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SOHN im Interview

«Herr Taylor, glauben Sie, dass Künstler heutzutage mehr Wert auf Image als auf Musik legen?» 

Christopher Taylor ist von Beruf SOHN: Der Engländer, der seit vier Jahren in Wien lebt, besucht Zürich am 21. April für ein Konzert, bevor er den Sprung über den grossen Teich wagt und gut einen Monat durch die USA tourt. Wir sprachen mit dem Elektro-Künstler über seine musikalische und seine «echte» Heimat.

Herr Taylor, glauben Sie, dass Künstler heutzutage mehr Wert auf ihr Image als auf ihre Musik legen? 
Ich denke, das hängt vom Künstler ab. Vielleicht trifft das beim erfolgreicheren Mainstream zu, der sich manchmal so gibt. Es hängt davon ab, was dahinter steckt. 

Ich frage, weil es gar nicht so einfach war, vorab etwas über Sie herauszufinden. Ist das Absicht? 
Für mich ist das ganz einfach. Es gibt SOHN. Was gibt es da sonst noch? Zumindest mir geht es so. Wenn ich an Künstler denke, die mir gefallen oder gefallen haben, finde ich es wichtig zu trennen.

Können Sie das veranschaulichen? 
Wenn ich an Prince oder selbst David Byrne denke, interessiert es mich nicht, wie sie als Kind waren. David Byrne ist der David Byrne, den ich auf der Bühne oder in Interviews sehe, und das ist tatsächlich alles, was ich wissen will. Daher kommt meine Einstellung. 

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Christopher Taylor, der Kopf von SOHN. Bild: Andreas Waldschütz

Als SOHN gerade gegründet wurde, haben Sie den Wiener Kultsender FM4 gebeten, sie nicht zu spielen. Warum? 
Ja, das mag sich etwas verrückt anhören. Ich kannte damals einige Leute, die bei FM4 gearbeitet haben und sie sagten, sie würden mich in die Playlist aufnehmen. Und ich sagte: «Ich würde es echt begrüssen, wenn Ihr das jetzt nicht macht.» Das Projekt war gerade erst gestartet und ich wollte nicht in nur einem Land und zu so einem frühen Zeitpunkt bekannt werden, ehe ich nicht selbst erstmal ein wenig hineingewachsen bin. 

Welchen Song wollten der Sender spielen? 
Ich glaube, es war «The Wheel», im September 2012. Mir ist klar, dass FM4 in Österreich nationalen Künstlern hilft, bekannt zu werden, aber für mich wars zu früh.

SOHN: «The Wheel». Video: YouTube/Noissey



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Hätte Sie geglaubt, dass Sie so lange bleiben werden?
Ich wusste damals nicht, wo ich sonst hätte hingehen wollen. Mir war nur klar, dass ich nicht mehr in London sein wollte. Nun ist eine lange Zeit vergangen. Mehr Zeit, als ich wohl gedacht hätte. Aber jetzt ist es meine Heimat.

Sie können das schon so sicher sagen? 
Es ist der einzige Ort, bei dem ich dieses Gefühl am Flughafen habe: endlich Zuhause. 

Sie benutzen für ihren Sound auch analoge Sound- und Drum-Maschines – ein «Old-School-Ansatz» für elektronische Musik? 
Bei mir definitiv. Meine ganze Musik ist auf diesen analogen Instrumenten aufgebaut. Nicht ausschliesslich, aber sie ist die Basis für das, was ich tue. Ich habe lange Musikstücke programmiert und bin so zum Produzieren gekommen. Aber erst die Entdeckung, mit diesem Vintage-Zeug Musik machen zu können, hat meine Musik ermöglicht. Es ist handgemachte Musik mit Fehlern, man muss die Instrumente spielen. Das war der Unterschied zum Programmieren.  

Ihre CD «Tremors» ist gerade erschienen. Wie sind die ersten Reaktionen? 
Unglaublich, für mich völlig überraschend. Ich habe noch gar nicht begriffen, dass Leute es gerne kaufen und hören wollen. Die Reaktionen waren weltweit grossartig und ich weiss gar nicht, wie ich damit umgehen soll, dass wir in die iTunes-Charts in Ländern gelangt sind, von denen ich nicht geglaubt hätte, dass man uns dort hört.  

SOHN: «Artifice» (4AD Seswsions – 4AD ist sein Londoner Label). Video: YouTube/SOHN

Den ganzen Mai touren Sie durch die USA. Ein wichtiger Markt? 
Ja, sehr. Es läuft da drüben ganz gut, ich liebe es da drüben und es ist eine grosse Sache für mich. Es ist verrückt, aber ich habe da jetzt offenbar ein Publikum. 

Hängt das auch mit dem Remix zusammen, den Sie für Lana del Rey gemacht haben?
Das ist ja eigentlich schon lange her, es war am Anfang des Projekts. Aber die Remixe haben in den USA mehr im Sinne von Bekanntheit gemacht als anderswo. Einige wird das Album vielleicht überraschen, weil sie gedacht haben, dass ich nur Remixe mache. 

Welcher Song bedeutet Ihnen am meisten und warum? 
Ich denke «The Wheel». Mit dem Stück habe ich mir unbewusst gesagt, ich müsse loslassen. Atmen, mich mit dem entspannen, wer ich bin. Das hat den ganzen Prozess SOHN ausgelöst. 

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Elektro im Blick: Christopher Taylor. Bild: Andreas Waldschütz

SOHN: «Lights» (4AD Session). Video: YouTube/SOHN

Haben Sie schon oft in Zürich gespielt? 
Letztes Jahr beim Zürich Open Air, es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich war zwei, drei Mal in der Stadt mit ihrem wunderschönen See. 

Was kann ihr Publikum am 21. April im Zürcher Papiersaal erwarten? 
Sie können einen Abend für die Sinne erwarten, in der sie ihre Augen schliessen und sich treiben lassen können. Wir haben aber auch eine erstaunliche Lightshow, sie müssen die Augen also dann und wann auch mal aufmachen.

SOHN: «Tempest» (Unplugged at Casino Baumgarten, Wien). Video: YouTube/SOHN

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