Schweiz
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So schmeckt der Krieg

Von Curry bis Militärschoggi: 12 Armee-Rationen im Direktvergleich

Bild: Sarah Lee

Italienische Soldaten stellen sich dem Feind nach einem Schuss Grappa, die britische Armee wird dank Curry kämpferisch. Und natürlich ist bei der Notkost der Schweizer Armee die Militärschoggi auch dabei.



Wer «Asterix als Legionär» gelesen hat, weiss: Je stärker die Armee, desto schlechter ihr Essen. So werden die Männer bei schlechter Laune gehalten – was sich im Kampf als Aggressivität äussern soll («Ich wusste nicht, dass die römische Armee dermassen stark ist!», so Asterix nach dem Verzehr einer Legionärs-Ration).

Heute verhält es sich anders. Armee-Rationen müssen nahrhaft, energiespendend, gesund und vor allem hygienisch unbedenklich sein. So gilt etwa die neu entwickelte «Dreijahrespizza» der US-Streitkräfte als Meisterleistung der modernen Ernährungstechnik: Die Tomatensauce wird auch im Alter nicht sauer, der Boden nicht weich und der Käse nicht grau. 

In this Thursday, Feb. 6, 2014 photo, a packet containing a slice of prototype pizza is displayed by public affairs officer David Accetta at the U.S. Army Natick Soldier Research, Development and Engineering Center, in Natick, Mass. Pizza is in development to be used in individual field rations known as meal ready to eat, or MREs. It has been one of the most requested options for soldiers craving a slice of normalcy in the battlefield and disaster areas. (AP Photo/Steven Senne)

Bild: AP/AP

Die Amerikaner verköstigen sich also demnächst mit Pizza, bevor sie sich in Tora Bora den Taliban stellen. Wie sieht es mit anderen Armeen aus? Dies hat sich der Guardian gefragt. Die Zeitung verglich – und kostete – Kampfpackungen, die Soldaten von elf verschiedenen Armeen im Feld auf sich tragen. Die Auflistung bietet einen hochinteressanten Einblick in internationale Essgewohnheiten (siehe unten).

Doch werfen wir zuerst einen Blick auf die Schweizer Armee, ... die uns leider nichts direkt Vergleichbares bieten kann, wie wir alsbald von Walter Frik, dem stellvertretenden Informationschef Verteidigung, belehrt werden. Da die Schweizer Armee nicht in Kampfgebieten eingesetzt wird, braucht der Schweizer Soldat die sogenannte «Spezialration», wie sie im korrekten Militärdeutsch heisst, nicht. Er kann sich stets auf die Feldküche oder die Verpflegung in der Kaserne verlassen.

Im Militärreglement existiert aber die sogenannte «Notkost», «welche nur für Notlagen oder im Gefecht als Ration ausgegeben wird», so Frik gegenüber watson. «Die Notkost gewährleistet eine Minimalversorgung an Nährstoffen und Stimulanzien für 24 Stunden. Diese wird zum Beispiel angewendet, wenn die Truppe über längere Zeit keinen Zugang zum Verpflegungszentrum hat. Sie wird aus den 86 Artikeln aus dem Sortiment des Armeeproviants, also aus handelsüblichen Produkten zusammengestellt.» 

Und siehe da, ein paar Tage später erreicht watson ein Paket mit Absender Adjudant Reto Walther vom Kommando Küchenlehrgang (Danke!). Der Inhalt:

Schweizer Armee Notkost

Bild: watson/obi

Sollte ein Schweizer Armee-Angehöriger sich in Notlage befinden, stehen diverse Armee-Proviant-Produkte zur Verfügung: Kambly-Militär-Guezli, Militärschoggi (die inzwischen dem modernen Geschmack angepasst wurde und kross-luftig daherkommt), eine Fleischkonserve, Büchsen-Chili-con-Carne und Streichwurst. Daneben diverse Fruchtriegel und Knabber-Sets, sowie Schweizer Evergreens wie Gerber-Streichkäse oder Ovo Sport. Mit Notkocher und Streichhölzer kommt der einheimische Soldat gar zu einer Tasse Tee.

Ist der Schweizer Soldat damit wehrhafter als seine ausländischen Berufskollegen? Schauen wir denen mal in die Mannspackungen! 

Italien

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. Italy

Italien gönnt seinen Frontkämpfern als einzige Nation einen Schluck Alkohol: Ein Shot hochprotzentiger ‹Cordiale› gibt es zum Cappuccino, der in Pulverform geliefert wird. Ausserdem Biscotti, Reissalat, eine herzhafte Minestra mit Pasta und Bohnen (einen Notkocher zum Erwärmen ist auch dabei), Büchsen-Truthahn, Fruchtsalat, Energie- und Müesli-Riegel. Bild: Sarah Lee

Deutschland

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. Deutschland.

Deutschland bietet ebenfalls italienische Biscotti. Aber keinen Alkohol. Dafür etwas, das «Bierwurst» heisst. Die zwei weiteren Streichpasteten sind «Rindfleischschinkenwurst» und «Leberwurst, grob». Für die warme Mahlzeit gibt es Cevapcici, Gulasch mit Kartoffeln, daneben Obstsalat. Ausserdem: «Hartkeks», Schokolade, Sauerkirschen- und Aprikosen-Konfitüre, Tee, Kaffee, sowie Grapefruit- und Exotic-Getränkepulver.   Bild: Sarah Lee

Frankreich

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. France.

Eine eher kleine, dafür raffinierte Auswahl bietet Frankreich: Hirsch-Pâté, Cassoulet mit Enten-Confit, Porc Créole, Potage Poisson, Crème Dessert Chocolat und ein Caramel Dupont-d’Isigny. Mmmmh. Ausserdem einen Notkocher, Kaffee- und Süssgetränk-Pulver und einen Müesli zum Frühstück.  Bild: Sarah Lee

Grossbritannien

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. UK. Grossbritannien.

Chicken Tikka Masala. Logo, das meistgegessene Gericht der britischen Inseln darf nicht fehlen. Genügend Tee natürlich auch nicht, und zwar von der Traditionsmarke Typhoo. Ohnehin sind in der britischen Ration Markenprodukte häufiger als anderswo  zu finden – sogar eine Miniflasche Tabasco ist dabei. Als zweite Mahlzeit gibt es Tomaten-Pasta, zum Frühstück Würstchen mit Baked Beans. Ausserdem noch im ziemlich umfangreichen Angebot: Dessert-Ananas, Konfitüre, Erdnussbutter, Getreideriegel, Kakaopulver, Süssgetränke oder Feuchttüchlein.  Bild: Sarah Lee

USA

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. USA

Mandel-Mohnsamen-Kuchen, Cranberries und Erdnussbutter sind die typischeren US-Produkte dieser Mannspackung. Der Hauptgang Pasta mit Gemüse-«Crumbles» und scharfer Sauce hingegen weniger. Beeindruckend ist aber der «flameless heater»: Einfach Wasser dem Pülverchen beigeben und es entsteht genug Hitze, um einen der Ess-Säckchen zu erwärmen.  Bild: Sarah Lee

Norwegen

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. Norwegen

Norwegen bietet US-Technologie («flameless heater»), aber britischen Essgeschmack: Earl Grey, Kenco-Kaffee, Baked Beans und Speck, sowie Fruchtgummis der Marke Rowntrees.   Bild: Sarah Lee

Kanada

Kanada

Military food rations.
London
By David Levene 
21/10/13

Es kommt als ziemlicher Schock, dass Kanada seinen Soldaten keinen Ahornsirup zur Verfügung stellt. Dafür hat es etwas, was übersetzt «Bärentatzen-Snacks» bedeutet. Als Hauptmahlzeiten werden Lachsfilet oder ein vegetarisches Couscous angeboten. Zum Frühstück gibt es die Zutaten für ein Erdnuss-Konfitüren-Sandwich.   Bild: David Levene

Australien

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. Australien

Die australische Ration bietet die grösste Auswahl an kleinen Snacks für zwischendurch. Viele Süssgetränke sind dabei und auch zwei sehr frugal anmutende Packungen mit der Aufschrift «chocolate ration». Auffallend der Büchsenöffner, der auch als Löffel benutzt werden kann – wohl um den ‹«Fonterra processed cheddar cheese»› zu geniessen. Darf natürlich nicht fehlen: Der Brotaufstrich Vegemite Bild: Sarah Lee

Spanien

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2. Spanien.

Der spanische Kämpfer ernährt sich hauptsächlich von Tabletten (Vitamin C, Glukose, Trinkwasseraufbereitung, Elektrolyten). Ausserdem noch von grünen Bohnen mit Schinken, Calamares in Pflanzenöl, Pâté, Päckchensuppe, Pfirsich-Dessert und (nicht abgebildet) Crackers. Bild: Sarah Lee

Estland

Estland

Military food rations.
Estonia
London
By David Levene 
21/10/13

Interessant – und nicht unlecker –, die estnische Mannsration: Gefüllte Paprika sind dabei, geräucherte Heringsfilets ebenfalls. Zum Knäckebrot gibt es Geflügel-Pâté und Leberwurst, zum Dessert Halva mit Vanille und zum Frühstück Frucht-Mus und Honig. Bild: David Levene

Singapur

Copyright Sarah Lee - Ration packs and thier contents for G2.

Nicht abgebildet ist die Zusatzpackung, in der unter anderem Getränke, Energie-Riegel, Instant-Nudeln, Tee, Kaffee und Wärmebeutel zu finden sind. Die hier abgebildete Hauptpackung aber besteht aus Szechuan Poulet mit Nudeln, ein Gericht mit Pilzen, Basilikum, Poulet und Reis, sowie ein Dessert aus Soyamilch mit roten Bohnen. Bild: Sarah Lee

Umfrage

Welches Land bietet die leckerste Armeeration?

  • Abstimmen

1,018

  • Schweiz56%
  • Italien7%
  • Deutschland3%
  • Frankreich10%
  • Grossbritannien8%
  • USA2%
  • Norwegen1%
  • Kanada2%
  • Australien3%
  • Spanien1%
  • Estland2%
  • Singapur5%

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 23.03.2014 15:01
    Highlight Highlight Und nicht zu vergessen ist die Ersatzhandgranate in der Schweizer Notration...
    Wenn man einen Hinterhalt plant, einfach den Jonny (Chilli con Carne Büchse, wird so genannt in Erinnerung an John Wayne) auf ein angenehm flackerndes, heimeliges Feuer stellen... aber nicht öffnen... so lockt man zum Beispiel hungrige Soldaten aus Singapur an. Dies ist die einzige Möglichkeit,im Falle eines Angriffes nicht gewolltes, ungeniessbares Essen trotzdem anderweitig zu verwenden und weiterzugeben. (PS Für alle Pacifisten... das ist ein blöder satirischer Insider-Spass:-) ut (dp)
  • Chaose 23.03.2014 14:49
    Highlight Highlight Gute Idee, schön gemacht. Aber bitte bitte streicht dieses Wort "lecker". In der Schweiz heisst das "fein".
    • obi 23.03.2014 15:11
      Highlight Highlight OK. "Basler Feinerli", also.
    • Chaose 23.03.2014 18:39
      Highlight Highlight Zählt nicht, Basler sind ja fast schon Deutsche ;-)
    • Max Kueng 24.03.2014 05:29
      Highlight Highlight "Schfeinstängel"?
  • Jonasn 23.03.2014 14:41
    Highlight Highlight muss was korrigieren: der Hartkeks der deutschen Ration ist zweifelsfrei nicht zum Verzehr vorgesehen, sondern gehört in Wirklichkeit zum Waffenarsenal. Das "Hart" in "Hartkeks" ist genau so gemeint - dieser Keks erreicht in seiner Festigkeit durchaus Kevlarsche Bereiche und ist somit als Geschoss auch im Ernstfall ein erstklassiger Helfer in der Not.
  • papparazzi 23.03.2014 14:28
    Highlight Highlight Interessanter und lustiger Bericht. Vor allem die Übersichtsfotos wecken alte Erinnerungen an die von allen gehasste Materialkontrolle. Gemäss dem Asterix Index ist dann wohl die Armee aus Singapur die schlagkräftigste:-) Oh mann, müssen die übellaunig sein... ut (dp) PS Das könnte glatt für eine Truppenzeitung der Schweizer Armee verwendet werden. Lol

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