Lieber eigene Drohnen als fremde Raketen
Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung zweifelt an der Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee. Dennoch findet eine Aufstockung der Armeeausgaben mit einem fixen Ausgabenziel nach dem Vorbild der NATO-Staaten wenig Rückhalt. Dies zeigt das 6. Chancenbarometer. Auch wenn Aufrüstung um jeden Preis nicht das Ziel ist, macht die Umfrage eines deutlich: Die Bevölkerung will kein «Weiter so wie bisher». Angesichts neuer kriegerischen Auseinandersetzungen sind fast drei Viertel der Ansicht, die Schweiz brauche eine stärkere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Nachbarländer. Mehr als die Hälfte will mehr Kooperation mit der NATO und ebenso mit der EU. Offensichtlich wird die Europäische Union nicht nur als Partnerin für Handels- und Wirtschaftsfragen wahrgenommen.
Bemerkenswert ist die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur Rüstungsindustrie. 58 Prozent sind der Ansicht, dass die Schweiz politische Hindernisse reduzieren soll, um die eigene Rüstungsindustrie zu stärken. Die Mehrheit scheint ein Bewusstsein dafür zu haben, dass in einer Ära neuer Machtpolitik ein Land wie die Schweiz über eigene Kapazitäten im Rüstungsbereich verfügen muss. Restriktive Bedingungen bei Verkauf von Rüstungsgütern sind heute ein Hindernis für diesen Industriezweig. Entsprechend wünscht sich die Mehrheit mehr Spielraum im Umgang mit der Neutralität.
Noch grösser ist der Rückhalt für Investitionen in Rüstungs- und Sicherheitstechnologien, die auch zivil nutzbar sind. 80 Prozent wollen, dass die Schweiz mehr in Dual-Use-Güter investiert.
Neutralität mit Spielraum: 56% möchten eine stärkere sicherheitspolitische Kooperation mit der EU und 53% mit der NATO. 72% wollen mehr Kooperation mit den Nachbarländern.
Investitionen in die Sicherheit: 80% möchten, dass die Schweiz in Sicherheits- und Rüstungstechnologie investiert, die auch zivil nutzbar ist.
Freihandel als Chance: 76% befürworten neue Freihandelsabkommen – mit Mindeststandards beim Schutz von Menschenrechten und Umwelt.
Der russische Angriff auf die Ukraine und der bislang erstaunlich erfolgreiche Abwehrkampf der Ukrainer gegen die einstmals zweitstärkste Armee der Welt, hat die Sicht auf Rüstungsfragen verändert. Drohnen, KI, Satellitennetzwerke und Landroboter spielen heute eine zentrale Rolle für die Verteidigungsfähigkeit, während konventionelle Panzer und Kampfjets an Bedeutung verlieren. Der Krieg in der Ukraine, der schon mehr als vier Jahre dauert, bringt grosses Leid über die betroffene Bevölkerung. Zugleich ist er ein Innovationsmotor. Eher kostengünstige Verteidigungsmittel spielen heute eine zentral Rolle. Diese erfordern ein hohes Mass an Innovationskraft und Erfindergeist. Mit ihren hervorragenden Technischen Hochschulen, ihren innovativen KMUs bringt die Schweiz beste Voraussetzungen mit, um bei diesen Technologien neue Massstäbe zu setzen. Von links bis rechts will die Schweizer Bevölkerung diese Potenziale sowohl für den zivilen als auch den militärischen Bereich fördern und nutzen.
