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Electroboy

illustration: florian burkhardt/ electroboy

Gott als Vergewaltiger des Geistes. Und sterben müssen wir eh

Bevor Electroboy zur Welt kam, starb sein Bruder in einem schlimmen Autounfall. Religion wurde zur Zuflucht einer unglücklichen Familie. Gedanken von einem, der sich auskennt.



Mein grösster Traum war und bleibt: eine Welt ohne Religion. Ich wurde als Kind und Jugendlicher terrorisiert mit Unlogik, Heuchlertum und wahnhaften Zwängen durch religiöse Menschen, zuhause, im Unterricht, in der Freizeit. Ich stelle mir eine Welt vor ohne einen altmodischen Wissenslücken-Füller namens «Gott», einem grauenhaften Relikt aus uralten, unreflektierten und unaufgeklärten Zeiten. Einem Vergewaltiger des Geistes. Mich stört an der Idee der Religion, dass man dadurch aufhört, eigenständig zu denken. Mich stört die Idee eines Gottes, weil man dadurch einen passiven Lebensstil rechtfertigen kann. 

Nehmen wir stellvertretend für alle Versuche eines Gottesbeweises den berühmten von Aristoteles: Er sagt, dass sich nichts ohne einen Beweger bewegt. Es braucht immer eine Ursache. Die Ursache für den Ursprung der Welt könnten wir Gott nennen. Doch was ist die Ursache von Gott? Wer hat Gott geschaffen? Und wer hat das erschaffen, was Gott erschaffen hat? 

«Auf dem Grab meines Bruders steht: ‹Geboren um zu sterben, gestorben um zu leben.›»

Die Frage nach dem «wie» und «warum» ist nicht geklärt, sondern nur nach hinten verschoben. Entsprechend erklärt diese Beweisführung keinen Gott, wie wir ihn definieren, weshalb sie meiner Meinung nach als gescheitert betrachtet werden muss. Es braucht zu viel blindes Vertrauen, um an etwas zu glauben, was Sinn verspricht, aber selbst keinen Sinn macht. Wie kann man als aufgeklärter Mensch an Gott glauben? Ein aufgeklärter Mensch möchte durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernde Strukturen überwinden und sucht die Wahrheit: Die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, der Tatsache, dem Sachverhalt. 

Woody Allen lässt in einem seiner Filme einen Sohn die Familie fragen: «Zieht ihr Gott der Wahrheit vor?» Aber wieso ziehen religiöse Menschen Gott der Wahrheit vor?

Die Gehirnforschung ist sich sicher: Das Gehirn erzeugt als Nebenprodukt einen Geist, den wir auch Seele nennen. Und der fragt sich unglaublich ehrgeizig, was das alles soll. «Was bringt uns das eigene Leben?» Und als egozentrische Antwort darauf der verzweifelte Schrei nach Unsterblichkeit, obwohl wir wissen, dass unser Leben garantiert tödlich endet.

Dieser Wunsch nach unendlichem Leben und die Angst vor der kommenden Nichtexistenz führt zum Interesse an der Religion, da sie einem ein Weiterleben nach dem Tod verspricht. Wie es auf dem Grab meines Bruders geschrieben steht: «Geboren um zu sterben, gestorben um zu leben.» Eine Behauptung, die es den Hinterbliebenen leichter machen soll. So zu tun, als wäre er gar nicht wirklich tot. 

«Wenn man einsieht, dass der Tod unvermeidlich ist, hört man auf, nach Unsterblichkeit zu verlangen.»

Meine Psychiaterin geht soweit, dass sie Leute, die an eine Religion und damit an ein Leben nach dem Tod glauben, im Scherz als Menschen mit wahnhafter Störung bezeichnet. Wie ist das Leben, wenn man an kein Weiterleben nach dem Tod glaubt? Schaffen wir es, trotz des unausweichlichen Todes, Kraft aus dem Jetzt zu ziehen und auch der Endlichkeit etwas Positives abgewinnen zu können? 

Epikur sagte, dass der Tod uns nichts anginge, und es überflüssig sei, die Zeit in Angst vor ihm zu verbringen. Weiter sagte er: Wenn man einsieht, dass der Tod unvermeidlich ist, hört man auf, nach Unsterblichkeit zu verlangen. Er spricht von einer «Philosophie des Augenblicks». Der Sinn des Lebens erscheint mir deshalb einfach und unspektakulär: Er besteht darin, im Hier und Jetzt anwesend zu sein durch Sinneswahrnehmungen und -erfahrungen, begleitet von Gedankenwanderungen. Das ist alles. Und das ist viel.  

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    Alle Leser-Kommentare
  • SVRN5774 19.04.2015 21:07
    Highlight Highlight Dieses "Religiöse Menschen sind sowas von zurück geblieben. Ich bin ja soooooo klug, weil ich an die Wissenschaft glaube" Getue geht mir sowas von auf dem Sack! -.-
    Ihr seid genauso schlimm wie Religiöse, die missionieren.
    Es liegt nicht an der Religion. Es liegt an der Menschheit.
  • Monachus 19.04.2015 12:49
    Highlight Highlight Ach Gottchen, jeder erleidet tragische Verluste im Leben, deswegen sich aber mit ein paar existentialistischen Gedanken auf Niveau Musenalp-Express zu begnügen langt echt nicht um das Thema abzuhandeln. Aristotelische Metaphysik, Ontologie etc. brächte einen etwas weiter als dieser Vulgär-Naturalismus. Die Ironie, dass ein Atheist in psychiatrischer Behandlung den Glauben pathologisiert, ist wohl auch eher unfreiwillig...
  • GammaPsh 19.04.2015 11:03
    Highlight Highlight Glaubst du noch oder denkst du schon?
    Mit Glauben habe ich wenig Probleme solange sich die Gläubigen nicht zusammenraufen und eine Religion ausrufen. Genau an diesem Punkt beginnen sie andern ihren Glauben aufzudrücken und Gesellschaft mitzugestallten.
    Werden zum Arbeitgeber und stellen nur Männer ein denen sie ihr Sexualleben vorschreiben.
    Wollen eine moralische Leitpositionen ohne sich "weltlicher" Gerichtbarkeit zu stellen.
    Machen die dümmsten und brutalsten Entscheidungen und ziehen ihre ganze Daseinsberechtigung aus dem Gegenteil von Wissen.
    Genau da muss unsere Toleranz enden.
  • Benja 18.04.2015 23:27
    Highlight Highlight Haha, schon seit Stunden auf dem Netz und erst ein Kommentar. Fehlte wohl eine These zum Islam oder Katholizismus - sonst fühlt sich ja niemand direkt angesprochen. Die Wahrheit hinter aller Religion kommt eben auch ohne Diskussion aus.
  • Schrödingers Katze 18.04.2015 21:58
    Highlight Highlight Hallo Electroboy
    Deine letzten Artikel gefielen mir sehr, da du dort eine Szene, in der du dich selbst befindest, kritisch reflektierst.
    In diesem Artikel fehlt diese Insidersicht leider. Du kritisierst eine Lebensweise in der du nicht selbst lebst. Dadurch fehlt dem Artikel aus meiner Sicht die Frische deiner anderen Artikel. Du nennst hauptsächlich Standardargumente, weshalb an Gott glauben keinen Sinn ergibt. Alles schon gehört. Ein praktizierender Christ, der sich kritisch mit seinem Glauben oder dieser Szene auseinander setzt, wär mal was. So von aussen fehlt irgendwie die Tiefe.
    • Schrödingers Katze 19.04.2015 19:14
      Highlight Highlight Aber er lebt es nicht. Das ist wie wenn ich mich kritisch mit der veganen Szene auseinandergesetzt hätte, selbst aber nicht vegan lebe. Es ist nicht die eigene Lebensweise. Es ist kein Teil seiner eigenen Identität. Daher für mich nicht autentisch. Dinge zu kritisieren, die nicht teil der eigenen Identität sind, ist leicht. Sich jedoch kritisch mit Dingen auseinandersetzen, die einen selbst definieren, das ist das, was ich an den ersten beiden Artikeln spannend fand.
  • Tilia 18.04.2015 21:30
    Highlight Highlight du sprichst mir aus der Seele. ich liebe diesen Text!
  • Arbana 18.04.2015 20:29
    Highlight Highlight Lasst es doch einfach. Es gibt keinen Beweis, das es Gott gibt. Aber auch keinen, dass es Gott nicht gibt. Lasst doch Menschen glauben oder nicht. Und qualifiziert Glaubende nicht einfach als krankhaft ab. Aber eben, Toleranz gilt meist nur einseitig.
    • phreko 18.04.2015 21:48
      Highlight Highlight Versuch es mal mit Wahrscheinlichkeit. Das Ergebnis ist erdrückend!
    • Oban 18.04.2015 22:14
      Highlight Highlight Nichtexistenz lässt sich auch äusserst schwer beweisen. Bei der Existenz wäre das was anderes, aber da wartet die Menschheit seit Jahrtausenden auf einen, wirklich nur einen richtigen Beweis.
      Und das mit den anderen Leben lassen ist auch so eine Sache, Gläubige denken immer das wer nicht glaubt, diesem was fehlt und man diesem unbedingt seinen eigenen Glauben näher bringen muss auch wenn dies absolut nicht erwünscht ist.
    • malaika 19.04.2015 00:27
      Highlight Highlight Ich denke nicht dass er das damit sagen wollte, oder das er jemanden verurteilen wollte...dieser Text enthält viele persönliche Aspekte, viel Erlebtes und auch sein eigener Wunsch...auch wenn ich es schön finde, dass du dich für die, die glauben und auch für die, die nicht glauben, einsetzt...aber eben, Toleranz gilt meist nur einseitig.
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