Anti-WEF-Demonstranten beim Berner Bahnhof rasch eingekesselt
Die Polizei hat am Samstagnachmittag eine unbewilligte Anti-WEF-Demonstration in Bern am Besammlungspunkt auf dem Bahnhofplatz eingekesselt. Einige Dutzend Demonstrierende standen einem massiven Polizeiaufgebot gegenüber.
Einsatzkräfte in Vollmontur sperrten den Bahnhofplatz während rund zwei Stunden weiträumig ab, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Der Verkehr war eingeschränkt, zeitweise auch der Zugang zum Bahnhof. Im Kessel kam es immer wieder zu Unruhen.
Am Samstagabend dauerte die Kontrolle der Eingekesselten noch an. Die Polizei habe ihnen mobile Toiletten und Verpflegung zur Verfügung gestellt, teilte diese auf X mit. Hinter der Polizeisperre solidarisierten sich zahlreiche Menschen mit den Demonstrierenden.
Hintergrund des Einsatzes war eine unbewilligte Kundgebung gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF). Linke und linksautonome sowie pro-palästinensische Gruppierungen hatten dazu aufgerufen. Dem Aufruf folgten wenige hundert vorwiegend junge Personen, die sich im Verlaufe der Kundgebung teilweise zurückzogen.
Polizei stellte Ultimatum
Vor der Einkesselung hatte die Polizei via Lautsprecher darauf hingewiesen, dass eine friedliche Platzkundgebung toleriert werde - nicht aber ein Umzug. Die Demonstrierenden reagierten mit Buhrufen. Daraufhin zogen teilweise vermummte Demonstrierende Runden über den Bahnhofplatz. Schliesslich forderte die Polizei die Teilnehmenden auf, den Platz zu verlassen, ehe sie die Verbliebenen einkesselte.
In der gesamten Innenstadt waren Polizistinnen und Polizisten aus zahlreichen Kantonen präsent. Auch ein Wasserwerfer war vor Ort, kam aber nicht zum Einsatz. Der Bundesplatz war abgesperrt und vor dem Bundeshaus standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge.
Stadt riet von Teilnahme ab
Die Stadt Bern hatte im Vorfeld von einer Teilnahme an der Kundgebung abgeraten. Das grosse Polizeiaufgebot war angekündigt worden. Dies mit Verweis auf «vergangene ähnlich gelagerte Kundgebungen» und eine zeitgleich stattfindende, bewilligte Demonstration vor der iranischen Botschaft. Diese verlief friedlich.
Erst vor gut drei Monaten war in der Stadt Bern eine Kundgebung aus dem Ruder gelaufen. An der denkwürdigen Gaza-Demonstration vom 11. Oktober entstand Sachschaden im hohen sechsstelligen Bereich, es wurden Einsatzkräfte und Demonstrierende verletzt.
Die Stadtregierung veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht zur politischen Aufarbeitung dieser Geschehnisse und verteidigte darin ihre Vorgehensweise. Sie hält es demnach weiterhin für richtig, dass sie die unbewilligte Demonstration nicht im Keim hatte ersticken lassen. (sda)
