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ARCHIV - The Building of the TV production center

Das SRG-Gebäude in Zürich. Bild: KEYSTONE

Beim SRF geht die Angst vor dem grossen Kahlschlag um

Bei der SRG leckt man sich nach der RTVG-Abstimmung die Wunden. Die Dauerkritik verunsichert die Belegschaft – und jetzt beginnt erst recht das Zittern vor einem Abbau.

Benno Tuchschmid / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Dieser Abstimmungskampf hinterlässt Narben bei der Belegschaft von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Aus einer vermeintlich nüchternen Sachvorlage wurde ein aggressiv geführter, mehrere Monate andauernder Streit über den Service public und die Zukunft gebührenfinanzierter Medien. Man könnte auch sagen: Es wurde ein Zielschiessen auf das SRF. «Fremdschäm-Formate», «Boulevard-Infotainment» – die Kritik, die auf den Sender und seine Mitarbeiter niederprasselte, war fundamental. Das liess Spuren zurück, wie Andrea Hemmi, Kommunikationschefin des SRF sagt: «Inhaltliche Vorwürfe sind das eine; was allerdings viele Mitarbeiter beschäftigte, waren Ton und Heftigkeit gewisser Attacken.»

Gespräche mit verschiedenen SRF-Mitarbeitern zeigen: Die Angriffe haben am Leutschenbach zu einer nachhaltigen Verunsicherung geführt. Dass Gewerbeverbandspräsident Hans-Ulrich Bigler in seiner Kampagne auch auf das Programm zielen würde, überraschte beim SRF niemanden. Doch die Kritik kam auch aus unerwarteten Kreisen.

«Wir wurden zum Boxsack»

So äusserte die Basler Ständerätin Anita Fetz ihre Sympathien für ein Nein zur Vorlage. Doch nicht nur das: In der «Schweiz am Sonntag» zweifelte sie auch daran, dass die SRG ihrem Service-public-Auftrag noch nachkomme, und forderte «einen Schuss vor den Bug». Fetz ist Sozialdemokratin. Die SP galt einst als SRG-freundlich. Darum war die Wirkung von Fetz’ Aussagen besonders gross. Ein TV-Mann, der anonym bleiben will, sagt: «Wir wurden zum Boxsack, an dem sich jeder austoben konnte, der aus irgendeinem Grund unzufrieden mit uns war oder Aufmerksamkeit wollte.»

Zwar hat sich Fetz bei SRF-Chefredaktor Tristan Brenn für die Attacken insbesondere gegen die Sendung «10vor10» (die sie als «Boulevard-Infotainment» bezeichnete) entschuldigt, wie die «Nordwestschweiz» weiss. «Mir sind da die Pferde durchgegangen», schrieb Fetz dem obersten SRF-Journalisten. Doch das ändert nichts daran, dass die Stimmung in Politik und Bevölkerung gegenüber der SRG von vielen am Leutschenbach als äusserst negativ wahrgenommen wird.

Besonders in der Unterhaltungsabteilung des SRF fürchtet man sich nun, dass der Debatte bald Taten folgen könnten. So lässt der Bundesrat einen Bericht zur Zukunft des Service public erarbeiten. Eine Einschränkung der Unterhaltung beim gebührenfinanzierten Medienkonzern könnte dann zum Thema werden. Die privaten TV-Stationen arbeiten mit ihren steigenden Lobby-Aktivitäten jedenfalls darauf hin. SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi sagt dazu: «Wir finden diese Debatte wichtig.» Doch vorderhand geht es weiter wie bisher, so Hemmi: «Bis 2017 gilt der aktuelle Leistungsauftrag der SRG.»

Kritik an de Weck von innen

Im SRG-Trägerverein sucht man derweil nach den Gründen für das knappe Resultat. Es mehren sich die Stimmen, die den Abstimmungskampf genau analysieren wollen – und die Rolle des SRG-Generaldirektors kritisieren. Roger de Weck war in den Monaten vor der Abstimmung auf allen Kanälen präsent und liess sich auf einen Kleinkrieg mit Gewerbeverbandschef Hans-Ulrich Bigler ein. Ein Kadermitglied des Vereins sagt: «De Weck nahm die Sache zu persönlich, das hat geschadet». 

Roger de Weck: «Wir haben nun einen Schritt in die Gegenwart gemacht mit dem neuen Gebührensystem.» Video: keystone

(aargauerzeitung.ch)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nico Rharennon 15.06.2015 14:38
    Highlight Highlight Ich wünschte mir einen Sender ähnlich wie Arte. Mehrsprachig (wären wir ja hoffentlich dazu in der Lage), gute hartnäckige informelle Dokus (Dok, Einstein etc fördern!), alternative Filme zum Mainstream (oft läuft ja sowieso auf mehren Sendern der gleiche Film dann muss SF2 ja nicht auch noch mitmachen!) die dann wohl auch nicht so teuer wären.
    Grundsätzlich finde ich gehört zum Service Puplic aber nicht viel mehr als Tagesschau und Meteo (vielleicht noch gewisse Randregionen-Sendungen und 10 vor 10). Alle anderen Sendungsformate müssten sich meiner Meinung selbst tragen können sonst haben sie keine Berechtigung.
    • tomdance 15.06.2015 17:59
      Highlight Highlight OK, kann man so machen. Das bedeutet aber, dass z.B. das Kinderprogramm gesponsort werden darf. Das ist im Moment gemäss Konzession verboten. OK, @Nico Rharennon?
    • Nico Rharennon 15.06.2015 19:34
      Highlight Highlight Ein gut gemachtes Kinderprogramm wird sich mühelos selbst finanzieren können.
    • tomdance 16.06.2015 06:34
      Highlight Highlight Darf es aber gemäß Konzession eben nicht. Sponsoring und Product Placement sind verboten. Werbung am Nachmittag wird zu wenig Geld generieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • länzu 15.06.2015 13:13
    Highlight Highlight Eine erste Sparmöglichkeit wäre, bei den Fussballspielen das Team massiv zu reduzieren. Was braucht es einen Hüppi in Zürich, dann Salzgeber vor Ort mit Susi und Wicky und einige Interviewfänger. Da könnte man massiv reduzieren. Das Gelabber von Susi nervt so oder so schon lange.
  • klugundweise 15.06.2015 12:47
    Highlight Highlight Die Angriffe auf die Säulen der Demokratie wie Service publique, Classic politique, Gerichte, Nationalbank etc. kommen immer aus der gleichen Ecke, orchestriert von einem Chefstrategen.
    Einfache Frage: warum wohl und wann gehen dem Volch die Augen auf?
    • Max Heiri 15.06.2015 14:37
      Highlight Highlight Ja genau Sie sagen es, in der Sowjetunion war auch keine Kritik an der classe politique erlaubt
    • klugundweise 16.06.2015 09:53
      Highlight Highlight Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Kritik und systematischer übler Nachrede, auch in der Schweiz!
  • Lowend 15.06.2015 10:41
    Highlight Highlight Was besser werden soll, wenn nur noch RTL, Sat1 usw. bis hin zu S1, 3+, TeleZüri, Tele Bärn und wie die gefühlt hunderten von Privat TV alle heissen mögen, uns mit Werbung zubrettern und wir für die Spiele der Nati Geld an Teleclub und ähnliche Bezahlsender abdrücken müssen, dass weiss Bigler und ev. die SVP-Blondine, welche den Sendern die Werbung verkauft. Billiger wird dass sicher nicht und besser garantiert auch nicht. Die Politik soll sich bitte jetzt aus der Programmgestaltung raushalten und die echten Probleme der Schweiz lösen, z.B. wie man Politikern das Lügen und Betrügen verbietet!
    • Stinkender Wookie 15.06.2015 12:39
      Highlight Highlight Was ist so schlimm daran das diejenigen die Fussbalspiele schauen wollen dafür bezahlen und die, die das nicht wollen eben nicht. Das klingt für mich eigentlich ganz logisch, oder etwa nicht?
      Ich schaue kein Fernseh, aber verlange nicht dass mir jemand meinen Netflix Account bezahlt.
    • Lowend 15.06.2015 12:53
      Highlight Highlight Kennen Sie das Wort "Solidarität", gulinuli? Solidarität zwischen Alt und Jung, Reich und Arm, Intelligent und Dumm, Gesunden und Kranken und was auch immer? Solidarität ist das A und O jedes staatlichen Handelns und wenn jeder nur noch für sich selber schaut, wie dass gewisse Ego-Parteien immer wieder propagieren, dann können wir den Staat, sprich die gute, alte Schweiz wie sie heute besteht, vergessen.
    • Stinkender Wookie 15.06.2015 14:07
      Highlight Highlight Ich gebe Ihnen recht Lowend, dass Solidarität ein Grundstein von unserer Schweiz ist. Jedoch möchte ich, im Gegensatz zu Ihnen, nicht die "gute, alte Schweiz" beibehalten. Ich denke, wenn die Schweiz im Weltgeschehen weiterhin einen so hohen Stellenwert haben soll, dann muss sie sich laufend weiter entwickeln und nie stehen bleiben. Dazu gehört vielleicht auch, sich als Staat mehr aus dem Privatleben rauszuhalten und nicht die Konsumfreude (in jeglicher Art) zu finanzieren, sondern sich auf das Wesentliche zu besinnen.
      (Natürlich kann man nun diskutieren ob der SRF Konsum- oder Informationsquelle ist)

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