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Clooneys Kaffee-Kränzchen mit der Kanzlerin



Berlinale-Nächte sind lang, aber bei George Clooney und seiner Frau Amal schellte der Wecker am Freitag schon früh. In einer schwarzen Limousine fuhren die beiden kurz nach 9 Uhr vor dem Bundeskanzleramt in Berlin vor – zum Treffen mit der wohl mächtigsten Frau der Welt.

George trug zu dem am Vortag angekündigten Besuch einen dunklen Anzug und Krawatte, seine Frau – die Menschenrechtsanwältin Amal – erschien in Schwarz und Beige. Das Treffen mit Merkel lief hinter verschlossenen Türen ab, das Kanzleramt gab später ein Bild heraus: Merkel sitzt auf einem hellen Sofa und schaut Clooney an. Clooney gestikuliert und schaut Merkel an. Amal legt die Hände um ihre Knie und blickt Clooney an.

epa05155846 A handout picture made available on 12 February 2016 by the German federal government's press office (BPA) shows German Chancellor Angela Merkel (L) receiving British human rights barrister Amal Clooney (C) and US actor George Clooney (R) for a talk on refugee policy and the engagement of the International Rescue Committee, at the German Federal Chancellery in Berlin, Germany, 12 February 2016.  

(ATTENTION EDITORS: FOR EDITORIAL USE ONLY IN CONNECTION WITH CURRENT REPORTING / MANDATORY CREDIT: GUIDO BERGMANN/BUNDESREGIERUNG)  EPA/GUIDO BERGMANN/BPA / HANDOUT (ATTENTION EDITORS: FOR EDITORIAL USE ONLY IN CONNECTION WITH CURRENT REPORTING / MANDATORY CREDIT: GUIDO BERGMANN/BUNDESREGIERUNG) HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Clooney und Gattin am 12. Februar im Berliner Kanzleramt.
Bild: EPA/DPA/GERMAN GOVERNMENT PRESS OFFI

Aber worüber redeten sie? Sie hätten über die Flüchtlingspolitik gesprochen, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert später. Bei dem Gespräch war auch der ehemalige britische Aussenminister David Miliband dabei, heute Präsident der amerikanischen Hilfsorganisation International Rescue Committee. Merkel sprach später von «einem sehr guten Gespräch», sie hätten über das Engagement der drei Gäste in einer Nichtregierungsorganisation geredet.

Das Gerücht von der Begegnung mit Flüchtlingen

Der Schauspieler stieg etwa eine Stunde später wieder in seinen Wagen. Die Berlinale wäre nicht die Berlinale, wenn nicht auch noch einige Gerüchte im Umlauf wären. Es wird gemunkelt, Clooney treffe Flüchtlinge. Das hatte der Star in der Pressekonferenz angedeutet, als er seinen neuen Film «Hail, Caesar!» vorstellte.

Kurz nach dem Besuch bei Merkel sammelten sich deshalb im Westen der Stadt erneut Reporter. Sie warteten vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf, rund 1100 Flüchtlinge leben dort in einer Notunterkunft. Die meisten kommen aus Syrien und Afghanistan, wie ein Sprecher sagt. An der Strasse stehen Duschcontainer, einige Bewohner strecken bei dem ganzen Trubel die Köpfe aus dem Gebäude. Kommt Clooney wirklich?

Cast member George Clooney and his wife Amal arrive on the red carpet for the screening of the movie 'Hail, Caesar!', during the opening gala of the 66th Berlinale International Film Festival, in Berlin, Germany February 11, 2016.       REUTERS/Stefanie Loos

Clooney am 11. Februar auf dem Roten Teppich an der Berlinale.
Bild: STEFANIE LOOS/REUTERS

US actor George Clooney, left, and his wife Amal Clooney arrive at the red carpet for

Bild: Axel Schmidt/AP/KEYSTONE

Ein Besuch sei nicht ausgeschlossen, meinen manche, schliesslich sei auch Ben Stiller dort gewesen. Der Komiker traf vor eineinhalb Wochen zwei Flüchtlingsfamilien, wie Leiter Thomas de Vachroi erzählt. Er sei sehr seriös gewesen, habe viele Fragen gestellt und den Milchreis probiert, den die Bewohner gekocht hätten. «Das war toll.»

Vergeblich gewartet

Jetzt steht de Vachroi in Lederjacke vor dem Haus und versucht, die Reporter zu koordinieren. Irgendwann fährt die Polizei vor. Wartet. Tauscht die Kollegen aus. Jeder schwarze Luxuswagen, der um die Ecke biegt, wird beäugt. Bis zum Nachmittag taucht Clooney aber nicht auf.

Der Branchendienst «Meedia» meint später, sein Besuch im Kanzleramt sei nach allen Regeln der Social-Media-Kunst in Szene gesetzt worden. «Fast so, als würde der US-Schauspieler im Oval-Office vorbei schauen.»

Clooney war auch nicht der erste Prominente, den Merkel traf. Zur Erinnerung: Bei Dreharbeiten für einen Agenten-Thriller in Deutschland liess sie sich zum Beispiel mit Regisseur Steven Spielberg und Hauptdarsteller Tom Hanks fotografieren. 

Clooneys Besuch könnte Merkel auch jetzt wohl ganz recht gekommen sein, schliesslich hatte der Schauspieler vorher bereits ihre Flüchtlingspolitik gelobt. «Ich bin absolut einverstanden damit», hatte er am Donnerstagabend auf dem roten Teppich der 66. Berlinale gesagt.

(sda/dpa)

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