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bild: patrick britschgi

In alter Frische – oder in frischem Alter

Samara Joy (Gesang) aus New York, Ben Paterson (Klavier) aus Philadelphia, Malte Arndal (Schlagzeug) aus dem ländlichem Dänemark und Mathias
Allamane (Bass) aus Südfrankreich zeigten am letzten Sonntagabend bei «Musig im Pflegidach» in Muri, in einer perfekt eingespielten Formation, wie universell und zeitlos Jazz war und bis heute ist.
05.05.2022, 06:20
christoph gebharth

Jazz in seiner Originalform

«Diese Sängerin hier wird einmal ganz gross werden.» Mit diesen Worten begrüsste Stephan Diethelm am letzten Sonntagabend das Publikum und die 22-jährige Samara Joy. Da es sich in den letzten 20 Jahren schon öfter herausstellte, dass Künstler*innen, die bei «Musig im Pflegidach» auftraten, später grössere Erfolge feiern durften, muss man Diethelms Vorhersage ernst nehmen.

Hinweis
Der Autor ist Schüler an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Es stimmt alles: die Musik, die Performance, die Menschen auf der Bühne und im Saal. Es ist der klassische Jazzsound zu hören, allerdings gerade nicht auf einer alten, verkratzten Platte, sondern er ist echt zu spüren, sehr nah, nicht in New York, sondern in Muri, nicht auf einer fixen Aufnahme, sondern live. So ist Jazz am besten.

Menschen musizieren – nicht Computer

Jazz bedeutet für Samara Joy auch eine besondere Art von Kommunikation. Dabei geht es um die Interaktion unter den Musikern, aber auch mit dem Publikum. «Es geht mir darum, den Abend für jeden zu einer einzigartigen Erfahrung zu machen.» Dabei ist es essenziell, dass die Tunes sitzen und die Musiker sich gegenseitig fühlen.

Samara Joy – «Blues» @ «Musig im Pflegidach» Muri

Auf der Bühne fokussiert sie sich deshalb nur noch auf die Musik selbst und darauf, sie mit den Menschen zu teilen. Die Freude in den Gesichtern, die Freude, die jeder im Raum verspürt, ist es, wofür sie auf der Bühne steht. Auch aus dem Publikum hörte man einige Stimmen, die genau bemerkten, wie viel Spass die Musiker*innen miteinander haben. Für Samara Joy liegt ein grosser Reiz darin, dass alles roh, ohne Effekte, nicht produziert und nur von einer Quartettformation ausgeht. «So wachse ich an jedem Konzert, da es immer ein kleines bisschen anders ist. Man tauscht Ideen aus und teilt Erfahrungen.»

Ein unsterbliches Erbe

Dass diese Frische und Unberührtheit für die durchschnittlichen Ohren von heute eher ungewohnt sein kann, ist Samara Joy bewusst. «Als diese Musik neu war, war sie populärer, weshalb die Säle gefüllter waren als heutzutage.» Auch sie selbst hat Jazz erst vor fünf Jahren, am College, kennengelernt. Damals entdeckte sie die Sängerin Sarah Vaughan für sich, da sie eine tiefe Verbindung zu ihrer Stimme verspürte. «Wie sie ihre Songs singt, inspirierte mich, es auch selbst lernen zu wollen.»

Joy wollte diese Art, Emotionen zu vermitteln, imitieren, dann aber ihre eigene Note mit einfliessen lassen, um ihre eigene Stimme zu finden und somit ihrer Leidenschaft Raum zu geben. Sie hörte viele Aufnahmen aus der alten Zeit, die für sie noch immer sehr frisch sind und viel Einfluss auf sie haben. Diese universelle und zeitlose Musik weiterzugeben, so wie sie es damals von Barry Harris persönlich erfuhr, ist der Grund, warum sie Musik macht und die Herzen der Zuhörer erreicht.

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Samara Joy @ «Musig im Pflegidach» Muri

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Samara Joy @ «Musig im Pflegidach» Muri
quelle: patrick britschgi
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Wie das Leben durch Musik zu einem selbstfahrenden Schiff wird
Trotz einer langen und ermüdenden Reise (mit über zwölf Stunden Verspätungen schon zu Beginn der Tour) sang Sara Gazarek mit Julian Shore am Klavier, Matt Aronoff am Bass und Jonathatn Pinson am Schlagzeug ein wundervolles Konzert am letzten Sonntag im «Musig im Pflegidach» in Muri.

Obwohl Sara Gazarek auf den langen Flug- und Zugstunden kaum Lieder schreibt oder arrangiert, wird die Zeit auf Tour doch sehr effizient genutzt. So übt sie neue Tunes mit der Band direkt bei den Soundchecks, um sie nach ein paar Tagen in die Setlist aufzunehmen. Zum Teil singt und spielt die Formation fünf Tage hintereinander am Stück, was von den Musikern verlangt zu funktionieren, wobei nicht viel Raum für Kreativität übrig bleibt.

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