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«Spezifischer Überhang eines Geschlechts»: Das Gleichstellungsbüro des Bundes sucht händeringend nach männlichen Mitarbeitern. Bild: Shutterstock

Männer gesucht! Warum der Bund für diese Jobs explizit Bewerber einstellen will

Gleichstellung geht auch andersrum: Ausgerechnet das eidgenössische Gleichstellungsbüro muss Männer fördern.

Sven Altermatt / ch media



Es ist ein Satz, der so oder so ähnlich oft in Stelleninseraten zu lesen ist: Bei gleicher Qualifikation würden Bewerberinnen bevorzugt. Gerade die Bundesverwaltung steht in der Pflicht, sich vorbildlich um weibliche Angestellte zu bemühen. Umso aussergewöhnlicher ist es (noch), wenn Männerförderung vonnöten wird.

Unter den Hunderten Stellenausschreibungen des Bundes stechen dieser Tage zwei heraus. «Für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis wird Bewerbungen von Männern besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht», heisst es darin. Eine Formulierung mit Seltenheitswert. Gesucht werden ein administrativer Assistent und ein Hochschulpraktikant. Hinter den Stellenanzeigen steckt – ausgerechnet: das eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) in Alain Bersets Innendepartement.

Gleichstellung einmal andersrum also? Fakt ist: In der Bundesverwaltung gilt die Geschlechterparität als Ziel. Der Bundesrat legt entsprechende Sollwerte fest; so wird übergreifend ein Frauenanteil von 46 bis 50 Prozent angestrebt. Gibt es in Abteilungen einen «spezifischen Überhang eines Geschlechts» – wie es im Beamtenjargon etwas sperrig heisst –, sollte das andere Geschlecht bei Stellenausschreibungen speziell angesprochen werden. Fakt ist jedoch auch: In der Praxis betrifft dies vor allem Kaderpositionen, in denen Frauen untervertreten sind.

Explizite Benachteiligung ist nicht zulässig

Das ist es, was die EBG-Ausschreibungen so bemerkenswert macht. Weder muss eine Übervertretung von Männern ausgeglichen werden, noch handelt es sich um Jobs für Kader. Just die Gleichstellungshüterinnen der Nation kämpfen bei ihrer eigenen Belegschaft mit einem Ungleichgewicht.

16 Vorurteile, von denen Männer langsam genug haben

Zwar konnte das Büro seinen Männeranteil in den vergangenen Jahren erhöhen. Doch noch immer besteht das zwanzigköpfige Team zu fast zwei Dritteln aus Frauen. «Im Gleichstellungsbereich betätigen sich nach wie vor mehr Frauen als Männer», begründet dies EBG-Sprecherin Hanna Jordi.

Um das ausgewogene Geschlechterverhältnis im Gleichstellungsbüro zu fördern, schreibe man heute in Stellenausschreibungen konsequent den Passus, wonach Bewerbungen männlicher Kandidaten «besondere Aufmerksamkeit» geschenkt werde. Damit sollen Männer zu einer Bewerbung ermuntert werden, sagt Jordi. Zugleich betont sie aber:

«Es heisst freilich nicht, dass diese dann bevorzugt werden.»

Ausschlaggebend für die Anstellung bleibe die fachliche und persönliche Eignung für einen Posten.

Ohnehin wäre aus rechtlicher Sicht die explizite Benachteiligung eines Geschlechts heikel. Zulässig sind jedoch Fördermassnahmen – im Sinne, dass das benachteiligte Geschlecht bis zu einem gewissen Grad privilegiert werden darf. Entsprechende Phrasen in Stellenausschreibungen sind nur so lange in Ordnung, wie ein Geschlecht in einem Bereich klar untervertreten ist. Bezeichnend ist allein schon, dass die einschlägige Literatur dazu fast nur Konstellationen anführt, in denen Frauen das Nachsehen haben.

Ein Zeichen des Fortschritts?

In seinem Alltag ist das Gleichstellungsbüro des Bundes auch 30 Jahre nach seiner Gründung vornehmlich damit beschäftigt, die Chancengleichheit für Frauen herzustellen. So präsentieren sich die vorherrschenden Bedingungen. Bei sich selbst muss es allerdings den Spiess umdrehen – was manche als Ironie, andere wiederum als Zeichen des Fortschritts bezeichnen dürften.

Die Männerförderung in eigener Sache versteht das Büro auf jeden Fall nicht als Pflichtaufgabe. Im Gegenteil: Die Ausgewogenheit der Geschlechter als Erfolgsfaktor sei mehrfach wissenschaftlich belegt, betont EBG-Sprecherin Jordi. «Je ausgewogener ein Team besetzt ist, umso repräsentativer ist es für die Gesellschaft. Und von umso mehr Perspektiven profitiert die Organisation.»

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