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Nachtschicht: Liebling, ich habe die Katze vermenschlicht!

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bild: collage / watson
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Liebling, ich habe die Katze vermenschlicht!

Neuerdings benutzt unsere Katze die Toilette (und ich bin nicht sicher, ob das witzig oder verrückt ist).
26.02.2026, 10:1126.02.2026, 12:37

Unlängst habe ich ja erzählt, dass es mir manchmal schwerfällt, Dinge zu entsorgen, weil ich zu viele Gefühle dafür hege. Nun ist es eben nicht nur so mit Dingen, sondern vielleicht auch mit unserer Katze. Ich liebe sie sehr und ungefähr 14 Mal pro Tag frage ich sie, wie es ihr geht und weil sie nicht antwortet, frage ich es dann in der Nacht mich. Und ich glaub, meine vielen Gefühle haben etwas mit ihr gemacht.

Ich fühle mich der Katze sehr verbunden, denn folgende Dinge beschreiben uns beide gleichermassen:

  • nicht besonders mutig
  • sieht beim Rennen aus, als wäre sie dafür nicht gemacht worden
  • kann gut entspannen
  • überzeugt optisch vor allem im Liegen
  • faucht im Nahkampf ganz leise und meint, das würde reichen zur Revierverteidigung (tut es natürlich nicht, und das Revier wird von Tag zu Tag kleiner)

Manchmal schaue ich deshalb mit ihr aus dem Fenster und bespreche, wie sie sich den einen oder anderen Baum zurückerobern könnte, aber ich bin nicht sicher, ob sie mich versteht oder ob die neuen Kater im Quartier sie einfach zu sehr einschüchtern und sie es deshalb erst gar nicht probiert.

Jedenfalls sind die anderen Katzen so forsch und neugierig, dass sie die ganze Katzenleiter hochkommen und dann bei uns in die Wohnung glotzen. Dann lotse ich unsere Katze von innen ans Fenster und sage ihr, sie soll jetzt mal zeigen, wem das Fenstersims hier tatsächlich gehört. Aber dann macht sie nur wieder ihr Fauchgeräusch, das etwa so einschüchternd klingt, wie wenn man auf eine Luftmatratze sitzt, deren Ventil nicht ganz zu ist.

(Es brauchte dann schlussendlich mich, die ich nackt aus der Dusche kam, um die Kater endgültig zu vertreiben.)

Wie das mit den zu vielen Gefühlen begann

Letzten Sommer war die Katze noch sehr abenteuerlich und fleissig. Da jagte sie Mäuse wie eine Weltmeisterin, und es verging keine Nacht, in der wir nicht mit Küchensieb und Lebendmausefalle bewaffnet Sofas drehten und Bücherregale ausräumten, um ihre mitgebrachte Beute zu finden, zu fangen und wieder nach draussen zu bringen.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Katzen Mäuse angeblich lebendig heimbringen, wenn sie ihrer Familie (also uns) auch eine Chance geben wollen, jagen zu lernen. Unsere nächtlichen Performances schienen sie nicht überzeugt zu haben, dass wir gute Jägerinnen und Jäger sein könnten, denn sie brachte eine muntere Maus nach der anderen ins Haus, bis es ihr draussen zu kalt wurde (denke ich, gesagt hat sie es nicht direkt so).

Oft wurde mir in diesem Zusammenhang von dieser neuen Beuteerkennungsklappe erzählt, über die ich zwar nächtelang nachdachte, aber dann doch nicht bestellte. Diese moderne Katzenklappe öffnet sich nur, wenn die Katze so aussieht wie auf ihrem Passbild, also ohne Maus im Maul.

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Erst wenn die Katze ihre Beute loslässt, klickt die Klappe und sie kann rein. Und hier beginnt meine eventuelle Empathiestörung. Denn ich schlief tatsächlich sehr viel weniger in diesem mäuselastigen Sommer und musste so oft nachts aufstehen, dass ich mich dabei ertappte, wie ich mich fragte, warum genau wir uns Katzen ins Haus geholt hatten kaum schliefen die Kinder endlich durch?

So eine Klappe würde also eigentlich all meine Probleme lösen – wenn ich normal wäre. Aber wenn ich mir vorstelle, dass wir nun diese Beuteerkennungsklappe installieren und die Katze da ankommt, des nächtens, stolz, ausgepowert von der Jagd, MIT GESCHENKEN FÜR IHRE UNFÄHIGE FAMILIE, bereit für Lob, und dann geht und geht ihr Türchen nicht auf. Ist sie dann nicht traurig oder beleidigt oder gar enttäuscht? Wie kann man es wissen? Katzen haben doch so viele Gefühle, sagt man. Wie will der Mensch da wissen, dass Enttäuschung nicht dazugehört? Das frage ich mich.

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Da schimmert doch Erwartung in diesen Augen?

Schlimmstenfalls sucht sie sich dann eine andere Familie, die sie mitsamt Beute empfängt? Und das wäre ganz grauenvoll, weil die Katze dann weg wäre und diese Talfahrt der Gefühle hatten wir schon mal (die Katze kam drum im Doppelpack zu uns, mit ihrem Bruder, und der wurde überfahren, und, meine Güte, du kannst dir nicht vorstellen, was das für ein Familiendrama war. Ich war an keinem anderen Tag weniger gern Mutter als damals, als ich den Kindern ihre kleinen Herzen brechen und sie über den Tod der übermütigen Katze informieren musste. Aber das ist eine andere Geschichte und ich muss lernen, hier nicht immer fünf Geschichten gleichzeitig zu erzählen, weil es sind bis hierhin schon wieder mindestens zwei, pardon).

Das macht die Katze froh

WIE DEM AUCH SEI: Im Moment ist die Katze fast immer daheim. Manchmal beobachtet sie ihr einstiges Revier vom sicheren Balkon aus und lässt verwegen den Wind durch ihr Fell blasen.

Und ich hatte schon fast Zweifel an meiner Erziehung (der Kinder), weil mir ein paarmal aufgefallen ist, dass jemand vergessen hatte, die Spülung zu betätigen. Ausserdem fragte ich mich, wie man pinkeln kann, ohne Klopapier zu benutzen.

Bis ich dann eines Tages aber eben DAS sah:

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Die Katze benutzt die Toilette (!!)

Und jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich etwas zu viel mit der Katze gesprochen habe? Meint sie, wir seien irgendwie artverwandter, als wir es tatsächlich sind? Das ist der Nachteil, weil sie mir natürlich wieder nicht antwortet und ich bin allein mit meinen nächtlichen Fragen.

Und der Vorteil: Wenigstens bin ich nun auch ziemlich sicher, wer immer meinen teuren Conditioner benutzt.

In diesem Sinne: Miau und ciao.

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Olivia El Sayed denkt recht viel, einfach fast nichts zu Ende, weil sie immer irgendwie noch was muss: Zur DH, ein Formular ausfüllen, Kinder abholen, Geschenk einpacken, Pass erneuern, Text fertig schreiben, Körper einigermassen instand halten, Ufzgi kontrollieren. Ausser in der Nacht. Da liegt sie im Bett und starrt mit gefühlt offenen Augen an die Innenseiten ihrer Augendeckel – und denkt. Hinderschi und fürschi und so viel und laut, dass sie alles irgendwohin aufschreiben muss, damit sie jemals wieder schlafen kann. Und dieses irgendwohin ist: genau hier.
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Autorin und Instagrammerin (@oh_olives) Olivia El Sayed.Bild:oliviaelsayed
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