DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Staatsanwalt: «Der Co-Pilot hat das Flugzeug mit Absicht zum Absturz gebracht»



Der Sinkflug der abgestürzten Germanwings-Maschine ist nach ersten Erkenntnissen absichtlich eingeleitet worden. Der allein im Cockpit zurückgebliebene Co-Pilot habe den Hebel dafür selbst betätigt, sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin.

Der Pilot war zu diesem Zeitpunkt aus dem Cockpit ausgeschlossen. «Es sieht so aus, als habe der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört», sagte Robin.

Bild

Der Pilot sei auf die Toilette gegangen. Der Co-Pilot habe das Kommando gehabt und am Flight-Monitoring gespielt. Dann habe ein Alarm die rasche Annäherung der Maschine an den Boden signalisiert. Doch der Pilot konnte nicht mehr ins Cockpit zurück.

1 / 49
Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich
quelle: ap/ap / martin meissner
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Der Co-Pilot habe kein Wort gesprochen, es seien nur Atemgeräusche zu hören gewesen. «Unsere wohl plausibelste Deutung geht dahin, dass der Co-Pilot sich weigerte, die Tür zu öffnen», sagte der Staatsanwalt. So habe der Pilot nicht mehr ins Cockpit gelangen können.

Der Code an der Cockpit-Tür der Unglücksmaschine war nach Angaben des Staatsanwalts kein Code zum Öffnen, sondern einer, mit dem sich der jeweils Zugangsberechtigte identifiziert. Die Tür verriegele sich ganz automatisch und werde dann von innen geöffnet.

Die Passagiere bekamen den Absturz offenbar aber erst in letzter Sekunde mit. «Die Schreie der Passagiere hören wir erst in den letzten Sekunden auf dem Band», erklärten die Ermittler.

DNA-Proben Angehöriger für Identifizierung

Nicht nur die Ermittlungen zur Ursache des Flugzeugabsturzes kamen am Donnerstag voran. Auch an der Identifizierung der Opfer arbeiteten Experten mit Hochdruck. Die Auswertung der DNA-Analysen der Opfer habe begonnen, sagte Robin.

epa04678466 A handout photo provided by the French Interior Ministry on 25 March 2015 shows debris on the mountain slopes after the crash of the Germanwings Airbus A320 over the French Alps, France, 25 March 2015, near the crash site of the Germanwings Airbus A320 over the French Alps. Search crews resumed helicopter flights around dawn on 25 March 2015 to the remote mountainside in southern France where Germanwings Flight 4U 9525 from Barcelona to Duesseldorf crashed after a rapid descent, likely killing all 150 people aboard on 24 March.  EPA/FRANCIS PELLIER / SIRPA GENDARMERI  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Absturzstelle des A320. Bild: EPA/SIRPA GENDARMERIE / MINISTERE DE

Für die Identifizierung der Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine nahmen französische Experten DNA-Proben der Angehörigen.

Am Donnerstagmorgen waren Angehörige der Opfer mit zwei Flugzeugen aus Düsseldorf und Barcelona in Marseille gelandet. Die rund 50 Angehörigen waren in Düsseldorf gestartet, um in die Nähe des Absturzortes zu gelangen.

Angehörige auf dem Weg an den Absturzort

Mit an Bord reiste auch ein Betreuer-Team, bestehend aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen, wie die Lufthansa mitteilte. Ausserdem war ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Aus Barcelona wurde ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

Für die Angehörigen sollte es jedoch keine Möglichkeit geben, an die Absturzstelle zu gelangen: «Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich», sagte der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron, der Nachrichtenagentur dpa.

Zusammen mit der Polizei und Helfern vor Ort bereitete er die Ankunft von Angehörigen in Le Vernet vor. Diese Siedlung liegt in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle.

Das Sportzentrum des Unglücksortes Seyne-les-Alpes, in dem eine Art Kapelle als Trauerraum für die Angehörigen eingerichtet wurde, war abgeriegelt. Polizisten kontrollierten den Zugang. Die Familien sollten Ruhe haben für ihre Trauer. Im Rathaus erstellten Mitarbeiter eine Liste von Einheimischen, die Menschen aufnehmen können.

Gedenkminute um 10.53 Uhr

Der Germanwings-Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. An Bord waren 150 Menschen, darunter 72 Deutsche.

Exakt um 10.53 Uhr gedachten am Donnerstag viele Menschen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in aller Stille der 150 Todesopfer. Behörden, Schulen und Unternehmen beteiligten sich an der Schweigeminute, zu der die Regierungen der deutschen Bundesländer aufgerufen hatten. Mancherorts stand auch der Verkehr still.

Genau um 10.53 Uhr war am Dienstag die Funkverbindung zu der Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U9525 abgebrochen. Bundestagspräsident Norbert Lammert hielt am Morgen beim Gedenken des Parlaments eine Ansprache.

Steiles und rutschiges Gelände erschwert Bergung 

Am Unfallort ging die Bergung der Leichen weiter. Neben der Bergrettung sind Soldaten und Feuerwehrleute an dem Einsatz beteiligt. «Die Arbeit ist extrem schwierig, das Gelände ist gefährlich. Es ist steil und rutschig», sagte der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin. 

SEYNE, FRANCE - MARCH 26:  Rescue workers continue their search operation into a third day near the site of the Germanwings plane crash near the French Alps on March 26, 2015 in La Seyne les Alpes, France. Germanwings flight 4U9525 from Barcelona to Duesseldorf has crashed in Southern French Alps. All onboard perished and authorities are working to discover the cause of the crash.  (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)

Bergungsarbeiten in der Nähe von Seyne-les-Alpes. Bild: Getty Images Europe

Insgesamt waren rund 70 Menschen an der Unglücksstelle. Rund zwölf Ermittler waren unterwegs, um die Spuren zu sichern und die zweite Blackbox zu finden. Etwa sechs weitere suchten nach Leichenteilen. (wst/sda/dpa/afp/Reuters)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Frankreich wird grösster Einzelaktionär bei Air France-KLM

Der französische Staat wird mit einer Finanzspritze von bis zu vier Milliarden Euro zum grössten Einzelaktionär der von der Coronakrise gebeutelten Fluggesellschaft Air France-KLM.

Nach einer Einigung mit der EU-Kommission über die öffentlichen Beihilfen solle der Anteil Frankreichs auf knapp 30 Prozent ansteigen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire am Dienstag dem Radio-Sender France Inter. Der Staat stelle sich damit hinter das Unternehmen und die zahlreichen Arbeitsplätze in Frankreich. Mit …

Artikel lesen
Link zum Artikel