Schweiz
Coronavirus

Das schreiben die Sonntagszeitungen vom 5. Dezember 2021

Teurerer Impfstoff, Triage und Covid-Wut – das schreiben die Sonntagszeitungen

Die Diskussionen über die Einführung von 2G und einer Impfpflicht, die massiv höheren Preise für Impfstoffe und die Forderung der Anti-Raucher-Lobby nach einer Verdoppelung der Zigaretten-Preise: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
05.12.2021, 06:21
Mehr «Schweiz»

Themen rund um das Coronavirus:

SP-Chef Wermuth rüttelt an den Tabus 2G und Impfpflicht

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth zieht gar ein 2G-Obligatorium in Betracht. Bund und Kantone müssten die Impfkampagne nochmals deutlich verstärken, sagte Wermuth gegenüber der «SonntagsZeitung». Er glaube aber nicht, dass dies reichen werde. Deshalb müssten jetzt Tabus gebrochen werden. Es müsse nun rasch eine offene Diskussion über Massnahmen wie 2G oder eine Impfpflicht geführt werden. SP-Nationalrat Fabian Molina macht seinerseits Druck bei der Impfpflicht. Am Montag muss der Bundesrat im Parlament Fragen dazu beantworten. Molina will wissen, welche Überlegungen die Landesregierung zu einem Impf-Obligatorium angestellt hat und welchen Handlungsspielraum der Bundesrat hat.

Cedric Wermuth, Co-Praesidium SP Schweiz am ausserordentlichen Parteitag der SP Schweiz in den Olma Messen in St. Gallen am Samstag, 28. August 2021. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Für Cédric Wermuth käme ein 2G-Obligatorium in Frage.Bild: keystone

Streit um Tests an Schulen: Bildungsdirektorin Steiner kontert Berset

Die Mehrheit der Kantone hat sich in der jüngsten Vernehmlassung zu den Corona-Massnahmen gegen flächendeckende Tests an Schulen ausgesprochen. Die Kantone lehnten repetitive Tests nicht ab, sagte Silvia Steiner, Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz, gegenüber dem «SonntagsBlick». Sie würden im Gegenteil in vielen Kantonen durchgeführt. Eine gesamtschweizerische Verpflichtung würde jedoch enorme Testkapazitäten beanspruchen, wobei je nach Gebiet das System schon heute am Anschlag sei. Wegen der langen Wartezeiten würde zudem das Ziel, asymptomatische Fälle frühzeitig zu erkennen, nicht mehr erreicht. Ohne Akzeptanz und hohe Teilnahmequote in den Klassen führe das repetitive Testen zu weniger guten Resultaten.

Bund erhöht Preise für Impfstoffe massiv

Der Bund, die zentrale Drehscheibe für den Einkauf und die Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19, erhöht die Preise für diese Produkte im kommenden Jahr massiv. Pro Dosis werden neu 25 Franken in Rechnung gestellt gegenüber 5 Franken bisher. Hintergrund der Preiserhöhung ist laut «NZZ am Sonntag», dass sich der Bund verschätzt hat. Er sei ursprünglich von günstigerem Impfstoff ausgegangen. Die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura reagierten irritiert auf die Preiserhöhung. Sie verstünden, dass sich die Mitglieder über dieses Vorgehen ärgerten. Dennoch sollten die Versicherten von dieser Preiserhöhung nichts spüren. Sie könnten über die Reserven aufgefangen werden.

Hotellerie hofft auf Verlängerung der Hilfszahlungen

Die Schweizer Hotellerie kämpft nach der Entdeckung der neuen Corona-Variante Omikron mit einer Welle von Stornierungen. Zahlreiche Gäste aus England, Belgien oder den Niederlanden haben ihre Weihnachtsferien bereits abgesagt. Nicht nur wegen der Quarantänepflicht, sondern auch wegen der epidemiologischen Lage. Im Berner Oberland etwa verzeichnen Hotels bis zu 50 Prozent Stornierungen. Auch in der Stadt werden Events, Weihnachtsessen und Caterings von Firmen reihenweise abgesagt. Für viele Hotels sei die aktuelle Situation verheerend, sagte Claude Meier, Direktor des Dachverbandes Hotelleriesuisse, gegenüber der «SonntagsZeitung». Das Parlament müsse die Härtefallregelung nochmals verlängern. Ansonsten liefen diese Ende Jahr aus. Am Montag berät der Ständerat darüber.

In der Schweiz haben die Triagen begonnen

Weil die jüngsten Massnahmen gegen die Corona-Pandemie zu spät kommen, müssen Spitäler zunehmend eine Triage bei Patientinnen und Patienten vornehmen. So hat laut «SonntagsBlick» in der letzten Woche die Intensivstation der Hirslanden Klinik Aarau Patienten mit Begleiterscheinungen triagiert, wie der stellvertretende Leiter der Intensivstation, Christian Frey sagte. So sei ein Krebskranker mit seinem Einverständnis nicht in die Intensivstation aufgenommen, sondern auf einer normalen Station nicht invasiv beamtet worden. Stiegen die Fallzahlen bei den Neuinfektionen weiter, werde auch die Triage zunehmen. Für die Genfer Epidemiologin Olivia Keiser steht fest, dass die aktuellen Massnahmen nicht reichten. Die Spitäler seien stark überlastet. Und trotzdem passiere viel zu wenig.

Nächste Welle: Covid-Wut

Die seit knapp zwei Jahren andauernden Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zehrt an den Nerven der Bevölkerung. Selbst ausgeglichene Menschen werden dünnhäutig. Der Geduldsfaden reisst bei vielen schneller und häufiger, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Der Ton ist allgemein giftiger. Das stellen vor allem Betriebe im Dienstleistungssektor fest. Die SBB, die Zürcher Verkehrsbetriebe und die Swiss konstatieren, dass die Passagiere angespannter sind als früher. Zum gleichen Ergebnis kommt auch Gastrosuisse, der Verband der Hotellerie und der Restauration. Frank Urbaniok, forensischer Berater und Experte für Aggressionen, überrascht die Entwicklung nicht. Der Nährboden dafür sei schon lange vor Corona gelegt worden – etwa mit Hasstiraden im Internet.

Sonstige Themen:

14 Franken – Zigaretten sollen bald fast doppelt so viel kosten

Bei den Zigaretten droht eine massive Preiserhöhung. Rund 14 Franken soll eine Packung Zigaretten künftig im Schnitt kosten verglichen mit 8 Franken heute, schreibt die «NZZ am Sonntag». Weil die Jugendprävention nicht rasch genug vorwärtskommt und die Raucherquote in der Schweiz seit Jahren stagniert, fordert die Anti-Tabak-Lobby eine Verdoppelung des Verkaufspreises. Der Vorschlag der Lobby ist breit abgestützt, Dahinter stehen mit der Lungenliga, der Krebsliga, Sucht Schweiz und dem Dachverband der Ärztinnen und Ärzte sämtliche national bedeutenden Gesundheitsorganisationen. Im kommenden Jahr soll in der Schweiz erstmals ein nationaler Raucherstopp-Monat stattfinden. Damit soll die Basis für den langfristigen Rauchstopp gelegt werden.

FILE - In this July 17, 2012 file photo, Marlboro cigarettes are displayed in Montpelier, Vt. The chief executive of the company that makes Marlboro cigarettes was quoted by Britain's Mail on Sun ...
Rauchen soll künftig noch teurer werden.Bild: keystone

Frankenstärke: Schweizer Wirtschaft nimmt Aufwertung erstaunlich gelassen

Die Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, nimmt die aktuelle Frankenstärke gelassen. In den letzten Tagen notierte der Franken zum Euro nur noch mit 1.04 Franken – der tiefste Wert seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015. Die Situation sei nicht mehr mit 2015 vergleichbar, sagte Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, gegenüber dem «SonntagsBlick». Der bereits überbewertete Franken sei damals über Nacht stärker geworden. Die Preise im Euroraum seien in den letzten sechs Jahren um 7.6 Prozent stärker gestiegen als in der Schweiz, begründete Minsch dies. Mehr Sorgen um den Euro-Franken-Kurs macht sich dagegen Swissmem, der Dachverband der Maschinen- und Metallindustrie. Mit der jüngsten Aufwertung sei der Franken wieder bedrohlich überbewertet.

Pannenserie bei Bundesratsjets betrifft auch Simonetta Sommaruga

Die Pannenserie mit dem Bundesratsjet ist grösser als bisher angenommen. Laut Informationen der «SonntagsZeitung» konnte Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Juli nach einem Treffen in London nicht wie geplant in die Schweiz zurückfliegen, da ein Triebwerk des Jets nicht gestartet werden konnte. Sommaruga musste ein anderes Flugzeug nehmen. Bereits letzte Woche musste Bundesrat Ignazio Cassis eine Reise nach China aufgrund einer Panne abbrechen. Zuvor war Bundespräsident Guy Parmelin betroffen. Der Bundesratsjet musste auf einem Flug nach Japan umkehren. Es gebe keine Zusammenhänge zwischen den Vorfällen, teilte die Schweizer Armee mit. Die Flugsicherheit sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.

Hackerangriffe haben sich 2021 verdreifacht

Die Cyberangriffe mit Ransomware nehmen in der Schweiz stark zu, wie die Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche» berichtet. Die Meldungen über solche Hackerangriffe hätten sich 2021 verdreifacht, mit 94 gemeldeten Vorfällen in der ersten Jahreshälfte, sagte ein Sprecher des Bundeszentrums für Cybersicherheit. Wegen der hohen Dunkelziffer müssten die Zahlen jedoch wohl mit dem Faktor 20 multipliziert werden, um ein realistisches Bild zu erhalten. Sollten die Hacker Lösegeld fordern, so raten die Behörden den Firmen, auf solche Zahlungen zu verzichten. Tatsächlich zahlten aber in 30 bis 50 Prozent aller Fälle die Firmen, um ihre Daten zurückzuerhalten, sagte Mathias Fuchs von der Zuger Firma Infoguard. (saw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
22 Schweizer Prominente, die gegen Covid-19 geimpft sind
1 / 17
22 Schweizer Prominente, die gegen Covid-19 geimpft sind
Sportler, Musiker, Politiker und Moderatoren – diese Schweizer Promis haben sich piksen lassen:
Nicht nur Frauen-Nati-Spielerin Alisha Lehmann ist gegen Corona geimpft, ...
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Diese Medikamente braucht ein Covid-Patient auf der Intensivstation
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
50 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Nightwitch
05.12.2021 08:29registriert August 2020
Bis anhin habe ich meinen ungeimpften Mitmenschen gesagt, dass es jeder selber für sich entscheiden muss, ob er sich impft oder nicht. Aber wenn ich nun sehe, was in den Spitälern so abgeht, dann hört mein Verständnis langsam auf. Viele Impfgegner verleugnen, dass die Spitäler überlastet sind. Mein Sohn muss nun für die nächsten Wochen im Kaspi Luzern aushelfen (Zivilschutz) und muss nun seine Ausbildung (Studium) unterbrechen. Nur weil es Menschen gibt, welche sich einfach nicht impfen lassen wollen. Ich hab einfach langsam die Schn..... voll!
13921
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sitzplätzler
05.12.2021 09:03registriert April 2017
Kann mir hier ein Impfgegner sagen, wieso er das "Gift" aus der Impfung nicht in sich haben möchte, bei schwerem Covid-Verlauf dann aber die Massen an Medikamten gerne nimmt? Würde mich echt wundernehmen, ob es da eine Erklärung dazu gibt. Es wäre ja von diesem "Gift-Argument" her gesehen für die eigene Überzeugung, auf einen IPS-Platz zu verzichten.
10513
Melden
Zum Kommentar
avatar
IchfragefüreinenFreund
05.12.2021 09:03registriert Juli 2020
Was ich nicht verstehe ist warum die Feiglinge von Impfverweigerern nicht freiwillig im Krankenhaus aushelfen. Wenn angeblich nichts überlastet ist, dann müssten die doch eine ruhige Kugel schieben. Oder haben sie womöglich doch Angst vor der Wahrheit?
9113
Melden
Zum Kommentar
50
Weitere Leiche im Flussbett der Maggia in Cevio im Tessin gefunden

Eine weitere Leiche ist am Montag kurz vor 17 Uhr im Flussbett der Maggia bei Cevio im Tessin gefunden worden. Die tote Person ist noch nicht identifiziert, wie die Kantonspolizei am Abend mitteilte. Es handelt sich um die bislang 7. Leiche in der Maggia nach den Unwettern.

Zur Story