Schweiz
Bern

Implantate-Skandal: Chirurg in Bern vor Gericht

Implantate-Skandal: Chirurg in Bern vor Gericht

Ein Berner Chirurg steht seit Montag wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, mehreren Patienten unausgereifte Bandscheibenimplantate eingesetzt zu haben.
12.01.2026, 05:5312.01.2026, 15:32

Weiter wirft sie ihm vor, er habe Betroffene im Stich gelassen. Als Privatklägerschaft treten eine ehemalige Patientin und ein ehemaliger Patient des Arztes auf. Für den Chirurgen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlungen könnten länger als eine Woche dauern. Zu Wort kommen nebst dem Arzt auch Patientinnen und Patienten, ein mit der Materie vertrauter Chefarzt eines Zürcher Spitals sowie eine weitere Expertin. Das Urteil soll am 9. Februar eröffnet werden.

Gemäss der zuständigen Staatsanwältin sollen die künstlichen Bandscheiben bei allen sieben vom Chirurgen operierten Patienten versagt und körperliche Schäden an der Wirbelsäule hinterlassen haben.

Die Anwältin des Chirurgen hatte die Vorwürfe Anfang 2023 gegenüber den Tamedia-Zeitungen zurückgewiesen. Ihr Klient habe sich im Zusammenhang mit dem Fall «sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten».

Mängel bei Tierversuchen

Der sogenannte Implantate-Skandal wurde 2018 durch ein internationales Recherche-Team mit Beteiligung von Tamedia publik. Der Chirurg soll die Entwicklung des Bandscheibenimplantats «Cadisc-L» wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 im Berner Salem-Spital selber sieben Patientinnen und Patienten eingesetzt haben.

Ein Chirurg schliesst eine Leber an die neue Perfusionsmaschine an, die sie eine Woche am Leben erhalten kann.
Dem Chirurg wird vorgeworfen, mangelhafte Implantate vertrieben und eingesetzt zu haben. (Symbolbild)imago

Die Prothese vertrieb die inzwischen Konkurs gegangene britische Firma Ranier. Laut Anklageschrift sollen bereits Tierversuche Mängel gezeigt haben. Trotzdem kam das Produkt im Jahr 2010 auf den Markt. Europaweit soll es danach bei Dutzenden Patienten zu schweren Komplikationen gekommen sein. Später wurde das Implantat zurückgerufen.

Einschränkungen für Medien

Für Medienschaffende gibt es am Prozess Einschränkungen. So ist es ihnen an den ersten beiden Tagen untersagt, einen Liveticker zu führen. Eine mediale Echtzeit-Berichterstattung berge die Gefahr, dass Zeugen und Auskunftspersonen beeinflusst werden könnten, begründete das Gericht seinen Beschluss.

Weiter soll der Name des Arztes nicht genannt werden. Zwar sei er 2023 in Medienberichten genannt worden, räumte das Gericht ein. Doch damals sei er noch aktiv als Arzt tätig gewesen. Nun befinde er sich im Ruhestand. Zudem sei er keine allgemein bekannte Person des öffentlichen Interesses, wie dies etwa bei einem politischen Amtsträger der Fall wäre.

Die Tamedia-Zeitungen sehen das anders. Sie haben am Montag eine Beschwerde beim Obergericht eingereicht. Ziel ist, dass die Pflicht zur anonymisierten Berichterstattung einstweilen nicht anwendbar ist. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
15 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Henzo
12.01.2026 07:32registriert August 2014
Kaum eine Berufsgruppe darf so pfuschen wie es die Ärzteschaft darf, ohne wirklich Konsequenzen zu befürchten.
Ich verstehe, dass man sie schützen muss: manchmal gibt es Risiken die man eingehen muss und manchmal kann man nur aus einer Variante schlechter Optionen aussuchen. Aber wenn systematisch gepfuscht wird, dann braucht das auch hier Konsequenzen.
448
Melden
Zum Kommentar
avatar
stronghelga
12.01.2026 09:02registriert März 2021
Der Berner Chirurg, der ab Montag vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung steht, ist bekanntlich Max Aebi.
243
Melden
Zum Kommentar
15
Langenthal BE: 14-Jähriger stirbt durch Stromschlag bei Güterbahnhof
Ein 14-jähriger Junge hat sich in der Nacht auf Dienstag am Güterbahnhof Langenthal im Kanton Bern tödlich verletzt. Nach ersten Erkenntnissen bestieg er einen abgestellten Güterzug und erlitt einen Stromschlag.
Zur Story