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Big Ben: Mit «Fetisch-Freunden» ins neue Jahr gerutscht

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Big Ben

Mit «Fetisch-Freunden» ins neue Jahr gerutscht

Vielleicht war dieser Silvester einer der besten Tage meines Lebens – und das sage ich, obwohl ich Silvester eigentlich nicht mag.
09.01.2026, 10:0409.01.2026, 10:04
Big Ben
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Ich hoffe, ihr seid alle gut ins 2026 gestartet. Habt freudig Vorsätze gefasst, ein Fitness-Abo gekauft, Sleep Tracker installiert. Oder ihr habt irgendein komisches Zinn-Ding gegossen, das nach rein gar nichts ausgesehen hat, aber besoffen war es ganz bestimmt eine Giraffe und jetzt habt ihr einen Safari-Trip gebucht, weil die Giraffe, die war ein Zeichen, da muss man handeln, und weil die blöde Safari so teuer war, reicht es dieses Jahr nicht mehr für ein Abo im guten Gym, sondern nur in einem, wo es immer nach Achselschweiss müffelt und man den Geruch nach zwei Besuchen nicht mehr aushält, aber ihr habt nun mal keine verdammte Hantel gegossen, sondern eben eine Giraffe und deshalb… was erzähle ich, Happy New Year, liebe Community!

Ich bin mit Wodkashots mit Gurkenwasser, anscheinend der neueste Schrei, und beim dritten Shot tatsächlich irgendwie gut, gestartet. In einem Chalet in den Bergen.

Gewöhnlich schmeisst ja Hanna eine Silvesterparty. Nicht so dieses Jahr. Hanna war mit ihrem neuen Freund in New York.

Den Hype um Silvester verstand ich eh noch nie

Sehr lange fand ich die Idee, einfach nichts zu tun und zuhause zu bleiben, die beste Idee. Vielleicht ein paar Bier trinken, eine Flasche Wein öffnen, die neue Staffel «Stranger Things» schauen oder wieder einmal «Interstellar». Vielleicht auch gar nicht wach bleiben bis zwölf, denn weshalb sollte ich?, das neue Jahr beginnt so oder so, ob ich jetzt wach bin oder nicht.

Aber dann wurde mein Mitbewohner von einem neuen Arbeitskollegen in ein Chalet in den Bergen eingeladen. Und er wollte, dass ich mitfahre. Fand das eine mittelmässig gute Idee, aber er liess nicht locker, und, muss man vielleicht anfügen, er wurde kurz vor Weihnachten verlassen. Auf die unschöne Art, er ist deshalb sehr ungern allein, auch wenn er in einer Gruppe von Leuten ist, das sei noch schlimmer, und ihr kennt mich, ich bin ein guter Mensch, ich lasse den Jungen nicht im Stich.

Apropos WG

All die Kommentare von wegen «Mitte dreissig und noch in einer WG leben»... Leute, ich lebe hoffentlich für immer und ewig in WGs. Auch wenn ich mal eine siebenköpfige Familie und einen Hund namens Hasi habe, auch dann. Gibt es ja zum Glück auch immer mehr, diese Gross-WGs. Mehrere Familien, die gemeinsam in einer WG leben. Die Kleinfamilien-in-Einfamilienhaus-Fantasie quetscht mir nämlich meinen letzten Cheeseburger die Speiseröhre hoch. Das ist echt nicht mein Ziel.

Am meisten hat mich bei meinem letzten Text jedoch der Kommentar von EisenPeter amüsiert: «Ich lese Ben nur zu Forschungszwecken. Weil ich sonst keinen Menschen kenne der andere Menschen so konsumiert als wären sie ein Joghurt.» Erstens, lieber EisenPeter, grammatikalisch hat dein Satz noch Luft nach oben. Sei froh, bist du nicht mein Schüler. Und zweitens: Warum gerade Joghurt? Und was für ein Joghurt? Naturjoghurt? Griechischer Joghurt mit Honig? Sojamilch-Joghurt?

Okay, ich schweife ab. Wir gehen zurück auf den Berg. In ein sehr schickes, sehr grosses, sehr teures Chalet im Bündnerland, wo schon zwölf andere Leute sind.

Vier Paare, eins hatte ein Baby dabei, eins war zuerst ständig am Handy, weil die beiden Kids bei den Grosseltern waren, und sich nicht benahmen, wie sie sollten. Ein Paar war frisch verliebt und benahm sich auch entsprechend, eins war das Gegenteil von frisch verliebt und benahm sich ebenfalls entsprechend. Weiter waren da drei Frauen, alle Single, wie mein Mitbewohner sagte, und ein Typ, nicht Single, aber in einer Fernbeziehung, sprich, er benahm sich, als wäre er Single.

Der Klassiker aller Silvester-Menüs

Wir assen, was man eben isst, in so einer Runde und an so einem Abend: Raclette. Ich ass, wie immer, wenn es Raclette gibt, viel zu viel und versuchte den Käseklumpen mit Schnaps aufzulockern, was ein Mythos ist, wissen wir alle. Der Abend war deutlich amüsanter als ich ursprünglich erwartete. Neue Gruppen sind nicht so meins. Ich bevorzuge es, die Leute schon zu kennen. Aber ein Paar war irgendwann sehr betrunken und nahm ein Kartenset hervor. Ein Kartenset mit direkten, persönlichen Fragen.

Hasse ich. Solche Spiele.

Nicht Spiele generell. Spiele finde ich gut. Alle. Brettspiele. Ratespiele. Von mir aus auch Pantomime. Aber diese "Wir fragen Dinge, die wir sonst nie fragen würden"-Kartenspiele? Nein danke. Aber weil einige so auskunftsfreudig waren, störte es nicht, wenn andere - vor allem eine der Frauen und ich - fast nichts sagten.

Die eine hatte OnlyFans

So erfuhr ich, dass eine mal OnlyFans machte. Lesben-Content, obwohl sie nicht lesbisch sei. Aber sei gut gelaufen. Hat sie nur beendet, weil sie keine Zeit mehr hatte. Eine andere will beim Sex nur mit dem Nachnamen angesprochen werden. Ich hätte gerne mehr gewusst. Nur bei One-Night-Stands? Nur in Beziehungen? Auch vor und nach dem Sex? Oder nur während des Aktes? Aber ich befürchtete, dass ich die Aufmerksamkeit auf mich lenke, wenn ich etwas frage. Wer fragt, muss auch antworten.

Eine der Frauen sagte, sie liebe es, beim Sex ins Gesicht gespuckt zu werden, und die Frischverliebte schrie: «Ich auuu!» Worauf sich die Frauen ein High-Five gaben und sagten, sie seien, einen Ausdruck, den ich noch nie hörte, aber das muss ja nichts heissen, «Fetisch-Freunde». Währenddessen hat der Freund der Frischverliebten sehr konzentriert auf den Boden gestarrt und so getan, als sei das alles gerade nicht passiert.

Es war zugegeben erstklassige Unterhaltung, was mir da geboten wurde, aber deshalb war der Abend nicht vielleicht einer der besten Abende meines Lebens und sicher der beste Silvester, den ich je hatte. Der Grund ist ein anderer. Ich habe jemanden kennengelernt. Dort im Chalet. Aber einerseits würde es den Rahmen sprengen, würde ich das hier noch erzählen, und andererseits muss ich zuerst meine Gedanken sortieren und mir überlegen, wie und was ich euch erzähle.

So long,

Ben

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bild: watson
Big Ben ist ...
... Mitte 30 und lebt in einer WG. Sein Job ist in den Top 10 der Berufe, die Frauen sexy finden – je nach Umfrage. Er spielt Fussball, macht aber so gut wie nie ein Goal (weil Goalie), er hat viele Schwestern, sehr viele, und wurde logischerweise total verwöhnt, aber auch (viel zu früh) aufgeklärt. Er hasst Verkleidungspartys, aber wenn er müsste, würde er sich als Gandalf verkleiden. Ben ist Single und hat kein Interesse daran, dies zu ändern.
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175 Kommentare
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El_Chorche
09.01.2026 10:24registriert März 2021
Bens spektakulär öde Geschichte ist eine angenehme Ausnahme zu all den schlechten Nachrichten, die wir täglich vorgesetzt bekommen.

Keine Toten, niemand wird verletzt, keiner verliert - da ist nur Ben, der uns mit seinen Eskapaden zeigt, wie gut wir es doch eigentlich haben.

Danke Ben!
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Macrönli
09.01.2026 10:52registriert April 2018
Mit der Überschrift und im gleichen Satz "Fetischfreunden" und "gerutscht" hab ich was anderes erwartet aber nun gut. Ich Ferkel.
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Zugriff
09.01.2026 10:13registriert März 2019
Ich bin normalerweise nicht so, aber: Die ganze Watson-Website ist in Schwarz. Wir wissen, wann das Unglück von Crans stattfand. Mitten drin das Comic-Teaser-Bild von Big Ben mit dem Titel "Mit «Fetisch-Freunden» ins neue Jahr gerutscht". Ist das wirklich, wirklich, wirklich clever? Oder hätte man gescheiter mal eine Woche pausiert?
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