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Ice erschiessen Alex Pretti: Trumps schlimmstes Debakel

Donald Trumps schlimmstes Debakel. Fotomontage zeigt ein Profil von Donald Trump überblendet von Anti-ICE Protesten in Minnesota und ICE-Agenten die gegen die Proteste vorgehen
Bild: watson/getty
Analyse

Trumps schlimmstes Debakel

Die kaltblütigen Erschiessungen der ICE-Agenten wühlen die Amerikaner auf.
26.01.2026, 14:0027.01.2026, 11:22

Thomas Friedman, Kolumnist der «New York Times», vergleicht die Vorgänge, die sich derzeit in Minneapolis abspielen, mit dem, was im Gazastreifen abgeht. In Minnesota sind zwei unbescholtene amerikanische Bürger bei friedlichen Protesten von ICE-Agenten erschossen worden. Im Gazastreifen sind bei israelischen Angriffen drei Journalisten getötet worden. Derweil veranstaltet die Hamas öffentliche Show-Hinrichtungen.

«Alle diese Geschichten haben mehr gemeinsam, als du vielleicht denkst», so Friedman. «Meiner Ansicht nach sind alle von schrecklichen Anführern getrieben, die einfache, gewalttätige Lösungen der mühsamen Verhandlungsarbeit vorziehen.»

Clergy members and community activists gather at the Minneapolis-St. Paul International Airport, to protest deportation flights and urge airlines to call for an end to the Department of Homeland Secur ...
Kirchenmitglieder protestieren gegen die Gewalt der ICE-Agenten.Bild: keystone

Die «Washington Post» kommt in einem redaktionellen Kommentar ebenfalls zu einem für die Trump-Regierung vernichtenden Urteil. Sie bezeichnet die Erschiessung eines Pflegers vom vergangenen Wochenende als «moralisches und politisches Versagen, welches die amerikanischen Bürger empört und verunsichert zurücklässt».

Zum gleichen Schluss kommen selbst die konservativen Kommentatoren des «Wall Street Journal». Sie schreiben vom «bisher schlimmsten Zwischenfall, der zu einem moralischen und politischen Debakel für die Amtszeit von Trump werden könnte».

Es ist einerseits die Brutalität der Immigrations-Polizisten, welche zugleich empört und verstört, und die einen Vergleich mit Gestapo und SA auf den Plan ruft. Diese Gewalt ist einerseits das Resultat davon, dass die ICE-Männer schlecht trainiert sind – viele von ihnen haben bloss eine minimale Ausbildung hinter sich –, andererseits ist sie jedoch durchaus gewollt.

«Obwohl Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner die ICE-Taktik ablehnen, scheint Trump davon auszugehen, dass ihm das Chaos in Minneapolis im November nützen wird», stellt Friedman fest. Die Brutalität und die Ähnlichkeit zu Nazi-Schergen sind somit bewusst inszeniert.

U.S. Border Patrol Cmdr. Gregory Bovino walks out of a Target store, Sunday, Jan. 11, 2026, in St. Paul, Minn. (AP Photo/Adam Gray)
Immigration Enforcement Minnesota
Bewusst brutal: Gregory Bovino, Kommandant der Grenzkontrolle.Bild: keystone

Gregory Bovino, der Kommandant der Grenzkontrolle, hat sich in einem Mantel und einer Pose ablichten lassen, die an die Gestapo erinnern. In Orwellscher Newspeak-Manier leugnet er auch, was alle auf den zahlreichen Videos sehen können, nämlich dass Alex Pretti, der von ICE erschossene Pfleger, keine Pistole, sondern ein Handy in der Hand hielt.

Trotzdem behauptet Bovino ungerührt: «Ein Individuum hat sich dem Agenten der U.S. Border Patrol mit einer halbautomatischen 9-Millimeter-Pistole genähert. Der Agent versuchte ihn zu entwaffnen, doch dieser hat sich mit Gewalt gewehrt. Aus Angst um sein eigenes Leben und das seiner Kollegen hat der Grenzschutz-Beamte Schüsse in Notwehr abgegeben.»

Kaum waren die tödlichen Schüsse verklungen, gaben auch Heimatschutz-Ministerin Kristi Noem und Stephen Miller, stellvertretender Stabschef und Drahtzieher der ICE-Aktionen, ähnliche Statements ab. Dabei gehen sie so weit, den unbescholtenen 37-jährigen Pretti als Terrorist zu bezeichnen. In gleicher Art haben sie auch die vor Wochenfrist erschossene Renée Good verunglimpft.

Und wie reagiert der Präsident? Er verbreitet nach wie vor die Lüge, wonach die Protestierenden bezahlte Antifa-Agitatoren seien, und schiebt die Schuld anderen in die Schuhe. «Die Demokraten verwalten Zufluchtsstädte und -Bundesstaaten», postete Trump am Sonntag auf Truth Social. «Diese weigern sich, mit ICE zusammenzuarbeiten und ermutigen linke Agitatoren, unrechtmässig Aktionen zu behindern, welche dazu dienen, die Schlimmsten der Schlimmen zu verhaften.»

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Verteidigt das brutale Vorgehen: Vizepräsident J.D. Vance.Bild: keystone

Es könnte sich jedoch herausstellen, dass sich die Trump-Regierung selbst ins Knie schiesst. Auch in den Reihen der Republikaner werden kritische Stimmen laut, und zwar nicht nur bei den bekannten Trump-Kritikern wie der Senatorin Lisa Murkowski.

Auch der als Trump-Freund bekannte Abgeordnete James Comer erklärte auf Fox News: «Wäre ich Präsident Trump, würde ich mir überlegen: OK, wenn der Bürgermeister und der Gouverneur die ICE-Beamten nicht beschützen wollen, und es möglicherweise noch mehr unschuldige Opfer geben wird, dann würde ich meine Beamten abziehen und die Bürger von Minneapolis entscheiden lassen.»

Bill Cassidy, ein sehr konservativer Senator aus Louisiana, warnt derweil: «Die Glaubwürdigkeit von ICE und des Heimatschutz-Ministeriums stehen auf dem Spiel. Wir brauchen eine sorgfältige und vollständige Untersuchung des Falles, denn wir können den Amerikaner die Wahrheit zumuten.»

Die Kommentatoren des «Wall Street Journal» sprechen gar davon, das die Republikaner als Verlierer dastehen werden. «Millers Massendeportationen verwandeln Immigration, das Thema, dass Trump 2024 in Beschlag genommen hat, in einen politischen Hemmschuh für die Republikaner im Jahr 2026. Die Amerikaner wollen nicht, dass Menschen auf offener Strasse erschossen und fünfjährige Knaben verhaftet werden.»

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304 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mxpwr
26.01.2026 14:13registriert Juni 2017
das ist kein debakel für trump, das ist kalkül. im bürgerkrieg gibt es keine wahlen.
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Magnum
26.01.2026 14:09registriert Februar 2015
Es wird der Tag kommen, an dem sich Greg Bovino vor Gericht für die Missachtung von Grundrechten US-amerikanischer Bürger und für die Untaten seiner Schergen verantworten muss. Es sei denn, dass sich dieser Möchtegern-Röhm rechtzeitig nach Russland absetzen kann.

Maskierte, schlecht ausgebildete und weltanschaulich mit einer Schlagseite versehene Beamte mit weitreichenden Kompetenzen, denen noch absolute Immunität versichert wird: Das ist die Rezeptur für staatliche Willkür, die in Mord und Totschlag endet. Und es ist ein trauriges Resultat der Trump'schen MAGA-Gaga-Politik.
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Ahura
26.01.2026 14:10registriert Februar 2024
Drittes Reich, DPRK, Russland, Saudi Arabien, USA... schon erschreckend, wie viel die alle gemeinsam haben.
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