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Absturzort in den Alpen: «Sehr wild und extrem schwer zugänglich»

Germanwings-Flug 4U 9525 ist in extrem unzugänglichem Gebiet abgestürzt. Die Bergung der Opfer und Trümmerteile wird lange dauern. Die französischen Helfer tun was sie können, schon bald werden sie mit dem Schmerz der Angehörigen konfrontiert.

Christoph Seidler und Sara Maria Manzo 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein Dutzend Betonstufen an der Aussenseite des Gebäudes hinauf, drinnen eine weitere Treppe. Das ist der Weg in die Turnhalle des Jugendzentrums von Seyne-les-Alpes. An guten Tagen tobt hier der Nachwuchs des Städtchens nach oben, bevor er ein paar Körbe wirft.

Doch dies ist alles andere als ein guter Tag für Seyne im französischen Département Alpes-de-Haute-Provence. Weitere schwarze Tage werden folgen. Tage, die die Geschichte des Ortes für immer prägen und seinen Namen ins Gedächtnis von Menschen einbrennen werden, die zuvor noch nie von ihm gehört hatten.

Flugzeugabsturz einer Germanwings Maschine im Süden Frankreichs

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Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich
quelle: ap/ap / martin meissner
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Nur wenige Kilometer von hier ist Germanwings-Flug 4U-9525 im Felsmassiv Les Trois Évêches abgestürzt. Von den 150 Menschen an Bord hat nach derzeitigen Erkenntnissen niemand überlebt. Für die Angehörigen der Opfer wird das Jugendzentrum zum Zentrum ihres Schmerzes.

Die Unglücksstelle liegt in unzugänglichem Gebiet und ist nur per Helikopter erreichbar. Also soll am Stadtrand von Seyne getrauert werden. In der ersten Etage des Sportkomplexes will man die Familien der Absturzopfer empfangen. Die Tische stehen schon bereit, bewacht vom französischen Militär.

Hierher sollen auch die Leichen der Opfer gebracht werden, deren Bergung so schwierig ist. Das bestätigt der Bürgermeister des Ortes, Francis Hermitte, in der Nacht, während draussen die Generatoren der Fernsehteams aus aller Welt surren. Die Gebirgsregion, in der die Opfer liegen, sei «sehr wild und extrem schwer zugänglich für Fussgänger», sagt Hermitte, schwarze Daunenjacke, ordentlich zurückgekämmtes silbernes Haar mit ruhiger Stimme. Den ganzen Tag habe man daran gearbeitet, den Helfern trotzdem die besten Bedingungen zu bieten.

Bis zur Wiederaufnahme der Arbeiten würden die Zufahrtswege in das Gebiet von Sicherheitskräften abgesperrt. «Wir haben die bestmögliche Hilfe angeboten», sagt der sozialistische Politiker. Am Mittwoch wird er Präsident François Hollande, Kanzlerin Angela Merkel und Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy begrüssen – und womöglich die ersten Angehörigen.

Am Jugendzentrum werden sie sich alle treffen. Im Erdgeschoss die Journalisten, die ihre Geschichten schreiben. Im ersten Stock die Familien, deren Schmerz niemand begreifen kann. Und dazwischen die Politiker, die versuchen werden, das Unaussprechliche in Worte zu fassen. So wie Aussenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Dienstag unter anderem zusammen mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt mit dem Hubschrauber über dem Gebiet unterwegs war. «Wir sind alle in grosser Trauer vereint.» Das Leid der Familien und Angehörigen sei «unermesslich».

Währenddessen werden sich Rettungskräfte weiter bemühen, Opfer und die Trümmer zu bergen, mit deren Hilfe Experten eines Tages womöglich verstehen, was hier passiert ist. Ganz in der Nähe von hier werden am Mittwochmorgen wieder die Militärhubschrauber starten. Nur im Helikopter ist die Absturzstelle überhaupt zu erreichen. Zwar führt ein mit dem Auto befahrbarer Weg in die Nähe, doch das letzte Stück lässt sich nur mit Mühe zu Fuss zurücklegen. Man braucht 30 bis 40 Minuten, sagen Leute, die häufiger dort unterwegs sind.

Frédéric Petitjean, Chefmediziner der Region Alpes-de-Haute-Provence, war mit dem Hubschrauber in der Absturzregion unterwegs. Wer mit dem sichtlich mitgenommenen Militärarzt spricht, bekommt eine Ahnung, wie dramatisch die Unfallstelle aussieht – und wie lange die Bergung der Opfer dauern wird. «Es ist kaum etwas zu erkennen», beschriebt er die Szenerie am Absturzort. Auf die Frage, ob er Leichen gesehen habe, verstummt Petitjean. Keine ganzen, sagt er dann. Man habe angefangen «die Leichenteile ausfindig zu machen» und sie zuzudecken.

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