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Rat von Donald Trump: EDA lehnt Beitritt ab

epaselect epa12670371 US President Donald Trump holds a signed founding charter at the 'Board of Peace' meeting during the 56th annual meeting of the World Economic Forum (WEF), in Davos, Sw ...
Trump verkündete am WEF die Gründung des Friedensrates.Bild: keystone

EDA lehnt Beitritt zu Trump-Rat ab – aber ein Bundesrat könnte sich Teilnahme vorstellen

Das Schweizer Aussendepartement hält nicht viel Donald Trumps sogenanntem «Friedensrat». Doch ein Bundesrat könnte sich eine Beteiligung vorstellen.
25.01.2026, 09:5325.01.2026, 13:18

Stolz hat US-Präsident Donald Trump am WEF die Gründung seines «Friedensrates» verkündet. Während er sich selbst auf die Schultern klopfte, kam unverzüglich Kritik auf. Denn Trump hat sich selbst zum Vorsitzenden auf Lebenszeit ernannt. Einige der ersten Länder, die auf die Einladung des US-Präsidenten zusagten, werden ausserdem autoritär geführt. Im Boot sind schon mal Belarus, Israel, Ungarn, Argentinien, Saudi-Arabien, die Türkei oder Katar.

Andere Staaten liessen eine Entscheidung bisher offen oder lehnten die Einladung ab. So gaben etwa Frankreich und Grossbritannien bekannt, dass sie vorerst nicht beitreten würden. Die Schweiz hat sich einige Tage Bedenkzeit gegönnt.

Doch der Entscheid scheint inoffiziell klar: Im Aussendepartement herrscht offenbar grosse Einigkeit, dass man dem Friedensrat nicht beitreten will, berichtet der Sonntagsblick. Der Friedensrat widerspreche Prinzipien des Völkerrechts. Ausserdem wäre ein fakultatives Referendum notwendig und es wird befürchtet, dass das Volk am Schluss dann doch Nein sagt. Die Meinungen scheinen gemacht.

Zumindest für die meisten. Denn einer hätte sich einen Beitritt der Schweiz vorstellen können: Bundespräsident Guy Parmelin. Im Interview mit der NZZ am Sonntag sagt er:

«Wenn sich zeigt, dass es möglich ist und es dadurch Frieden gibt, warum nicht beitreten?»

Er betont gleichzeitig, dass die Abklärungen laufen und dieser Prozess Zeit brauche.

Switzerland's Federal President Guy Parmelin, left, and US President Donald Trump, right, shakes hands prior to a bilateral meeting in Congress Centre on the sideline of the 56th annual meeting o ...
Parmelin und Trump am WEF 2026 in Davos.Bild: keystone

Was seine Bundesratskollegen über den Trump-Rat denken, ist nicht bekannt. Dennoch muss Parmelin von mehreren Seiten Kritik einstecken. Beim Treffen am WEF sagte er zu Trump: «Davos ohne Sie wäre nicht wirklich Davos.» Und das, nachdem sich der US-Präsident in seiner Rede über Karin Keller-Sutter lustig gemacht hatte. Das sorgte für heftige Diskussionen. Auch Bundesrat Ignazio Cassis erklärte öffentlich: «Es ist inakzeptabel, so behandelt zu werden.»

Trump kritisiert Karin Keller-Sutter

Video: watson/Elena Maria Müller

Parmelin verwies stets auf die Diplomatie und wollte Trumps Äusserungen nicht kommentieren. Doch nun sagt auch der ehemalige Mitte-Präsident Gerhard Pfister im Interview mit dem Sonntagsblick:

«Es war eine unnötige Schmeichelei.»

Der Bundesrat müsse Amerika regelmässig daran erinnern, dass man sich nicht erpressen lasse. Er frage sich deshalb, ob man den Zolldeal mit den USA überhaupt vorantreiben sollte.

Trotzdem räumt Pfister auch ein, dass Parmelins Rolle bei Trumps Besuch am WEF keine einfache war: «Mir ist natürlich klar: Wie man so unter den Scheinwerfern der Öffentlichkeit live auf Trump reagieren muss, ist wirklich sehr, sehr schwierig.»

Ausserdem sei Parmelin auch nicht der erste Bundespräsident, der mit heftiger Kritik konfrontiert wird. Erst vor knapp einem Jahr widerfuhr Karin Keller-Sutter Ähnliches: Nach der Sicherheitskonferenz in München lobte sie die Rede von J.D. Vance als «sehr schweizerisch» und als «Plädoyer für die direkte Demokratie». (vro)

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Trumps Aussagen am WEF
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Die beliebtesten Kommentare
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Diaro56
25.01.2026 10:04registriert Januar 2021
Nun habe ich meinen letzten Respekt ihm gegenüber verloren. Ich würde keinen Rappen für dieses Geschwür ausgeben. Wir sollten eher überlegen, was an der UNO nicht funktioniert und was wir ändern müssen und sollten. Aber diese Milliarde wäre zum Fenster raus geworfenes Geld. Das nur dem DJT dazu dient sich selber zu bereichern. Es kotzt mich einfach nur an.
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Hitsch
25.01.2026 10:04registriert April 2020
Der Bundesrat kann sich ein Beitritt in den "Diktatorenclub" vorstellen.

DAS sagt schon alles..🤯..
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Dr. Rodney McKay
25.01.2026 10:09registriert September 2024
Belarus im Friedensrat…Dann fehlen jetzt nur noch Russland und die Demokratische Volksrepublik Korea…

Und in seinem eigenen Land führt er einen Krieg gegen alles was ihm nicht passt…Was für ein Witz.
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