Luftfahrt
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Raucher im Flugzeug: Wie aus dem Geniesser ein «Unruly Passenger» wurde

«Dies ist ein Nichtraucher-Flug»: Seit fast 20 Jahren darf in Flugzeugen der Swiss, beziehungsweise der Swissair, nicht mehr geraucht werden. Auf den Hinweis verzichten will die Airline auch künftig nicht, obwohl die verrauchten Kabinen schon fast vergessen sind.



Aus heutiger Sicht undenkbar: Schon kurz nach dem Start stecken sich die ersten Passagiere eine Zigarette an. Den Stummel können sie direkt am Platz entsorgen, im Aschenbecher, der in die Armlehne eingebaut ist. Die Passagiere der ersten Klasse erhalten währenddessen Zigarren angeboten.

Olga Shkromeda, of Los Angeles, lights up in the cabin of Freedom Air's first smoker's only flight after landing on Sept. 28, 1993 in Los Angeles. The flight, which originated in Chicago, was the first of a series of test flights to determine whether the program will attract paying customers. (AP Photo/Nick Ut)

Olga Shkromeda zündet sich 1993 im Flugzeug von Chicago nach Los Angeles eine Zigarette an: Der Flug war nur für Raucher gestattet und Teil einer Testreihe die zeigen sollte, ob die Nachfrage nach dem Angebot besteht. Bild: AP NY

Wer die Beine ausstrecken will, geht in die Raucher-Lounge mit ihren gemütlichen Sesseln. Für die Piloten gibt es zwar keine Rauch-Pause, auf Nikotin verzichten müssen aber auch sie nicht. Sie dürfen sich direkt im Cockpit eine Zigarette anstecken.  

An solche Szenen erinnern heute nur noch Museumsstücke. Die Swissair Coronado CV-990 mit der Raucher-Lounge steht im Verkehrshaus Luzern, und Sitze mit Aschenbecher sind ebenso unvorstellbar wie Piloten, die während des Fliegens eine Zigarette im Mund haben.

Für frischere Luft über den Wolken sorgten vor genau 25 Jahren die USA. Sie verhängten für ihre Fluggesellschaften als erste ein Rauchverbot, aus Sicherheitsgründen und weil die Nichtraucher zunehmend wagten, sich über den Qualm in der Kabine zu beschweren. Das Gesetz war im Parlament umstritten, dennoch setzte es sich durch und trat am 25. Februar 1990 in Kraft. Zunächst betroffen waren die Inlandflüge – doch der Siegeszug der Rauchgegner nahm seinen Lauf.

Rauchen ist nicht überall verpönt

Nach und nach folgten andere Fluggesellschaften. Die Lufthansa machte im Oktober 1995 alle innerdeutschen Verbindungen rauchfrei. Ein halbes Jahr später wurden auch die Verbindungen nach Nordamerika zu Nichtraucherflügen, ehe am 29. März 1998 dem Qualmen an Bord ganz der Stecker gezogen wurde. Umfragen hätten ergeben, dass 90 Prozent der Passagiere die Nichtraucher-Flüge begrüssten, teilte die Lufthansa mit.

Die Swissair entschied sechs Jahre nach den USA, also im Jahr 1996, den Passagieren und Piloten das Rauchen zu verbieten. Zunächst wurde der blaue Dunst aus den Europaflügen verbannt, ein Jahr später wurde das Verbot auf Nordatlantik-Strecken ausgedehnt, am 1. Juni 1998 war dann ganz Schluss mit Zigaretten an Bord. 

West German Chancellor, second from left, held news conference on board of German Air Force plane during the flight to Bonn at the end of his five-day visit to Poland, Nov. 25, 1977. Chancellor Schmidt is surrounded by newsmen who accompanied Schmidt on his trip. (AP Photo/Fritz Reiss)

Bundeskanzler Helmut Schmidt auf einem Flug 1977: Er raucht vermutlich heute noch an Bord. Bild: AP NY

Obwohl dies schon fast 20 Jahre her ist, werden Reisende immer noch auf das Verbot aufmerksam gemacht, über jedem Sitz, an der Toiletten-Tür und bei den Sicherheitsanweisungen.

Natürlich sei das Verbot für die meisten Passagiere mittlerweile selbstverständlich, sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. «Wir werden aber auch in Zukunft nicht auf die Hinweise verzichten.»

Un autocollant signalant l'interdiction de fumer est pose sur une vitre de l'enceinte de la salle de spectacle de l'Arena face a un Boeing 747 stationne sur le tarmac de l'Aeroport international de Geneve, ce mardi 8 aout 2006 a Geneve. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Rauchen verboten: Gilt seit 25 Jahren auch fürs fliegen.  Bild: KEYSTONE

Als Begründung gibt die Swiss die zunehmende Verbreitung des Fliegens an. Eine Reise im Flugzeug ist heute auch für Menschen erschwinglich, die sich das früher nicht leisten konnten.

Dazu kommt, dass Rauchen keineswegs überall auf der Welt gesellschaftlich verpönt ist. Vor allem für «Erstflieger» aus solchen Ländern seien die Hinweise wichtig.

Unverbesserliche gibt es immer

Die Fluggesellschaften hoffen aber auch, dass sich Unverbesserliche durch die wiederholten Hinweise eher abschrecken lassen. Das funktioniert allerdings nicht immer. Vor allem auf Langstreckenflügen gebe es heute vereinzelt noch Passagiere, die auf den Toiletten unerlaubterweise rauchten, sagt Müller.

Sie riskieren, dass der Brandalarm ausgelöst wird. Schwerwiegende Vorfälle, bei denen eine Maschine deswegen hätte umkehren müssen, gab es bei der Swiss in den vergangenen Jahren aber keine.

Während das Rauchen früher zum entspannten Fliegen dazugehörte, gilt es heute als Verstoss gegen die Beförderungsbestimmungen. Wer sich eine Zigarette anzündet, ist offiziell ein «Unruly Passenger», also jemand, der sich unangemessen verhält und sich und andere gefährdet. Er wird schriftlich verwarnt und muss eine Busse zahlen. (meg/sda)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • arpa 16.08.2015 11:40
    Highlight Highlight Das Zigaretten korrekt entsorgen werden sollte für alle selbstverständlich sein.

    littering muss gebüsst werden, das rauchen an sich muss an der frischen Luft erlaubt sein..
    0 1 Melden
  • Der Tom 15.08.2015 23:09
    Highlight Highlight Schnupft oder schluckt doch das Zeugs! Aber hört auf alles mit eure Qualm zu verpesten. Am See und auf Spielplätzen bitte auch ein Rauchverbot.
    User Image
    15 32 Melden
    • Topoisomerase 15.08.2015 23:59
      Highlight Highlight Biologisch Abbaubare Stummel wären auch eine Lösung. Oder in den Aschenbecher damit.
      11 1 Melden

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