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Warum Männer für eine Tech-Domina Geld ausgeben

Bild: youtube screenshot
Sexuelle Wünsche und Praktiken passen sich dem Zeitalter an. So auch BDSM. In den USA verhilft dies einer Frau zu Reichtum. Ihr Beruf: Männer digital zu erniedrigen.
06.03.2018, 20:0007.03.2018, 08:21

Mistress Harley schämt sich nicht für ihren Beruf. Sie ist stolz darauf, was sie tut, nennt sich selbst Lifestyle-Beraterin und alle, die damit ein Problem haben, sollen sie gefälligst am Arsch lecken. Höflich ausgedrückt. 

Harley ist eine Tech-Domina. Männer bezahlen sie dafür, dass sie in ihre Computer eindringt, dort ihre dunkelsten Geheimnisse aufstöbert und diese dann gegen sie verwendet. Wobei eindringen eigentlich nicht ganz richtig ist, denn die Männer gewähren Harley ganz freiwillig Zugang auf ihre Rechner. Denn das Risiko jederzeit blossgestellt werden zu können, verschafft ihnen sexuelle Befriedigung.

Bild: shutterstock

Diese Art von Kick lassen sich ihre Kunden einiges kosten. Je nach Service verdient Harley 500 bis 5000 Dollar pro Tag. Ihr Rekord läge bis heute bei 10'000 Dollar, die sie einmal von einem Klienten in Geld- und Warenwerten erhalten habe.

Der Kick, wenn jemand dein Leben kontrolliert

Viele Kunden hat Harley nicht. Diese Art von BDSM ist immer noch eine Nische, deren Währung finanzielle Kontrolle und persönliche Daten sind. Das ist nicht jedermanns Sache.

Hat die Tech-Domina einen neuen Kunden akquiriert, veranlasst sie diesen erstmal das Programm TeamViewer auf seinem Computer zu installieren. Dieses Programm ist ganz legal erhältlich und wird hauptsächlich dazu genutzt, dass Informatiker Rechner aus der Ferne warten können.

Nun geht alles sehr schnell. Routiniert durchforstet die ehemalige IT-Fachfrau den Rechner ihres Klienten. Dabei sucht sie alles hervor, was irgendwie dazu dienen könnte, jemanden zu erpressen: Nacktbilder, schmutzige E-Mails, Kontodaten, sensible Firmeninfos oder Passwörter.

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Manchmal ändert sie den Mauszeiger auch in ein Händchen, welches die Arschlochgeste zeigt. Oder sie schränkt die Zugriffsrechte soweit ein, dass der Besitzer des Computers nichts mehr machen kann. Selbst eine eigene Android-App, die den Aufenthaltsort des Kunden genau trackt, hat Harley im Angebot.

Schlussendlich kommt es immer auf die Vorlieben des Kunden an. Einige werden nur schon berauscht, wenn sie dabei zusehen können, wie jemand Fremdes den Mauszeiger bewegt. Andere wiederum stehen darauf, wenn sich Harley Zugang zu ihren Social-Media-Accounts verschafft und dort zweideutige Nachrichten verschickt.

«Leute sind bereit, für dieses Gefühl von Spannung und Angst Geld zu bezahlen.»
Mistress Harley gegenüber dem Magazin Broadly.

Es ist dieses Gefühl aus Spannung und Angst, das Harley jederzeit etwas Schlimmes mit den Daten anstellen könnte, welches die Leute antörnt. Kommt noch der Gedanke hinzu, dass eine schöne Frau die Kontrolle über das eigene Leben übernimmt. 

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Harley stellt aber auch Leute bloss. Dann veröffentlicht sie schmutzige Fotos auf der Facebook-Pinnwand des Kunden oder macht Statusupdates wie «Ich habe eine heisse Internetherrin», zusammen mit einem Foto von ihr. Natürlich alles auf Wunsch des Kunden.

Einmal hat ein Mann ihr die volle Kontrolle über seine Webcams und das interne Soundsystem gegeben. Also hat Harley ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, indem sie in voller Lautstärke Wagner in seinem ganzen Haus abgespielt hat.

Wer einmal reinhören möchte:

Eine Geschäftsfrau, die weiss, was sie tut

Harley ist eine knallharte Geschäftsfrau, die weiss, wie sie zu ihrem Geld kommt. Mit treuen Langzeitkunden schliesst sie Abzahlungsverträge ab, die schon einmal auf mehrere Jahre ausgelegt sind. Dafür sind dann auch die Summen entsprechend. 15'000 US-Dollar zahlt ihr beispielsweise ein Kunde über zehn Jahre in Raten, inklusive zehn Prozent Zinsen. Manchmal wollen diese Leute dann nicht einmal eine Gegenleistung dafür. Was nach Abzocke klingt, ist für diese Kunden die Erfüllung ihrer Fantasien – finanzielle Unterwürfigkeit als ultimativer sexueller Reiz.

Mistress Harley.
Mistress Harley.Bild: youtube screenshot

Bezahlt ein Kunde die vereinbarte Summe nicht, wird er bestraft. Dafür hat sie online extra eine «Loser Hall of Shame» eingerichtet. Auch wer ihr unaufgefordert Nacktbilder schickt, landet dort. Wer nicht ganz so ein böser Bube war, aber trotzdem auf der Loser-Seite landen will, ist mit 50 US-Dollar dabei. Für das Doppelte wird der Eintrag wieder entfernt.

Folge diesem Thema:

Daneben hat Harley den Begriff Techdomme schützen lassen, hat diverse Bücher im Selbstverlag veröffentlicht und will sogar weitere Tech-Dominas ausbilden.

Diese ganzen Dinge ermöglichen ihr ein Leben, das sie sonst nicht führen würde. Zuvor hat sie unter anderem in einem unterbezahlten Job in einer Softwarefirma gearbeitet – bis zu 15 Stunden pro Tag. Nun verdiene sie endlich so viel, wie es für sie angemessen sei.

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Ihr Mann hat mit ihrem aussergewöhnlichen Beruf kein Problem. Er war es sogar, der sie ursprünglich auf die Idee gebracht hat. Zuvor hatte sie sich schlicht für Geld im Internet ausgezogen, um etwas dazuzuverdienen.

Harley hilft Männern dabei, Frauenunterwäsche zu tragen

Die Tech-Domina sieht ihren Service als Dienstleistung, mit dem sie das Leben ihrer Kunden besser macht. Zuallererst ist dies die einfache Tatsache, dass sie die sexuellen Fantasien der Leute befriedigt.

«Wie in allen Bereichen von BDSM findet ein Austausch von Macht statt», sagt sie gegenüber dem Onlinemagazin Engadget. «Da ist jemand, der Macht abgeben möchte, damit eine andere Person diese nutzen kann. Und sobald jemand in deinem Computer, deinen E-Mails ist, alle deine Kontakte, deine sozialen Medien kennt, weiss für wen du arbeitest, ist es einfach, alle Fantasien zu erfüllen, die du schon immer hattest.»

Doch Harleys Service geht noch viel weiter. So helfe sie ihren Kunden auch, Ängste und Abhängigkeiten zu überwinden. Beispielsweise gäbe es da diesen Kunden, der süchtig nach Pornografie war. Das erste, das sie also gemacht habe, sei den Zugriff auf Pornoseiten zu sperren. Seither sei diese Person nie mehr auf Pornoseiten gewesen.

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Auch Sissy-Boys gehören zu Harleys Kundschaft. Das ist ihr Begriff für Männer, die gerne feminisiert werden wollen, aber nicht dazu stehen. In diesem Fall erpresst Harley die Männer mit den sensitiven Daten und nötigt sie dazu, ihre Sexualität zu erforschen.

«Sie fühlen sich zu Frauen wie mir hingezogen: stark, mächtig, schön und selbstbewusst. Sie wollen aber keinen Sex mit mir, sie wollen wie ich sein.»
Mistress Harley gegenüber Broadly.

Das kann so aussehen, dass Harley einen Sissy-Boy dazu zwingt, Frauenunterwäsche zu tragen. Zuerst nur zuhause, irgendwann dann auch in der Öffentlichkeit. Oder sie outet die Männer in Videos und zwingt sie so, zu ihren sexuellen Vorlieben zu stehen. Dank der High-Tech-Kontrolle lasse sich jeder Fetisch durchsetzen.

Harley zieht auch Grenzen, wenn auch nicht unbedingt da, wo man vermuten würde

Mit kriminellen Aktivitäten will sie nichts zu tun haben. Auch Dinge, die irgendwie mit Fäkalien zusammenhängen, kommen für sie nicht in Frage. Bei anderen Themen wiederum, ist sie durchaus offener.

Beispielsweise gab es da diesen deutschen IT-Experten. Er hatte Feminisierungsfantasien und wünschte sich schon seit 20 Jahren, kastriert zu werden. Sogar einen Arzt, der bereit war, die Operation durchzuführen, hatte er schon gefunden – in Guadalajara, Mexiko.

Harley hat lange über diese Situation nachgedacht, hat sogar ihren Psychologen konsultiert, um sicher zu gehen, dass sie geistig gesund ist. Schliesslich hat sie eingewilligt, dem Mann mit unnachgiebigem, moralischem Support zur Seite zu stehen.

Bild: shutterstock

Sie hat ihm mit dem Reisebudget geholfen, der Operation, der Genesung, ist ihm kurz vor und nach der Operation beigestanden.

Der Eingriff war erfolgreich. Harleys Kunde hatte sich die Hoden entfernen und sie durch unnatürlich grosse Silikonimplantate ersetzen lassen.

Für Harley war diese ganze Sache ein Kundenwunsch, den sie so behandelt hat, wie jeden anderen auch. Schlussendlich sei dies eben einfach eine Person gewesen, die keine Hoden mehr haben wollte. Ihr sei wichtig, dass ihre Kunden glücklich sind und dass sie mit ihnen in einer symbiotischen, gegenseitigen Beziehung lebe, denn genau das sei der Punkt bei BDSM.

In der neuen SRF-Serie «Seitentriebe» geht's übrigens auch um Sex. Simone erklärt's euch etwas genauer:

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