieh darüber ein altes Hemd. In Filmen tragen Frauen immer Latzhosen, wenn sie malen.
Wir trafen uns letzten Donnerstag um 19 Uhr. 3 hat bereits alles aufgestellt. Viele Pinsel, viele Farben. Das Licht ist gedimmt. Im Hintergrund läuft leise Musik.
Finde alles 10/10. Am meisten finde ich 3 10/10. 3 hat eine krass tiefe Stimme. Und krasse Augen. So ganz helle. 3 weiss aber auch, dass er eine 10/10 ist. Gibt 1 Punkt Abzug.
Aber wir sind ja hier nicht in der Mathestunde.
3 erklärt mir das Atelier. Er erklärt es so, als hätte ich eine Stunde bei ihm gebucht. Ich finds irgendwie noch sexy und baggere ihn leicht an. 3 macht mit. Alles sehr subtil. Wirklich sexy.
Dann malen wir. Und malen. Irgendwann malen wir einander an. Er mein Hemd, ich seine Hand. Er meine Nase, ich seine Stirn.
Wie im Film.
Doppelleben, Film, Flirts.
Ich bin back im Game, liebes Leben/Liebesleben.
Bevor wir uns küssen, zieht 3 mein Hemd aus. Dann macht er die Latzhose auf. Darunter trage ich ein ärmelloses weisses Shirt.
Harte Nippel.
Er malt um den Nippel herum ein Gesicht. Der Nippel ist die Nase.
Zagg, bin verliebt.
Und wenn ich verliebt bin, will ich Sex. Das Atelier hat sehr grosse Fenster und befindet sich an einer prominenten Lage im EG, wo stets reger Verkehr herrscht. Also machen wir die Lichter aus.
3 und ich haben 0 Kondome
3 hebt mich auf einen Tisch voller Farbflecken. Es ist sehr unbequem. Macht uns aber null aus. Wir sind scharf und wollen vögeln.
3 hat kein Kondom dabei. Ich auch nicht. 3 sagt, er habe wirklich nicht damit gerechnet. 3 sagt, er hätte nach all den lustigen Nachrichten von mir so ernsthaftes Interesse, mich kennenzulernen. Drum keine Kondome.
Bei mir sieht es etwas anders aus. Ich habe sie schlichtweg vergessen. Er lacht, ich lache, wir machen weiter rum.
Dann legen wir uns auf den Boden. Es ist immer noch finster. Die Musik läuft. Wir halten uns an den Händen. Und reden. Und reden. Und reden.
Irgendwann fragt er, ob ich Emma Amours Nummer wirklich habe. Habe ich, sag ich. Ob er sie will, frag ich. Er sagt nein, er wolle lieber meine.
Und was, wenn Emmas Nummer meine Nummer ist, frage ich.
«Das wäre Scheisse. Weil ich dich zu gut finde und nicht damit klarkäme, dass da noch ein Sandro rumschwirrt.»
Ich könnte jetzt sagen, dass ich Emmas Cousine bin. Ich entscheide mich aber für die Wahrheit.
«Du hast perfekte Brüste, wirklich. In meiner Vorstellung hatte Emma einfach etwas grössere.»
Wir lachen.
Ich frage 3, was jetzt mit uns 2 ist? Zumal das gerade wie 1 sehr gute Geschichte angefangen hat.
«Wie geht es dir in Sachen Sandro?»
Ich überlege.
So gut wie schon ewig nicht mehr, sage ich. Und frage: Machen wir weiter, 3?
«Ja», sagt er. «Lass mich schnell eine Nacht darüber schlafen. Dann kurz bei Freunden mit dir angeben und dann machen wir weiter.»
Am nächsten Tag schickt er mir ein Bild seines Balkons. Dazu schreibt er: «Hier hat es keine Bierdosen. Dafür gibt es den besten Blick über Zürich. Magst du den heute sehen? PS: Ich habe keine Kondome. Und werde keine kaufen. Hältst du das aus?»
To be continued.
*Joke, Leute!
