Jositsch zur SP-Abfuhr: «Die Parteispitze versucht, die Leute auf eine Linie zu trimmen»
Die SP Zürich will den amtierenden Ständerat Daniel Jositsch an den Wahlen 2027 nicht mehr zur Kandidatur aufstellen. Mit 94 zu 109 Stimmen entschieden sich die Delegierten gegen den Rechtsprofessor. Nach der Niederlage beantwortete Jositsch noch Fragen der NZZ.
Daniel Jositsch begrüsste die Delegiertenversammlung, obwohl er über zwei Stunden lang kritisiert wurde. Er hätte es angenehm gefunden, weil es zur direkten Konfrontation gekommen sei, sagt er der NZZ.
Auf die Frage, ob mehr Demut seinerseits zu einer Wiederwahl geführt hätte, meint Jositsch, dass er bewusst so gehandelt habe. «Wo Jositsch draufsteht, ist Jositsch drin – take it or leave it. Und wenn ihr ihn nehmt, dann lasst mich nachher in Ruhe.»
So habe er auch geahnt, dass es nicht reichen würde, gesteht er der NZZ. «Die Nomination wäre für mich die grössere Überraschung gewesen.» Da die Parteidelegierten linker als deren Wähler seien, wären 94 Stimmen fast noch erfreulich.
Dass Jacqueline Badran als Ersatzkandidatin bereitstand und somit wohl seine Nicht-Nomination besiegelte, empfindet Jositsch als legitim. Er hätte nichts gegen Leute, die ehrgeizig sind. Diese Eigenschaft werde ihm ja selbst oft zugeschrieben, sagt er. «Und ich weiss schon lange, dass Jacqueline Badran den Ständeratssitz will. Die Frage ist jetzt, ob ich ihn ihr überlasse. Das werde ich jetzt für mich entscheiden.»
Druck von der Parteiführung
Auffällig an der Diskussion war, dass kein einziges Fraktionsmitglied aus Bern am Rednerpult sprach. «Ich nehme es so wahr, dass man in der Parteispitze versucht ist, die Leute auf eine Linie zu trimmen», sagt Jositsch der NZZ. Deshalb würden sich viele nicht trauen, eine abweichende Position zu beziehen.
Unter vier Augen hätten viele ihr Bedauern ihm gegenüber geäussert und ihm versichert, sie hätten für ihn gestimmt, sagt der SP-Politiker. «Andere sagten, sie hätten das eigentlich auch tun wollen, aber ich wisse ja … Als Nationalrat ist man halt sehr abhängig, weil man wieder auf die Wahlliste der Partei kommen muss und einen Sitz in einer Kommission will», sagt Jositsch.
Der sozialliberale Flügel der SP
Gegen die Darstellung einer SP, die immer weiter nach links rutsche, habe er sich bisher immer gewehrt, sagt Jositsch. Seiner Ansicht nach hätte der sozialliberale Flügel auch stets einen Platz in der SP gehabt. «Aber das Signal ist jetzt ein anderes. Ich bin ja der letzte Vertreter, der noch ein hohes Amt innehat», meint er gegenüber der NZZ. Der sozialliberale Flügel sei dennoch nicht tot. Dies zeige sich durch die 94 von 203 Delegierten, die fanden, Jositsch soll weitermachen. (nil)
