Buckelwal Timmy schwimmt frei: Diese Fragen stellen sich jetzt
Wie geht es jetzt weiter?
Timmy schwimmt jetzt zwar selber wieder, ob er das auch überlebt, ist jedoch noch nicht sicher. Der Buckelwal ist nach wie vor geschwächt, das lange Liegen auf der Sandbank könnte auch seine Organe beeinträchtigt haben.
Zudem ist unklar, ob der Wal überhaupt Nahrung aufnehmen kann, da man in seinem Maul Netzteile gefunden hat. Diese könnten auch zu einem Verschluss geführt haben. Auch seine Haut hatte während seines Aufenthaltes in der Ostsee gelitten. Deshalb gilt Timmy offiziell auch noch nicht als gerettet.
«Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht», erklärte die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) schon vor Timmys Schwumm in die Freiheit. Wie der gesundheitliche Zustand des Wals bei seiner Freilassung war, ist derzeit nicht bekannt.
Wie wird Timmy überwacht?
Sergio Bambaren hat den Wal auf seiner «Heimreise» begleitet. Der Umweltschützer und Schriftsteller hatte sich schon in der Bucht bei der Insel Poel um Timmy gekümmert. Er schrieb auf Facebook, dass der Buckelwal einen aktivierten Sender trägt.
Die für die Rettung zuständige Initiative bestätigt das. Die Behörden haben jedoch noch keine Daten erhalten. «Peildaten sind bei der Initiative mehrfach angefordert worden. Bislang haben wir nichts», teilte Eva Klaussner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, mit.
Auch ein Mitglied der Initiative, Jens Schwarck, erklärt, dass ihm gar keine Daten vorlägen. Der Tracker müsse zehn Sekunden am Stück im Wasser sein und auch das Netz muss ausreichend sein, berichtet die Bild. Öffentlich zugänglich werden sie nicht sein.
Wohin des Weges?
Das ist eine gute Frage. Der Buckelwal wurde rund 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak freigelassen. Wichtig ist, dass er die offene Nordsee erreicht. Gemäss der Nachrichtenagentur AFP soll er in die richtige Richtung davongeschwommen sein. Die Trackingdaten sollen zeigen, ob er den Weg am Schluss auch findet.
Doch das konnte bisher noch nicht geprüft werden, weil die Daten fehlen. «Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das ‹Rettungsteam›«, erklärte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Denn dann könne die Mission auch nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen erklärt werden, da man Timmy schlicht aus den Augen verlieren würde.
Am späteren Nachmittag berichtete die «Bild» schliesslich, dass erste Signale empfangen worden sind. Allerdings nur sporadisch. Sie deuteten jedoch darauf hin, dass sich Timmy in die richtige Richtung bewege.
Das Worst-Case-Szenario
Es ist auch möglich, dass der Buckelwal erneut eine Küste ansteuert. Das wäre ein Zeichen dafür, dass der Wal noch immer geschwächt ist.
In diesem Fall könnte es für Timmy böse enden: Dänemark hat bereits angekündigt, dass gestrandete Wale nicht gerettet würden. Schliesslich handle es sich um ein «natürlich vorkommendes Phänomen», in das man nicht eingreife.
Auch eine Auffangstation war vor der Freilassung immer wieder ein Thema. Doch auch hier gibt es schlechte Nachrichten: Weltweit ist nämlich laut WDC keine Einrichtung bekannt, die sich um Buckelwale kümmern könnte. Stationen gibt es lediglich für Kleinwale.
Was hat das Ganze gebracht?
Natürlich sicher mal Punkt eins: Timmy kann wieder frei schwimmen, auch wenn die langfristigen Erfolgschancen ungewiss sind. Die Rettungsaktion ist für viele aber mehr als das. Wie Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, erklärt, wurde «ein Stück Geschichte geschrieben», berichtet die «Bild». Er will für Timmy ein Mahnmal errichten lassen.
Der Fall hat zudem einmal mehr aufgezeigt, wie problematisch Stellnetze und Geisternetze im Meer sind. Tiere verfangen sich darin oder verletzen sich. Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern wurde von den Grünen deshalb bereits ein Antrag gestellt, um den Umgang mit Ausnahmesituationen bei Meeressäugern sowie den Schutz der Meeresökosysteme zu überdenken, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auch die WDC fordert verschiedene Massnahmen, um Meerestiere vor dem Tod durch Fischereigeräte zu schützen.
(Mit Material der sda)
