DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Polizist steht bei der durch Fahrende besetzten Zone auf der Berner Allmend. Bild: KEYSTONE

Fahrende haben genug

Dauerbrenner Fahrende: Trotz Bundesauftrag gibt es seit Jahren zu wenig Stellplätze

Der Mangel an Stellplätzen für Fahrende beschäftigt Politik und Behörden seit Jahren – konkret geändert hat sich bisher wenig.



Ende April besetzen hunderte Fahrende die Berner Kleine Allmend. Ihre Forderung: Wir brauchen Platz. Schweizweit gibt es derzeit 15 Standplätze und 45 Durchgangsplätze. Nötig wären 40 Stand- und 80 Durchgangsplätze.

Zwar hat die Zahl der Standplätze, die der einheimischen fahrenden Bevölkerung als Winterquartier dienen, seit dem Jahr 2000 um vier zugenommen. Das Angebot deckt nach Angaben der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» aber nur etwa einen Drittel des Bedarfs.

Eine Zigeunerin spielt am Dienstag, 28. August 2001, auf einem Areal beim Zuercher Escher-Wyss Platz mit ihrem jungen Husky. Anlaesslich einer Medienorientierung wurde naeher ueber die Situation der Fahrenden berichtet. Demnach zeigt sich die Oeffentlichkeit Fahrenden gegenueber verstaendnisvoller als noch in den siebziger und achtziger Jahren, sichere Plaetze seien allerdings noch nicht geschaffen.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)   === ELECTRONIC IMAGE ===

Fast die Hälfte der 3000 einheimischen Fahrenden finden im Sommer keinen Platz.  Bild: KEYSTONE

Situation in den letzten Jahren verschärft

Bei den Durchgangsplätzen für die Sommermonate hat sich die Situation in den letzten Jahren sogar noch verschärft. Ihre Zahl ging von 51 auf 45 zurück. Das reicht noch für rund 60 Prozent der rund 3000 fahrenden Schweizer Jenische – zumindest auf dem Papier.

In Tat und Wahrheit sei die Platznot oft noch grösser, sagt Urs Glaus, Geschäftsführer der vom Bund 1997 geschaffenen Stiftung. So seien einzelne Durchgangsplätze dauernd von aus Frankreich eingereisten Roma belegt, andere Standorte wegen Qualitätsmängeln nicht brauchbar.

Auftrag Lebensbedingungen der Fahrenden zu verbessern

Mit der Ratifizierung eines Rahmenabkommens des Europarats verpflichtete sich der Bund schon 1998, die Lebensbedingungen der Schweizer Fahrenden als anerkannte nationale Minderheit zu verbessern. 2003 bestätigte das Bundesgericht, dass deren Bedürfnisse im Rahmen der Raumplanung zu berücksichtigen seien.

Protestschilder auf der durch Jenische besetzten kleinen Allmend, am Mittwoch, 23. April 2014, in Bern. Jenische haben derzeit mit ueber 200 Wohnwagen die kleine Allmend besetzt, welche als Parkplatz fuer die in zwei Tagen beginnende BEA benoetigt wird.  Sie fordern mehr Akzeptanz sowie zusaetzliche Durchgangs- und Standplaetze in der Schweiz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

«Gibt uns unser Recht», «Jenisches Volk», «Akzeptiert uns», skandieren die Protestler. Bild: KEYSTONE

Vor allem im Bereich der Richtplanung einiger Kantone habe sich zwar tatsächlich einiges in Bewegung gesetzt, anerkennt die Stiftung. Bei der Umsetzung scheitere der Wille zur Erstellung neuer Stand- und Durchgangsplätze aber meist an der fehlenden Akzeptanz bei der Bevölkerung der Standortgemeinde.

Auch der Bundesrat räumte 2012 in einem Bericht zur Umsetzung des Europarats-Abkommens ein, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren nicht verbessert habe. Nach wie vor würden die Fahrenden von der Mehrheit häufig nicht als vollwertiger Bestandteil der Schweizer Bevölkerung wahrgenommen und litten unter Vorurteilen. (rar/sda) 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Nein zu Agrar-Initiativen: Mit diesen 2 Baustellen geht es in der Landwirtschaft weiter

Wie geht es nun weiter mit der Landwirtschaft, nachdem die Agrarinitiativen gescheitert sind? Diese zwei Baustellen werden die Landwirtinnen und Landwirte als nächstes beschäftigen.

Der Schweizer Bauernverband fuhr einer seiner grössten Gegenkampagnen, um die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative zu bekämpfen. Mit Erfolg: Das Stimmvolk schickte am Abstimmungssonntag beide Vorlagen den Bach runter. Eine Frage drängt sich im Nachgang besonders auf: Wie soll es weitergehen in der Landwirtschaft?

Bauernverbands-Direktor Martin Rufer findet, dass bereits genug Alternativen für eine nachhaltigere Landwirtschaft vorhanden seien. «Jetzt geht es darum, sie umzusetzen und wo nötig …

Artikel lesen
Link zum Artikel