Südafrika
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bladerunner vor Gericht

«Die Wohltätigkeit von Pistorius ist nichts Besonderes»



Verteidigung und Staatsanwaltschaft ringen weiter um das Strafmass für den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius. Der 27-Jährige war am 12. September der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Pistorius nun egoistische Motive für seine umfangreiche Wohltätigkeit vor.

Die Unterstützung gemeinnütziger Zwecke habe vor allem seiner Vermarktung als Profisportler gedient, sagte Chefankläger Gerrie Nel am Dienstag in Pretoria im Kreuzverhör mit Pistorius' Manager Peet Van Zyl. 

Der Südafrikaner hatte in der Valentinsnacht des vergangenen Jahres in seinem Haus vier Schüsse durch eine geschlossene Toilettentür gefeuert, hinter der sich seine Freundin befand. Er gab an, die Person hinter der Tür für einen Einbrecher gehalten zu haben. Am Montag war vor dem Obersten Gericht des Distrikts North Gauteng die mehrtägige Anhörung eröffnet worden, bei der es um das Strafmass geht.

Die Verteidigung bemüht sich, mildernde Umstände geltend zu machen und Pistorius das Gefängnis zu ersparen. Die Staatsanwaltschaft unterbreitet hingegen Argumente für eine hohe Haftstrafe. Pistorius drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Der 27-Jährige könnte aber auch mit einer Bewährungsstrafe davonkommen oder gar mit Hausarrest.

Als Zeuge der Verteidigung hatte Van Zyl zuvor umfangreich dargelegt, mit wie viel Geld und persönlichem Einsatz sich der weltbekannte Behindertensportler für hilfsbedürftige Menschen eingesetzt habe. Im Kreuzverhör räumte der Manager auf Fragen des Staatsanwalts ein, dass auch andere südafrikanische Sportler sich für das Gemeinwohl engagieren. «Die Wohltätigkeit von Pistorius ist also nichts besonderes», erklärte der Staatsanwalt.

Psychotherapeutin: Ein gebrochener Mann

Die Verteidigung hatte Pistorius am Montag mit Hilfe von Aussagen seiner Psychotherapeutin als einen gebrochen Mann dargestellt, der das Trauma der versehentlichen Tötung seiner Freundin nicht zu überwinden vermag. Die Anklage wird im Laufe der Anhörung auch eigene Zeugen präsentieren, die nach Einschätzung von Strafrechtsexperten ein anderes Bild von Pistorius vermitteln werden.

Nach Anhörung beider Seiten muss Richterin Thokozile Masipa über das Strafmass befinden. Ob sie ihre Entscheidung noch in dieser Woche bekanntgibt oder sich mehr Zeit nimmt, war am Dienstag noch unklar. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«This thing is killing us»: Wie die Droge Nyaope die Jugend Südafrikas zerstört

Die Heroin-basierte Droge Nyaope hat ganze Townships in Johannesburg im Griff. Ein Bestandteil davon: Ein HIV-Medikament, das leicht erhältlich ist. Der junge südafrikanische Fotograf Lindokuhle Sobekwa dokumentiert mit seinen Bildern das Elend der Süchtigen.

Auf einer Parkbank in Johannesburg’s Kreativ-Quartier Newtown treffe ich Lindokuhle Sobekwa in der Mittagspause. Schnell macht er klar, dass er selbst nicht im Zentrum der Geschichte stehen will, und lenkt die Diskussion auf das Thema seiner Bilder: Die Droge Nyaope, die Süchtigen und die Township-Siedlung Thokoza.

Thokoza ist eine rund 10 Quadratkilometer grosse Siedlung mit offiziell 100‘000 Einwohnern. Die halbstündige Fahrt ins nordwestlich gelegene Zentrum von Johannesburg kostet …

Artikel lesen
Link zum Artikel