Schweiz
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Un eleve de police fait un freinage d'urgence sur la piste du Touring Club Suisse, ce mardi 2 septembre 2014 a Cossonay. Les eleves de l'Ecole d'aspirants 2014-2015 entrainent leur conduite et testent leurs automatismes sur la piste de la Section vaudoise du Touring Club Suisse. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Damit die Strafverfolger nicht zu Strafverfolgten werden: Mittels eines Simulators sollen sie lernen, wie man ordnungsgemäss rast. Bild: KEYSTONE

Wie die Polizei rasen lernt

Als erste Kantonspolizei beschafft sich Bern einen modernen Fahrsimulator – doch die Technik hat ihre Tücken.

Andreas Maurer / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Ein Zürcher Polizist fuhr bei Rot über eine Kreuzung und übersah ein von links kommendes Auto. Sie krachten ineinander. Der Strafverfolger wurde zum Strafverfolgten. Die Oberstaatsanwaltschaft klagte ihn wegen fahrlässiger grober Verletzung der Verkehrsregeln an.

Der Polizist hatte dafür kein Verständnis. Schliesslich sei er mit Blaulicht und Horn unterwegs gewesen. Im Stress könne ein Fehler passieren. Vor Gericht hatte er keine Chance. Im März bestätigte das Bundesgericht, er habe elementarste Sorgfaltsregeln verletzt.

Doch wie rast man korrekt bei Rot über eine Kreuzung? Das Strassenverkehrsgesetz liefert nur eine allgemeine Antwort. Auf einer «dringlichen Dienstfahrt» dürfen die Verkehrsregeln missachtet werden, wenn der Fahrer «alle Sorgfalt» walten lasse, die «nach den Umständen» erforderlich sei.

Was das auf der Strasse bedeutet, kann ein Polizist nicht im praktischen Fahrunterricht lernen. Für eine Übung darf das Blaulicht nicht eingeschaltet werden. Die Berner Kantonspolizei schafft sich nun als erstes Polizeikorps der Schweiz einen Fahrsimulator der neusten Generation an.

60 Prozent

Eine deutsche Studie hat die Unfallursachen von Krankenwagen untersucht: In 60 Prozent der Fälle war der Lenker des Blaulichtfahrzeugs dafür verantwortlich, in 30 Prozent der Fälle waren andere Verkehrsteilnehmer die Schuldigen. Bei 10 Prozent wurden spezielle Gefahren oder andere Einsatzfahrzeuge als Ursache angegeben.

Derzeit sucht sie eine Firma, die ein Gerät liefern kann, das Blaulichtfahrten im Schweizer Strassenverkehr simuliert. Als Zusatzfunktion soll es über ein Eye Tracking, ein Blickverlauf-Aufzeichnungssystem, verfügen. Kameras zeichnen die Pupillenbewegungen auf und weisen nach, ob ein Polizist vor der Kreuzung auch nach links geschaut hat.

Simulator kostet 230'000 Franken

Es gibt nur eine Firma in der Schweiz, welche die Ausschreibungskriterien erfüllen kann: die Rheinmetall Swiss Simtec AG aus Thun, eine Tochterfirma des deutschen Rüstungskonzerns.

Sie beschäftigt zwölf Mitarbeiter und macht nach eigenen Angaben einen Umsatz von sechs Millionen Franken, hauptsächlich mit Simulationstechnik für die Schweizer Armee und die deutsche Bundeswehr. Nun will sie sich auf dem zivilen Markt etablieren.

Fahrsimulator

So sieht der Fahrsimulator der Schweizer Firma aus. bild: swiss simtec

In den vergangenen Wochen hat sie ein Dutzend Blaulichtorganisationen empfangen, um das neuste Produkt in Testfahrten vorzustellen. In der virtuellen Umgebung können die Polizisten nicht nur lernen, wie man sorgfältig über eine Kreuzung rast, sondern auch, wie man auf der Autobahn durch eine Fahrzeuggasse manövriert oder einen VIP-Konvoi eskortiert.

Die Thuner Firma hofft, den Durchbruch mit einem relativ günstigen Preis zu erreichen: 167'000 Franken kostet die Grundversion. Hinzu kommen 64'000 Frankenfür das Eye-Tracking-System. Im Gegensatz zu älteren Geräten ist das ein Schnäppchen.

«Der Fahrsimulator ist für uns die einzige Möglichkeit, Hochrisikofahrten zu üben.»

Gabriella Guex leitet in Bern den Ausbildungsgang für Rettungssanitäter.

2008 kaufte die Stadt Zürich ein Vorgängermodell für 1,5 Millionen Franken. Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, sagt: «Seit wir mit dem Simulator trainieren, haben sich auf Dienstfahrten keine gravierenden Unfälle mehr ereignet.»

Zuvor war es zu mehreren Vorfällen mit Verletzten und sogar mit Toten gekommen. «Wir verfolgen mit Interesse, welche Geräte andere Blaulichtorganisationen anschaffen», sagt Cortesi.

Übelkeit nach der Testfahrt

Der neuste Fahrsimulator aus Thun ist zudem mit Szenarien für Sanität und Feuerwehr gefüttert. Zwei Exemplare stehen seit wenigen Monaten in der Schweiz im Einsatz: im Zentrum für medizinische Bildung Bern und im Ostschweizer Feuerwehrausbildungszentrum.

Gabriella Guex leitet in Bern den Ausbildungsgang für Rettungssanitäter. Sie erklärt den Grund für die Anschaffung: «Der Fahrsimulator ist für uns die einzige Möglichkeit, Hochrisikofahrten zu üben.» Das Unfallrisiko auf Einsatzfahrten steige tendenziell, weil der Strassenverkehr zunehme. Die Rettungsdienste müssten zudem öfter mit Blaulicht ausrücken, die Leute würden häufiger die Ambulanz rufen. Früher hätten Angehörige einen Verletzten häufiger selbst ins Spital gefahren.

Zudem führe die Zentralisierung der Spitäler zu mehr dringlichen Verlegungsfahrten. Die neue Technik hat allerdings ihre Tücken. Die Simulatorkrankheit tritt seltener auf als bei älteren Geräten, bleibt aber ein Problem. Viele Leuten ist nach der virtuellen Fahrt übel, weil der Gleichgewichtssinn ausgetrickst wird. Unter den angehenden Berner Sanitätern traten die Symptome bisher bei ein bis zwei Studierenden pro Klasse auf.

Schulleiterin Guex sagt: «Meistens verschwinden die Beschwerden mit einem Kaugummi gegen Reisekrankheit.» Auch die Ostschweizer Feuerwehrleute hatten bisher kaum Beschwerden. Der St.Galler Feuerwehrinspektor Daniel Bischof ist zufrieden und sagt: «Wir wollen der Zeit voraus sein.»

Die meisten Polizeiausbilder haben sich nach der Testfahrt allerdings gegen die Anschaffung entschieden. «Mir wurde nach fünf Minuten schlecht», sagt Marcus Kradolfer, Direktor der Polizeischule Ostschweiz. Harry Wessner, Ausbildungschef der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch, setzt auf traditionelle Lernmethoden, etwa Übungsfahrten auf einem abgesperrten Parkplatz.

Die Baselbieter Polizei teilt mit: «Nur grosse Polizeikorps können sich eine solche Anschaffung leisten.»

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chrimark 17.04.2017 13:48
    Highlight Highlight Kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Simulatoren Gold wert sind. Es geht nicht darum das Rasen zu üben (gell liebes Watson), sondern eben gerade genau nicht in den Vollgastunnelblickkampfmodus zu fallen und GTA like alles über den Haufen zu fahren. Ist nicht so einfach wenn's brennt und Leben bedroht sind.
  • malu 64 17.04.2017 12:05
    Highlight Highlight Sind diese Simulatoren permanent besetzt?
    Vielleicht reichen 5-6 Standorte aus, um alle Blaulichtorganisationen der Schweiz, von Zeit zu Zeit zu schulen. Schliesslich nützt es uns allen!
    • philosophund 17.04.2017 17:44
      Highlight Highlight Hallo Föderalismus ;)
  • Karoon 17.04.2017 11:42
    Highlight Highlight Wie viele Unfälle mit Fahrzeugen mit Blaulicht gibt es überhaupt? Ich denke nicht, dass es viele sind. Deshalb finde ich das mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wegen einiger weniger Unfälle (natürlich darf es keine geben) einen solch teuren Simulator zu kaufen. Und wer garantiert, dass man danach besser fahren kann? Zudem sieht das mal wieder nach einem kantonalen Sonderzügli aus. Man sollte Simulatoren kaufen, die sämtlichen Polizeikorps zur Verfügung stehen.
    • Hierundjetzt 17.04.2017 13:39
      Highlight Highlight Sicher nöd! 😡 24 verschiedene, untereinander nicht kompatibel und von verschiedenen Herstellern.

      Jeder Bundesstaat sein eigenes.

      Nur so geht das.

      Föderalismus! Sonderlösung! Einzigartig! #man gönnt sich ja sonst nichts. #NFA
    • SemperFi 17.04.2017 18:27
      Highlight Highlight @Hierundjetzt: Da tun Sie den Polizeikorps Unrecht. Viele Beschaffungen werden heute im Konkordatsrahmen vorgenommen. Aber wo nötig werden natürlich die kantonalen Bedürfnisse berücksichtigt, da der Bündner nicht das gleiche Fahrzeug wie der Basler braucht.
      Bei einem Gerät wie diesem Fahrsimulator ist es wichtig, dass er nah bei den Leuten ist, da er regelmässig in kurzen Lektionen benützt werden sollte. Da macht es keinen Sinn, national zwei Simulatorzentren zu schaffen, die dann nie benutzt werden. Ich bin froh um jede Ausbildungsstunde für unsere Polizisten. Das darf auch etwas kosten.
  • Hierundjetzt 17.04.2017 11:22
    Highlight Highlight Off topic: Sehe ich das nur so? Westschweizer Polizeiautos (zB Titelbild) sehen immer aus wie von Kindern für die Fasnacht bemalt. Knallig. Farbig. Keine Struktur. In Genf sogar mit Farbverlauf (!)
    • Caturix 17.04.2017 17:46
      Highlight Highlight http://web4.cdnlacote.ch/media/image/48/normal_16_9/asset-version-44ddb1214e-247346116.jpg
  • Hugo Wottaupott 17.04.2017 10:49
    Highlight Highlight PS4 kaufen GTA (grand theft auto) gamen.
    • Albright 17.04.2017 11:25
      Highlight Highlight Hab genau das selbe gedacht nach ein paar Zeilen des Artikels 😄 Zumal die Grafik garantiert besser ist und sowieso viel realistischer. Es gibt sogar irgendwelche Polizei-Mods für die PC-version. Also dieses Geld kann man sich echt sparen
    • SemperFi 17.04.2017 13:06
      Highlight Highlight Wie sich Albright den Polizeialltag vorstellt: Mit "irgendwelchen Polizei-Mods" GTA gamen! Jeder Franken ist gut investiert, weil jeder einzelne Unfall schnell das Mehrfache kostet.
  • Züribueb 17.04.2017 10:25
    Highlight Highlight "Doch wie rast man korrekt bei Rot über eine Kreuzung?" - Gar nicht! Auch bei Blaulicht und Horn kann man nicht einfach wild über eine Kreuzung schiessen.
    • Matrixx 17.04.2017 17:41
      Highlight Highlight Oder weils mal einen Fall gab, in dem ein Autofahrer über das Rotlicht fuhr, weil es die einzige Möglichkeit war, dem Einsatzwagen Platz zu machen, und der Autofahrer danach angeklagt wurde. Und da dies niemand will, bleibtuman halt stehen, statt etwas verkehrswidriges zu tun.

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