Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Margrit Dohner mit ihrem Mann George von Aarburg sowie den Kindern Aline und Alex.

Die Muster-Familie des Mittelstands: Monika, Georg, Aline (15) und Alex (13) aus Zürich Altstetten. Bild: jiri reiner

Was bringt die Familien-Initiative?

USA-Reisen ja, Sportferien nein: So lebt die Mittelstands-Familie in der Schweiz

Ins Haushaltsbuch lassen sich Herr und Frau Schweizer ungern schauen. Georg und Monika von Aarburg aber gaben Einblick. Die Überraschung: Positiv auf den Haushalt wirkt sich aus, wenn die Nachbarschaft ungefähr gleich situiert ist.

max dohner / aargauer zeitung



Ein Artikel der

Staubtrockene Erläuterungen von Initiativen sind das eine, Gesetzestexte das andere. Dem folgen Arenen, Talk und Kontroversen. Mit dem grandiosen Resultat, dass sich der Nebel verdichtet, statt sich zu lichten.

Stichwort Familien-Initiative: Was bringt sie eigentlich? Nicht theoretisch. Sondern im Alltag, woran jede Theorie zerschellt, wo jeder «Experte» einsilbig wird. Und Alltags-Märtyrer alle alleine kämpfen. Ganz gewiss der Mittelstand. Da kommt «Vater-ist-der-Beste» am Ende des Tages gerupft nach Hause und will am Boden des Kühlschranks noch etwas finden für einen humanen Feierabend. Ist das etwa zu viel verlangt?

1000 Franken kostet ein Kind pro Monat

Ein Kind solo ist aufwendiger als ein Kind mit Geschwistern. Frauen wenden mehr Zeit auf für Familie und Haushalt als Männer. Eineltern-Haushalte und viele Kinder lassen Leute in die Bredouille driften.

Konkret zur finanziellen Belastung bei Kindern teilte das Bundesamt für Statistik letztes Jahr mit: Zwischen 690 und 1000 Franken koste ein Sprössling monatlich. Hochgerechnet bis zum 18. Altersjahr würde das rund 180'000 Franken machen.

Aber welche Eltern rechnen in solcher Weise schon hoch? Ergänzen wir trotzdem noch kurz die Statistik: Deutlich höher fallen die Kosten bei Alleinerziehenden an, nämlich 1200 Franken pro Monat bei einem Kind, unter anderem wegen generell höherer Kosten in kleineren Haushalten. Und: Kinder verursachen bei steigendem Alter immer höhere Auslagen. (mad.) 

Ermöglicht die Familien-Initiative künftig ein Extra-Bierchen, oder bleibts beim sattsam bekannten ’n Appel und ’n Ei? Neue Ohrringe für «Mutter-ist-die-Beste» wären längst angemessen. Kann sich die Familie den Floh der Tochter mit der Gitarre leisten? Und was ist dieses Jahr mit Skiferien? Entscheidend ist doch, um den deutschen Altkanzler Helmut Kohl zu zitieren: «Entscheidend ist, was hinten rauskommt.»

Keine gröberen Sorgen dank angepasster Ansprüche

Wir wollten eine Familie genau das fragen: «Was kommt hinten raus?» Nach Abzug aller Kosten fürs Familienleben. Mit Blick auf die Familien-Initiative, über die wir am 8. März abstimmen. Das Volksbegehren verlangt, dass Kinder- und Ausbildungszulagen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene künftig steuerfrei ausbezahlt werden.

Ideal dafür, dachten wir, wäre eine «Musterfamilie»: Mittelstand, langjährige Ehe, ein Sohn, eine Tochter, Schüler und Novizin in der Lehre, noch nicht ausgeflogen. Ein Kinderspiel, meinen Sie?

Die Musterfamilie: Gesucht und gefunden

Such' mal eine «Musterfamilie»! Eine Minderheit inzwischen, neben der Vielzahl von Spezialfällen, neben allen denkbaren und undenkbaren Patchwork-Formen. Hier ein «Reichtum an Möglichkeiten des Zusammenlebens» für Gesellschaftsromantiker, dort «nacktes Chaos» für Traditionalisten. Ausserdem: Welche Schweizer Familie gäbe öffentlich schon Auskunft über ihre interne Kassenführung? 

Sei ’s drum: Wir fanden eine Musterfamilie. In Zürich Altstetten. Und fühlten uns auf Anhieb gut aufgenommen. In einem Quartier mit schmalen Einfamilienhäuschen, voll kleiner Zimmer, einst gebaut von arbeitsplatztreuen Büezern, mittlerweile verkehrssaniert und ein homogenes Mittelstand-Viertel.

USA-Reisen ja, Sportferien nein

Eben das, sagt der Vater, sei ein Vorteil: «Die Ansprüche klaffen von Familie zu Familie nicht völlig auseinander. Die Kinder können nicht heimkommen und auf Gschpänli verweisen, die mit goldenem Löffel geboren waren. «Es ist wichtig», sagt er bildstark, «in einer Gegend zu leben, wo man gleich stinkt.»

Am Küchentisch, wo sie die meiste Zeit zusammensitzen, versammelt sich die Familie: Georg und Monika von Aarburg (beide Jahrgang 1959), mit ihren Kindern Aline (15) und Alex (13). Alex, der Gymnasiast, muss anschliessend ins Landhockey-Training. Aline ist eben nach Hause gekommen mit der guten Nachricht, eine Lehrstelle gefunden zu haben. Die freie Zeit zwischen Schule und Lehre ist exakt so bemessen, dass die Familie ihren Plan umsetzen kann, im Sommer ein letztes Mal gemeinsam auf Reise zu gehen: quer durch die USA. «Dafür», sagt Georg, «verzichteten wir auf Sportferien.»

«Es ist wichtig, in einer Gegend zu leben, wo man gleich stinkt.»

Georg von Aarburg, Vater

Januar-Ausgaben der Familie von Aarburg

Bild

In Saus und Braus lebt man nicht

Das alles sind Auslagen, aber auch Extraposten? Wie sie im Januar den Haushalt budgetierte, listete Monika von Aarburg auf. Welches Einkommen zur Verfügung steht, wollten sie dabei – gutschweizerisch – nicht ausposaunen. Monika sagt: «In Saus und Braus leben wir nicht, haben aber, ohne gleich Luxus zu beanspruchen, was das Leben angenehm macht. Solange keine Trennungen und Krankheiten zu verkraften sind, kann man sich ja einigermassen ausrechnen, womit man kutschieren muss.»

«Bei der Ausbildung der Kinder soll man nicht sparen. An die Steuerausfälle denke ich, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie.»

Monika von Aarburg, Mutter von zwei Teenagern

Georg von Aarburg arbeitet als selbstständiger Elektro-Ingenieur; der abgeschwächte Franken macht ihm aktuell Sorgen. Monika ist zu 40 Prozent in der Nachbarschaftshilfe tätig, eine Einrichtung der Stadt, strukturiert als Quartiervereine. Monika ist für die Familieninitiative: «Sie bringt uns, generell dem Mittelstand, eine spürbare Entlastung. Dabei leitet mich vor allem ein Gedanke: «Bei der Ausbildung der Kinder soll man nicht sparen. An die Steuerausfälle denke ich, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie.» 

«Man bringt Kinder nie mehr aus dem Kopf»

Georg scheint noch unentschlossen. Er sagt: «Nach dem Gefühl können wir uns alles erlauben, leben aber nach dem Gebot, uns am Budget anzupassen. Danach richteten wir uns schon, ehe wir Kinder hatten.» – «Es war eine grosse Zäsur», sagt Monika: «Man bringt die Kinder nie mehr aus dem Kopf.»

Fünf Jahre blieb sie, die vorher zu hundert Prozent in einer PR-Agentur gearbeitet hatte, wegen der Kids zu Hause. Aus der Verwandtschaft bekamen sie Wiege, Wickelkommode, Kleider für die Kinder. Georgs altes Schülerpult wurde einfach auf neue Generation umgemalt.

Das Handy mussten sich die Kinder selber ersparen

Bekommt Aline, die Tochter, neue Ski, weiss sie bereits, dass sie später die Dinger möglichst intakt ihrem Bruder weitergeben muss. Ihr Handy mussten sich beide ersparen. Auf unsere Frage, ob sie genug Taschengeld kriegten, antworten die Kids wie aus der Kanone geschossen: «Neinnnn!»

«Neinnn!»

Antwort der Kinder auf die Frage, ob sie genügend Taschengeld bekommen.

Der Vater lacht. «Genau das haben wir früher auch gesagt.»

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

16
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

117
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

78
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

120
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

129
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

16
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

117
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

78
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

120
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

129
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Reis zum selber Abfüllen – so sagen die Detailhändler dem Plastik den Kampf an

Das Plastik muss weg. Das haben auch die Detailhändler erkannt. Intensiv arbeiten sie an alternativen Verpackungsmöglichkeiten. In fünf Migros-Filialen wird derzeit gar ein Offenverkauf von Reis und Hülsenfrüchten getestet.

Geschälte Orangen in Plastik verpackt, gedämpfte Kartoffeln frisch vakuumiert: Immer wieder ernten Detailhändler für ihre Verpackungsmethoden harsche Kritik in den sozialen Medien.

Die hiesigen Detailhändler wehren sich gegen die Vorwürfe und gehen in die Offensive. In fünf Migros-Filialen in Genf wird derzeit der Offenverkauf von Reis und Hülsenfrüchten getestet.

«Die Kunden sind begeistert vom Angebot, auch weil sie kleinere Mengen abfüllen können», sagt Mediensprecher Tristan Cerf. …

Artikel lesen
Link zum Artikel