Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Tracker soll helfen: So will KKS Opfer von häuslicher Gewalt schützen

24 Frauen sind im letzten Jahr bei häuslicher Gewalt ums Leben gekommen, gleichzeitig gab es 52 Fälle von versuchten Tötungen. Justizministerin Karin Keller-Sutter schlägt nun vor, bei einem Kontaktverbot auch die Opfer mit einem Tracker auszurüsten.



Die Frage, was falsch laufe, dass solche Taten immer wieder möglich seien, beschäftige sie stark, sagte Keller-Sutter in einem Interview gegenüber den Zeitungen von Tamedia vom Freitag. Sie habe zwar keine abschliessende Antwort, sei aber auch nicht bereit, die Tatsache einfach so hinzunehmen.

Bundesraetin Karin Keller Sutter fotografiert an der Delegiertenversammlung der Freisinnig Demokratischen Partei der Schweiz, FDP, in Biel am Samstag, 12. Januar 2019. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Karin Keller-Suter im Januar 2019. Bild: KEYSTONE

Deshalb würde sie es zum Beispiel begrüssen, wenn bei einem Kontaktverbot nicht nur der Täter, sondern auch das Opfer «überwachungstechnisch ausgerüstet» würde und zwar mit einer Art Tracker. Dieser würde automatisch Alarm auslösen, wenn sich der Gefährder nähert, sagte Keller-Sutter. Damit könnte sich das Opfer entfernen und die Polizei verständigen.

Für die Bundesrätin wäre das «eine Alternative zur Echtzeitüberwachung». Diese werde von den Kantonen abgelehnt, weil sie zu aufwändig sei.

Ausserdem möchte die Justizministerin die Idee einer Opferbegleitung bei Vergewaltigungsverfahren prüfen. Sie wäre direkt bei den Staatsanwaltschaften angesiedelt und böte den Opfern «eine garantierte Ansprechperson, die sie während des gesamten Strafverfahrens begleitet. Heute orientiert sich der ganze Prozess zu stark am Täter», sagte Keller-Sutter. Die Opfer hingegen erhielten zwar eine Genugtuung, fühlten sich aber im Strafverfahren vernachlässigt.

Fussfesseln ab 2022

Am 1. Juli 2020 tritt das Bundesgesetz über die Verbesserung des Schutzes gewaltbetroffener Personen in Kraft, das den Schutz von Opfern von häuslicher Gewalt und Stalking stärken soll. Dazu gehört zwar auch die Einführung elektronischer Armbänder oder Fussfesseln zur Überwachung von Rayon- und Kontaktverboten. Diese Bestimmungen treten jedoch erst auf Anfang 2022 in Kraft, um den Kantonen genügend Zeit für die Vorbereitungen zu geben.

Darüber hinaus hält der Bundesrat eine Verschärfung des Sexualstrafrechts nicht für angezeigt, zum Beispiel wenn es darum geht, sexuelle Handlungen ohne ausdrückliche Einwilligung als Vergewaltigung zu bestrafen. Das schrieb er im August in einer Antwort auf eine Interpellation von Isabelle Moret.

Die Waadtländer FDP-Nationalrätin hatte an einen Aufruf von 22 Strafrechtsprofessorinnen und -professoren erinnert, die sich einer entsprechenden Petition von Amnesty International angeschlossen hatten.

Für wirksameren Opferschutz

Hingegen hatte der Bundesrat Ende November die Annahme eines Postulats von Nationalrätin Sibel Arslan (Grüne/BL) beantragt. Darin wird die Regierung beauftragt, Instrumente zu einem wirksameren Opferschutz bei so genannt Hochrisikofällen von häuslicher Gewalt zu prüfen.

Er soll dabei unter anderem Echtzeitüberwachung auf ihre Vor- und Nachteile für einen effektiveren Schutz analysieren. Und er soll die Einführung sogenannter Notfallknöpfe beurteilen. Damit könnten sich Opfer direkt polizeilichen Schutz holen.

Laut einer im Mai publizierten Umfrage von GFS Bern bei rund 4500 Frauen in der Schweiz hat mindestens jede fünfte Frau ab 16 Jahren schon ungewollte sexuelle Handlungen erlebt, mehr als jede zehnte Frau hatte Sex gegen ihren Willen. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Promis werden Opfer von häuslicher Gewalt: #StopViolenceAgainstWomen

Popstar wird von Freund live auf Instagram verprügelt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

21
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ueli der Knecht 27.12.2019 18:47
    Highlight Highlight "24 Frauen sind im letzten Jahr bei häuslicher Gewalt ums Leben gekommen, gleichzeitig gab es 52 Fälle von versuchten Tötungen."

    Häusliche Gewalt betrifft nicht nur Frauen. Auch viele Männer und vorallem auch Kinder sind Opfer. Von Frauen. Das ist aber Tabu.

    zB. konkret:
    "23-jährige Frau sticht Mann (31) nieder"
    https://www.watson.ch/!429742932

    Gemäss BFS:
    "Opfer von versuchten und vollendeten Tötungsdelikten - 62,6% Frauen,
    - 25,4% Männer,
    - 12% Kinder":
    https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/themen/haeusliche-gewalt/statistik.html

    "Wenn Frauen gewalttätig werden": http://bit.ly/368JgO8
  • landre 27.12.2019 16:59
    Highlight Highlight Dieser Artikel und dessen Inhalt war total überzeugend, aber nur bis zum letzten Paragraphen bzw. "Laut (...) Willen."

    ...Unsere Gesellschaft, so wie anscheinend auch die beauftragte Legislative/ Exekutive (plus Judikative?), riskieren das noble Ziel fahrlässig zu verfehlen indem diese sich anscheinend weiterhin einem rein populistischem Klischee orientieren.

    Häusliche Gewalt, ob psychische oder physische, kann man nicht eher einem Geschlecht als dem anderen zuordnen!

    Männliche Opfer haben, aus verschiedenen Gründen, einfach nur mehr Mühe sich als solche zu exponieren (können)...
  • Hallosager 27.12.2019 15:47
    Highlight Highlight Endlich hört man mal wieder was vom King Kool Savas :)
  • invisible 27.12.2019 14:18
    Highlight Highlight Und ausgerechnet der Dachverband der Frauenhäuser findet die Idee bedenklich weil damit angeblich die Polizei aus der Verantwortung entlassen und diese auf die Opfer abgeschoben wird. Ich bin offen für Erklärungen warum das NICHT bescheuert sein soll. Wäre ich betroffen würd ich diese Möglichkeit gern haben wollen, unabhängig davon wie andere später mit der Situation umgehen.
    • Ueli der Knecht 28.12.2019 13:05
      Highlight Highlight "Wäre ich betroffen würd ich diese Möglichkeit gern haben wollen, unabhängig davon wie andere später mit der Situation umgehen."

      Wärst du betroffen, dann möchtest du nicht ständig daran erinnert werden.

      Dann möchtest du, dass die Polizei dich schützt, und nicht dass du nur beschützt wirst, wenn es blinkt oder piipst, und du die Polizei rufen musst. Genau das möchtest du nicht erleben. Du würdest deine Ruhe wollen. Du würdest das alles vergessen wollen.

      Soll man betroffenen Kindern etwa solche Gerätschaft umbinden, um sie angeblich zu schützen? Oder macht man ihnen damit nicht eher Angst?
  • Wendy Testaburger 27.12.2019 13:31
    Highlight Highlight Ganz gross Frau Keller-Suter, danke!
    Was viel Leid ersparen würde, wäre solche Massnahmen auch auf Stalking-Opfer auszuweiten.
    • MartinZH 27.12.2019 17:17
      Highlight Highlight @Wendy: Genau das soll ja auch eingeführt (bzw. ausgeweitet) werden..? 🤔
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 27.12.2019 21:04
      Highlight Highlight @Wendy

      Ich würde da sogar noch einen (technischen) Schritt weiter gehen.
      Ich verabscheue Taser zwar, weil sie Waffen sind, bei welchen die Hersteller scheinheilig suggerieren, sie wären relativ ungefährlich.
      Aber in solchen Fällen, wäre ich dafür, dass man eine entsprechende Schaltung einbaut, die bei unterschreiten eines Mindestabstand, auslöst.
      Nicht, wenn der Alarm ausgelöst wurde, sondern wenn sich die gefährdende Person noch weiter nähert.
      Stark genug um seine Bewegungsfreiheit lange genug einzuschränken.
      Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass auch das schon tödlich sein könnte.
    • Wendy Testaburger 28.12.2019 14:13
      Highlight Highlight @MartinZH

      Stimmt. Für mich kommt aus dem Artikel leider zu wenig heraus, dass Stalking nicht ausschliesslich im Rahmen häuslicher Gewalt stattfindet, bzw. sein Ursprung in dieser zu finden ist.


      @Bambusbjörn

      Gut weitergedacht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Heinzbond 27.12.2019 11:56
    Highlight Highlight Bin ja sonst nicht für law and order, aber kann man die Täter, beiderlei Geschlechts, jedweder vorgeschobenenen Religion und Partei zu gehorigkeit nicht einfach mal wegsperren, in der klappse, denn normal kann das ja nicht sein...
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 28.12.2019 15:02
      Highlight Highlight Schau, ich bin gerade selbst Stationär. Es geht hier darum den Menschen zu helfen. Und dafür muss der Wille aus einem selbst kommen.
      Ich verstehe vollkommen worauf du hinaus möchtest. Aber das würde nur kurzfristig funktionieren.
      Und selbst wenn man den gefährdenden Personen kontinuierlich Depotinjektionen mit Haloperidol oder Risperidon gibt, funktioniert das auch nicht auf Dauer.
      Denn irgendwann wirkt auch die maximale Dosis nicht mehr.
      Ich verweise an dieser Stelle auf den Beitrag über deinem, in welchem ich Wendy das erste mal geantwortet habe.
      Was würdest du von dieser Idee halten?
    • Heinzbond 28.12.2019 16:10
      Highlight Highlight Da gabs mal einen Film mit rutger Hauer, RIP, da hatten gefangene explodierenden halsbänder. So was in der Art nur primär nicht lethal...
      Ich denke das wäre ein Versuch wert...
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 28.12.2019 20:20
      Highlight Highlight Meinst du eventuell "Running Man"?
      Das wäre gerade der einzige mit einer entsprechenden Szene, der mir einfällt.
      Aber vom Grundkonzept her wäre es das gleiche. Halt einfach mit einer entsprechenden Kondensatorenbank und Batterie für die Schocks.
      Ich war ja bisher immer mal wieder schießen, aber es widerstrebt mir trotzdem extrem, Gerätschaften zu erdenken, die anderen Menschen schaden oder auch nur Schmerzen verursachen.
      Aber wie ich schon öfters sagte, wenn es darum geht, unschuldige Menschen zu schützen, kann ich echt zur Bestie werden.
  • RyXXel 27.12.2019 11:51
    Highlight Highlight Unter KKS verstehe ich King Kool Savas 😂😂😂
  • MartinZH 27.12.2019 11:27
    Highlight Highlight Die Justizministerin Karin Keller-Sutter macht ihre Arbeit wirklich sehr gut! Mit Fingerspitzengefühl bringt sie ihre Geschäfte durch, sie hat gute Ideen und arbeitet konstruktiv sowie stets lösungsorientiert. Ihre Bundesrats-Kolleginnen und -Kollegen dürfen sich gerne etwas an ihrer Arbeitsweise orientieren... 👍😉
    • Martel 27.12.2019 11:53
      Highlight Highlight Nein lieber nicht.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 28.12.2019 16:50
      Highlight Highlight Aha, und wieso nicht?
      Einfach eine Meinung oder kommt da noch eine Begründung?
  • Rethinking 27.12.2019 10:51
    Highlight Highlight Mal abgesehen vom heiklen Datenschutz ein sehr Interessanter Vorschlag
  • eysd 27.12.2019 10:22
    Highlight Highlight 👍

Im Kanton Zürich geflüchteter Sexualstraftäter in Mailand verhaftet

Der am Mittwochmorgen vom Gelände des Psychiatriezentrums Rheinau ZH geflüchtete Straftäter ist am Samstag in Mailand verhaftet werden. Dies teilte die Kantonspolizei Zürich mit.

Intensive polizeiliche Ermittlungen hätten zum Aufenthaltsort des Gesuchten geführt, schrieb die Polizei. Er habe im Zuge der internationalen Fahndung verhaftet werden können.

Bei dem Mann handelt es sich um einen 33-jährigen abgewiesenen Asylbewerber aus Marokko ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Er befand sich in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel