Schweiz
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Die Kuechenmannschaft und das Servicepersonal des Restaurant Strauss im Meierskappel im Kanton Luzern ist wieder fuer die Gaeste da, waehrend der Wiedereroeffnung des Restaurants am Montag, 11. Mai 2020. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Servieren mit Mundschutz: Eine Kellnerin des Restaurants Strauss im Meierskappel im Kanton Luzern. Bild: KEYSTONE

Unklare Vorgaben: Gastrosuisse übt Kritik am Bund

Gastrosuisse erntet für das Schutzkonzept zum Teil negative Rückmeldungen aus den eigenen Reihen. Präsident Casimir Platzer entgegnet, viele Details stammten direkt vom Bund.

Kari Kälin / ch media



Billard und Dart sind verboten, Spielautomaten gibt es keine, Zeitungen dürfen nicht gelesen werden, weil sie durch die Hände mehrerer Gäste wandern könnten: Das Schutzkonzept des Gastgewerbes regelt nicht nur Mindestabstände zwischen Tischen oder die Höhe von Trennwänden, sondern auch was die Restaurants bei der Wiedereröffnung dürfen und was nicht.

Die obligatorische Erfassung aller Gäste konnte der Verband Gastrosuisse in letzter Minute noch abwenden. Gleichwohl stellt deren Präsident Casimir Platzer das «Mikromanagement» des Bundes in Frage. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das Bundesamt für Gesundheit, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und der Bundesrat selber hätten zum Teil «schwierige» Auflagen formuliert. Die Trägerverbände Gastrosuisse, Hotelleriesuisse und der Schweizerische Catering Verband hätten aber auch die Gewerkschaften angehört. Deren Empfehlungen seien ebenfalls eingeflossen.

Grundsätzlich sind die Branchen und Betriebe angehalten, selber Schutzkonzepte auszuarbeiten. Weder der Bund noch die Kantone nehmen sie offiziell ab; der Bund stellt lediglich Muster- und Standardschutzkonzepte zur Verfügung.

Verwundert über die dringliche Masken-Empfehlung

Diverse Betriebe haben sich bei Platzer beschwert und Gastrosuisse für die als schikanös und nicht umsetzbar empfundenen Auflagen verantwortlich gemacht. «In Unkenntnis der Prozesse kann ich diese Rückmeldungen nachvollziehen», sagt Platzer. «Aber viele Vorgaben des Schutzkonzeptes stammen direkt vom Bund und nicht aus unserer Küche.» Oder mit anderen Worten: Gastrosuisse hätte nicht jedes Detail präventiv im Schutzkonzept geregelt. Platzer wundert sich zum Beispiel, dass für das Servicepersonal eine Maske dringlich empfohlen wird, obwohl beim Kundenkontakt die Zwei-Meter-Distanz nur während sehr kurzer Zeit unterschritten wird.

Die Mehrheit der Mitglieder, sagt Platzer, habe aber dem Verband gedankt für den Einsatz zugunsten der Brache. «Sie freuen sich, dass sie nach zwei Monaten endlich wieder Gäste empfangen und bewirten dürfen.» Platzer glaubt nicht, dass Betriebe einen leichtfertigen Umgang mit den Konzepten haben werden. «Sie haben ein ureigenes Interesse daran, die Gesundheit ihrer Angestellten und ihrer Kunden zu schützen», sagt er.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisiert die Schutzkonzept-Politik grundsätzlich. «Der Bund investiert Milliarden, um den Lockdown abzufedern. Ausgerechnet beim Hochfahren der Wirtschaft geht er fahrlässig vor und verursacht so viel Unsicherheit und Angst», sagt Zentralsekretär Luca Cirigliano.

Gewerkschaft fordert Genehmigung der Schutzkonzepte

Der SGB fordert den Bundesrat dazu auf, die Coronaverordnung zu revidieren und die Genehmigung der Schutzkonzepte für die betroffenen Branchen und Betriebe durch das Seco für obligatorisch zu erklären. Für Cirigliano ist klar: «Der Bund darf die Unternehmen nicht mit einem «Do-it-your-self-Ansatz» alleine lassen. Auch sollten bei der Erarbeitung der Schutzkonzepte zwingend Arbeitsmediziner oder Experten Arbeitssicherheit beigezogen werden.»

Klarerer Vorgaben hätten sich auch diverse Branchen gewünscht. Zum Beispiel verbindliche Richtlinien, wie Damien Ojetti, Zentralpräsident von Coiffure Suisse, gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte. Der Verband stellte dem Bund sein Schutzkonzept zu, habe aber nie eine Rückmeldung erhalten. «Wir wissen deshalb nicht, ob sich der Bund das Konzept angeschaut hat.»

Luca Cirigliano vom Gewerkschaftsbund befürchtet, dass die Umsetzung in den Betrieben viel zu wenig häufig kontrolliert werden. «Den kantonalen Arbeitsinspektoraten fehlen die nötigen Ressourcen, wie verschiedene Experten immer wieder aufzeigen.» Die Coronakrise bringe dieses notorische Manko verstärkt ans Licht.

Direktbetroffene geben jedoch Entwarnung. Beat Bachmann, Leiter des Arbeitsinspektorats des Kantons St. Gallen und Präsident der Vereinigung der kantonalen Arbeitsinspektorate, sagt: «Ich kann nicht für die anderen Kantonen sprechen, aber in St.Gallen sind wir gut aufgestellt. Sollten wir feststellen, dass wir für die Kontrollen der Schutzkonzepte mehr Personal benötigen, werden wir kurzfristig entsprechende Kräfte mobilisieren.»

Bund verweist auf Sorgfaltspflicht

Kein Verständnis für die Forderung des Gewerkschaftsbundes zeigt der Schweizerische Gewerbeverband. Direktor Hans-Ulrich Bigler verweist auf das Arbeitsgesetz, das die gesetzliche Grundlage für die Schutzkonzepte bilde. Es sehe vor, dass die Arbeitgeber im Rahmen ihrer Pflichten für den Gesundheitsschutz der Angestellten und der Kunden verantwortlich seien.

Auf dieser Linie argumentiert auch Boris Zürcher. «Es gibt keine Staatsfürsorgepflicht im Arbeitsgesetz», sagte der Leiter Direktion Arbeit des Seco am Montag. Es gelte die Sorgfaltspflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sie der Gesundheit der Angestellten nicht schadeten. Dieser Grundsatz werde aktuell ergänzt durch virusbezogene Auflagen wie Distanzhalten oder Hygienevorschriften. Die Kantone seien sich ihrer Verantwortung bewusst: «Sie kontrollieren und werden sogar noch verstärkt durch die kantonsärztlichen Dienste, wenn es um spezifische Fragen gibt, die nicht das Hauptgebiet der Arbeitsinspektoren betreffen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rethinking 12.05.2020 13:30
    Highlight Highlight „Billard und Dart sind verboten, Spielautomaten gibt es keine, Zeitungen dürfen nicht gelesen werden, weil sie durch die Hände mehrerer Gäste wandern könnten“

    Sprechen wir doch mal über die Kopierer und die Kaffeemaschinen in den Büros... Oder über die Ausdrucke die von Hand zu Hand wandern... Oder darüber dass wir nun wieder die ÖV überfüllen weil wir zurück ins Büro müssen...

    Warum genau macht der Bund nicht mehr Vorgaben für Bürobetriebe?
  • tonitoetap 12.05.2020 07:35
    Highlight Highlight Das Gastrogewerbe schafft es während dieser Krise nonstop zu jammern. Sie sind zum einen nicht das einzige Gewerbe welches es hart getroffen hat, vermutlich einfach das grösste und vor allem lauteste. Es wurde bei der ersten Lockerung gejammert, es wurde auch jetzt bei der zweiten Lockerung wieder gejammert. Was dachten die sich denn, man kann die Beizen früher als geplant öffnen (auf eigenes Drängen hin) und muss nicht damit rechnendass es restriktive Massnahmen einzuhalten gilt.
  • Töfflifahrer 12.05.2020 06:56
    Highlight Highlight Wo ist bitte das Problem, es geht um Abstand und Hygiene. Max. 4 Leute die zusammen gekommen sind an einem Tisch oder Familien. Masken sind ja nicht nur da für die Zeit des Bedienens, die sollen auch die Waren schützen die zu Gast transportiert werden.
    Das ist alles, die gesamten Schutzkonzepte drehen sich nur darum und um die Rückverfolgbarkeit der Gäste.
    Wer das nicht sicherstellen kann oder will, macht nicht auf, Basta!
    Wir haben immer noch eine Pandemie!
  • Neunauge 12.05.2020 06:55
    Highlight Highlight Entschuldigung, geht das nur mir so. Aber das auf dem Titelbild ist keine Kellnerin. Das ist Albert Rösti. Und er serviert Rösti.
  • Thomas G. 12.05.2020 00:40
    Highlight Highlight Gastrosuisse. Der Verband ohne Twitter, Facebook oder nur schon Xing, LinkedIn. Suuuuper modern.

    Drum haben auch 90% der Gastrobetriebe keine Online Bestellmöglichkeit. Also keinen Umsatz. Muss man das verstehen? Nein.
  • eldorak 11.05.2020 23:58
    Highlight Highlight Gerade als Geschäftsleiter sollte man auch selbst fähig sein, ein Sicherheitskonzept auszuarbeiten.
    Ich finds zwar bedenklich, dass der Bund nicht auf die Anfragen und Vorschläge eingeht, andererseits sollte man aus den Informationen der letzten Wochen und der jeweiligen Umsetzungen in Läden u.a. fähig sein, was eigenes auf die Beine zu stellen.
    Hört sich für mich auch ein wenig so an, als möchte man ja keinen Franken zu viel für die Umsetzung ausgeben
  • Och 11.05.2020 22:51
    Highlight Highlight Und schon wieder (nur) eine dringende Maskenempfehlung des BAG ohne Maskenpflicht! Wenn etwas zum Schutz Dritter dringend empfehlenswert ist, sollte man es nicht der Willkür des Einzelnen überlassen, den dieser hat kein Recht, andere durch sein fahrlässiges Verhalten zu gefährden! Das hat nichts mehr mit Eigenverantwortung zu tun, ausser man meidet verantwortungslose Gastrobetriebe, die sich nicht einmal an die Maskenempfehlung betreffend das Servicepersonal halten, gleich ganz!
  • Lioness 11.05.2020 22:36
    Highlight Highlight Diese ewigen Nörgler. "Schikanös" also bitte. Alle die in der Zwischenzeit weitergearbeitet haben, mussten sich zum Teil noch gröberen Massnahmen unterziehen (Verkäufer in Levensmittelgeschäften, Pflegepersonal und Ärzte, Bauarbeiter, etc.) Von denen kam kein Gequängel, sie waren froh, gabs Schutz und das sie Arbeiten durften. Die arbeiten auch jetzt noch mit Auflagen. Umsetzen oder zu lassen und vor allem aufhören zu quengeln und durchstarten. In unserem Dorf hat sich kein Beizer beschwert sondern die Angaben umgesetzt.
    • Heb dä Latz! 11.05.2020 23:10
      Highlight Highlight @Lioness

      Ich mag es wenn jemand den Nuggi zieht und die Verhältnisse in Relationen setzt.
  • Randalf 11.05.2020 22:35
    Highlight Highlight
    Die Arbeitgeber der Gastrobranche haben die Pflicht ihre Angestellten und Kunden hinreichend zu schützen. Genauso wie andere Arbeitgeber auch.
    Dazu braucht es ein Konzept. Da jeder Betrieb anders ist als der andere, werden es auch die Konzepte sein.
    Hier jetzt nach dem Bund zu rufen scheint mich eher an das Abgeben der Verantwortung zu erinnern.
    Wer den Schutz umsetzen kann und öffnen will soll es tun. Wer es nicht kann oder will, darf weiter Kurzarbeit beziehen.
    Gastrosuisse hat diesen Druck mitaufgebaut, soll er damit fertig werden.
    Nicht nur fordern, Gastrosuisse, sondern auch fördern.
  • HartinderHard 11.05.2020 22:28
    Highlight Highlight Dass der Gesetzgeber die Schutzkonzepte nicht abnimmt, ist problematisch da keine Rechtssicherheit herrscht. Wenn ein Branchenkonzept im nachhinein als unsicher betrachtet wird, kann jedes Unternehmen gebüsst werden.
    • Meierli 12.05.2020 05:47
      Highlight Highlight Unternehmen werden nicht gebüsst, sondern geschlossen. Machen sie sich doch mal schlau. Und von Gastrosuisse habe ich eh genug. Nörgeln, drängeln, nicht im Sinne vieler Mitglieder gehandelt. Nun will man auf den Bund abschieben.
    • HartinderHard 12.05.2020 21:46
      Highlight Highlight Unternehmer und auch Privatpersonen können sehr wohl gebüsst oder sogar mit Gefängnis bestraft werden, wenn sie gegen die Coronaverordnung verstossen, theoretisch auch noch Jahre später. Eine Schliessung ist natürlich wirkungsvoller, darum wird das wohl so gehandhabt. Die ganze Öffnung ist ein gewaltiges Flickwerk, auch wegen Organisationen wie GastroSuisse.
  • Lowend 11.05.2020 21:04
    Highlight Highlight Der Bundesrat hat hervorragend gearbeitet, als es um die Begrenzung des gesundheitlichen Schadens ging, weil er da mit echten Fachleuten zusammen arbeiten konnte und alle das gleiche Ziel hatten.

    Dann kamen die Öffnungsfanatiker und setzten die Regierung unter Druck und jeder überbot sich mit Vorschlägen, wie und mit welchen Schutzkonzepten jedes Gewerbe noch schneller wieder arbeiten könne und nun kommen genau die gleichen, die dieses Chaos angerichtet haben und beschweren sich bei der Regierung, dass ihre überhastete Hau-Ruck-Übung Chaos verursacht habe. Echt unfassbar, diese Verbandschefs!
  • Y.M.S.C. 11.05.2020 20:30
    Highlight Highlight Es gibt einige Unklarheiten. Zum Beispiel: Die Angestellten müssen eine Maske tragen falls sie untereinander keine 2 Meter abstand einhalten können etc. Sie könnten aber zu 4 abmachen (weil sie sind einander bakannt) und in ein anderes Restaurant gehen und dort zusammen am Tisch sein ohne Abstand und ohne Maske... ???
  • M3LS10R 11.05.2020 20:23
    Highlight Highlight "Der SGB fordert den Bundesrat dazu auf, die Coronaverordnung zu revidieren und die Genehmigung der Schutzkonzepte für die betroffenen Branchen und Betriebe durch das Seco für obligatorisch zu erklären."

    Das würde Monate dauern bis jedes Konzept geprüft wäre und solange könnte man nicht öffnen. Wie stellt der sich das vor?!
  • Jacques #23 11.05.2020 20:14
    Highlight Highlight Platzer schreit am Lautesten, arbeitet zu schnelle Lösungen heraus und an den Konzept Fehlern ist der Bund schuld.

    Hey. Ist das Trump? Er sollte abtreten.
  • Gurgelhals 11.05.2020 20:11
    Highlight Highlight Mimimimimi. Die Gastrosuisse-Lobby geht mir also auch zunehmend auf den Sack. Zuerst über den achso übergriffigen Bundesrat motzen und mit stümperhaftem Lobbying versuchen dessen Entscheide zu hintertreiben. Und dann, wenn der Bundesrat eine typisch schweizerische, dh. auf Subsidiarität und Eigenverantwortung setzende Massnahme verabschiedet und derselbe Branchenverband bei der Umsetzung scheinbar wiederum nicht gerade als Kompetenzbolzen brilliert, ist natürlich auch wieder der Bundesrat schuld. Und das sind dann die gleichen Leute, die permanent von der heiligen Eigenverantwortung schwafeln.

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